Infektiologin Prof. Dr. Andrea Grisold aus Graz:: In kleinen Gruppen und unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen spricht nichts gegen einen Kroatien-Törn, auch als Charter.

Kann man demnächst wieder bedenkenlos nach Kroatien fahren und seinen Urlaub bzw. Charter dort, möglichst auf einer Yacht verbringen, ohne Bedenken, sich einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus, (COVID-19) SARS CoV-2 auszusetzen? Zugegeben, für die meisten Yachteigner bzw. Charter Crews ist das Glas wohl eher halb voll als halb leer und sie können es kaum erwarten, endlich wieder auf der eigenen Yacht zu stehen. SeaHelp wollte einmal von neutraler Seite, der bekannten österreichischen Infektiologin Prof. Dr. Andrea Grisold aus Graz wissen, wie es um die Sicherheit an Bord, in den Marinas und Restaurants bestellt ist. Ihre Antworten lassen hoffen…
Interview mit Infektiologin Prof. Dr. Andrea Grisold aus Graz: Yachturlaub bzw. Charter in Kroatien bzw. an der Adria ungefährlich in Zeiten von COVID-19, SARS-CoV-2.
Infektiologin Prof. Dr. Andrea Grisold aus Graz: Auf einer Yacht in Kroatien besteht unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln keine Gefahr.

Interview zu COVID-19:

Prof. Dr. Andrea Grisold zählt auf Grund ihrer Befähigung zu den führenden Köpfen Österreichs, wenn es um Fragen zur Ausbreitung von Infektionen wie dem Coronavirus, (COVID-19) SARS CoV-2 geht. Als Fachärztin für Hygiene und Mikrobiologie sowie Fachärztin für Infektiologie und Tropenmedizin ist sie in zahlreichen Gremien tätig. Sie ist Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Hygiene, Mikrobiologie und Präventivmedizin bzw. Vorsitzende des Nationalen Komitees zur Elimination von Masern in Österreich, um nur einige Bereiche ihrer umfangreichen Tätigkeiten zu nennen.

Hier ihre Antworten:

SeaHelp: Wenn ich im Sommer in einer der Marinas an der kroatischen Adria auf einer Yacht oder Charter Yacht draußen sitze und der nächste Nachbar befindet sich drei bis vier Meter entfernt, sehen Sie darin eine Gefahr?

Prof. Dr. Grisold: Nein, darin sehe ich sicherlich keine Gefahr. Wie wir wissen, sollte die Abstandsregel von ein bis zwei Metern eingehalten werden, wenn ich mich in drei bis vier Metern Entfernung aufhalte, ist das sicherlich nicht gefährlich.

SeaHelp: Der Deutsche Wetterdienst hat in einer Presseerklärung verlauten lassen, dass die Übertragung des Coronavirus bei Sonnenschein und einer gewissen relativen Luftfeuchtigkeit stark eingeschränkt sein soll. Können Sie das aus ihrer Erfahrung bestätigen.

Prof. Dr. Grisold: Es ist bekannt, dass UV-Strahlung die Überlebenszeit von einigen Viren reduziert. Dass es durch hohe Temperaturen bzw. viel Sonne zu einer geringeren Verbreitung des SARS-CoV-2 Virus kommt, scheint derzeit aber nicht sicher zu sein, da sich dieses Virus auch in Ländern mit schon jetzt hohen Temperaturen ausbreitet. Schlussendlich wird man den Einfluss des Klimas erst in einem Jahr wirklich beurteilen können.

SeaHelp: Wie sehen sie denn die Situation im Charter bei den Charterskippern?

Prof. Dr. Grisold: Alles hängt von der lokalen Corona-Situation und von der Eigenverantwortlichkeit der Schiffsurlauber bzw. Crewmitglieder ab. Das heißt Reisen, soweit überhaupt möglich, sollten wirklich nur angetreten werden, wenn man ohne Symptomatik ist, also kein Fieber, Husten, Durchfall oder andere Zeichen von COVID-19 hat. Sollte man wirklich während der Schiffsreise erkranken und man kann nicht von Bord kommen, sollte man in jedem Fall in seiner Kajüte bleiben, um das Infektionsrisiko für die Mitreisenden zu minimieren.

SeaHelp: Mal ganz konkret, sollte man das Zusammentreffen einer Charter Crew auf einem Charterboot zulassen?

