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Yacht-Anwalt Prof. Dr. Christoph Ph. Schließmann:
Schadensminderungspflicht im Versicherungsfall

News, Sicherheit, Versicherung

Bei der Abwicklung von Havarie-Schäden ist die „Schadensminderungspflicht“ immer wie-
der ein Überraschungs-Thema, über das mancher sicher geglaubte Ersatzanspruch bröckelt. Und das, obwohl der Begriff rechtlich so gar nicht existiert. Unsere Rechtsordnung verbietet keine Selbstgefährdung und Selbstbeschädigung. Es geht vielmehr – im deutschen Recht § 254 BGB – um die Verletzung einer gegenüber einem anderen oder gegenüber der Allgemeinheit bestehenden Rechtspflicht, einer „Obliegenheit“ sich selbst gegenüber. Diese beruht auf der Überlegung, dass jemand, der diejenige Sorgfalt außer Acht lässt, die nach Lage der Sache erforderlich erscheint, um sich selbst vor Schaden zu bewahren, auch den Verlust oder die Kürzung seiner Ansprüche hinnehmen muss. Im Verhältnis zwischen Schädiger und Geschädigtem würde es nämlich unbillig erscheinen, dass jemand für den von ihm erlittenen Schaden trotz eigener Mitverantwortung vollen Ersatz fordert. Der Geschädigte hat vielmehr die Pflicht den Schaden nicht über das „Unvermeidbare“ zu vergrößern.

Ein Beispielsfall: Ein 50 ft. Sportboot verlässt eine Festlandsbucht in Kroatien mit Ziel Kornaten. Dabei übersieht der Skipper eine am Ausgang der Bucht 300 m vom Land befindliche belegene Untiefe und läuft auf. Der Rumpf schlägt leck und über einen Riss von 50 cm dringt vehement Wasser ein, was nur bedingt gestopft werden kann. Nur beginnt der Wettlauf mit der Zeit. Der Skipper versucht Seahelp zu erreichen, kann aber keine genaue Angabe über seine Position machen, das er weder eine übliche Seekarte noch den „Beständig“ genutzt, sondern der Nase nach gefahren ist und das GPS angeblich nicht funktioniert habe. Weder er noch die Crew waren im Umgang mit Notsituationen informiert und geschult und entsprechend hilflos waren die Aktionen bzw. die unterlassenen Aktionen. Auch die Crew wusste nicht im nautischen Sinne wo man sich befand, nur das man vor über 30 min. in einem Ort X abgefahren sei. Als mit hohem Zeitverlust Seahelp das Boot findet, weigert sich der Skipper aus Angst vor weiterer Rumpfbeschädigung das Boot vom Riff ziehen und provisorisch ausbessern zu lassen, womit sich die Flutung und damit die Schäden intern minimiert hätten. Seahelp konnte nichts anderes tun als abrücken, um 30 Minuten später wieder einen Notruf zu erhalten, da das Boot inzwischen dem Sinken nahe vollgelaufen ist. Anstelle das Boot nun wegzuschleppen, blieb Seahelp nichts anderes übrig als die Crew in Sicherheit zu bringen, um das Boot danach professionell zu bergen und vor allem sicherzustellen, dass Öl und Diesel die See nicht verschmutzten. Das Boot war weitgehend ein Totalschaden.
Ein sehr plakativ gewählter Fall zur Verdeutlichung. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass grobe Fahrlässigkeit in der Versicherung ausgeschlossen war, wird der Skipper auf einer ganzen Reihe von Schadenspositionen und Kosten sitzen bleiben, angefangen von den hohen Bergekosten der Yacht, die nicht in der Seahelp-Mitgliedschaft enthalten sind bis hin zu dem Schadensumfang an der Yacht und Sinken, der bei sofortigem Abschleppen hätte vermieden werden können. Sich vergrößernde Gelcoatschäden wären dagegen marginal gewesen.

Der Autor:
Prof. Dr. Christoph
Ph. Schließmann

… ist Fachanwalt für internationales Wirtschaftsrecht in Frankfurt am Main mit Schwerpunkt Internationales Yachtrecht. Er ist selbst begeisterter Skipper und Seahelp-Mitglied und seit 1996 im Mittelmeer unterwegs. Mit seinem Team bietet er einen einzigartigen internationalen Service und Nutzen rund um Yachten und Superyachten in allen rechtlichen, steuerlichen und wirtschaftlichen Fragen.
www.der-yacht-anwalt.de



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