Prof. Dr. Grisold: Auch die Reisen auf einem Charterboot werden nur unter bestimmten Voraussetzungen durchzuführen sein. In erster Linie geht es um die Standardhygienemaßnahmen, wie Abstand halten (wo auf einem Schiff überhaupt möglich) und verstärkte Hygienemaßnahmen. PCR-Tests vorab werden derzeit diskutiert, machen aber eigentlich nur Sinn, wenn die gesamte Crew nie von Board geht. In dem Moment, wo man z.B. in der Marina zum Essen oder im Hafen einkaufen geht, könnte man sich ja jederzeit wieder anstecken. Hier gilt es in jedem Fall auf Abstand und ggf. Mundschutz zu achten und sich beim Betreten des Bootes die Hände zu waschen. Kennen sich die Crew-Mitglieder untereinander und gehen hinsichtlich möglicher Infektionen vertrauensvoll miteinander um, sehe ich darin aber nach derzeitigem Stand kein Problem darin. Ein gewisses Restrisiko ist auch daheim nicht auszuschließen.

SeaHelp: Sehen Sie generell eine Gefahr bei Charter Reisen?

Prof. Dr. Grisold: Wenn die Reisenden gesund sind und in kleinen Gruppen, kann man solche Charter Reisen sicherlich durchführen. Wenn man abends vom Schiff geht, sollte man Massenansammlungen meiden, Abstand halten und so oft wie möglich Händewaschen.

SeaHelp: Jetzt gehe ich beispielsweise in ein Restaurant und habe das Pech, dass der Koch sich schon unbemerkt infiziert hat. Können sich die Viren dann vom Küchenpersonal auf die Speisen übertragen?

Prof. Dr. Grisold: Coronaviren werden über Tröpfchen bzw. Schmierinfektion übertragen. Derzeit gibt es keine Hinweise, dass diese Viren über Essen übertragen werden. Selbst wenn der Koch das Essen angehustet hat, besteht keine Gefahr. Die Gefahr geht in einem Restaurant sicher am ehestens vom Kellner oder den Personen hinter der Bar aus, die einen über Husten oder Niesen anstecken könnten, aber auch nur unter der Voraussetzung, dass sie erkrankt sind.

SeaHelp: Also, meine Cevapcici könnte ich essen. Und den Salat?

Prof. Dr. Grisold: Corona-Viren sind nicht hitzebeständig, das heißt von erhitzten Speisen geht definitiv keine Infektionsgefahr aus. Auch die Frage nach einer Übertragung über Salat ist rein hypothetisch, da das Virus nicht sehr umweltstabil ist und Salate vor dem Verzehr ja auch noch mariniert werden, was die Viren ebenfalls abtöten würde. Eine Infektionsgefahr besteht nur dann, wenn man etwas angreift, wo ggf. Viren oben sind und sich dann zu Mund und Nase fährt.

SeaHelp: Kroatien plant, frühestens am 11. Mai wieder touristische Einrichtungen zu öffnen. Macht das aus ihrer Sicht Sinn?

Prof. Dr. Grisold: Wir sprechen im Moment nicht von Sinn oder Unsinn, sondern es geht darum, die Infektionszahlen genau im Blickfeld zu haben. Wenn man sich die sogenannte Reproduktionszahl ansieht und diese liegt unter 1, d.h. ein Coronapatient steckt laut Statistik weniger als eine andere Person an, kann man sicherlich daran denken, solche Einrichtungen wie beispielsweise auch Restaurants wieder zu öffnen.

SeaHelp: Können Sie Skippern noch irgendwelche Tipps mit auf den Weg geben?

Prof. Dr. Grisold: Die Standard-Hygienemaßnahmen werden das Um und Auf sein, das heißt Abstand halten, so oft wie möglich Händewaschen und es macht natürlich Sinn, Oberflächen, die von vielen angegriffen werden, wie z.B. Griffe, mit denen alle an Bord in Berührung kommen, öfter zu reinigen bzw. zu desinfizieren.

SeaHelp: Kurzum, kann man aus Infektiologen-Sicht solch einen Charter Törn in Kroatien befürworten?

Prof. Dr. Grisold: In kleinen Gruppen und unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen spricht nichts dagegen. Aber man muss auf die lokale Entwicklung achten und die Infektionszahlen im Auge haben.

SeaHelp: Vielen Dank für das Gespräch.

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