Update – Rückmeldung eines Lesers:
„Einer der besten Berichte von SeaHelp von breitem Interesse.
Die gleichen Erfahrungen muss ich seit 5 Monaten als Verkäufer einer Segelyacht (Baujahr 2015, ca. 27 Fuß) teilen. Liegeplatz im Ijsselmeer, bestens geeignet für dieses Revier.
In dieser Zeit liefen auf das Inserat 840 Klicks. 1 Anrufer fragte bisher nach, ob ein Trailer dabei ist.
Da ich das Boot nicht verschenken möchte, werde ich noch ein weiteres Jahr mit dem Verkauf abwarten.
Viele Grüße, ein SeaHelp-Mitglied“
Der Bootsmarkt im DACH-Raum gestaltet sich aktuell schwierig. SeaHelp erklärt, woran das liegen könnte, und wann frühestens mit einer Entspannung der Situation gerechnet werden kann.
Viele Bootseigner, die ihr Boot verkaufen wollen – etwa, um sich ein neues oder größeres Boot zuzulegen, oder weil sie einfach ihr Wassersport-Hobby aufgeben wollen, berichten davon, dass die Bootspreise derzeit „im Keller“ seien und bestimmte Boote und Yachten aktuell schlicht unverkäuflich sind. SeaHelp versucht, die Gründe dafür zu analysieren und Betroffenen Tipps zu geben.
Beispiel: Ein SeaHelp-Mitglied berichtete uns jüngst von Versuchen, seit November 2025 das Familien-Boot, eine sehr gepflegte Ferretti 46, zu verkaufen, und dass es „so gut wie keine Anfragen bzw. Reaktionen“ auf die Verkaufsofferte gegeben habe. „Drei mir sehr gut bekannte Händler haben mir in den Jahren 2022 und 2023 für meine Ferretti 46 Baujahr 2001 zwischen 230.000 und 250.000 Euro geboten, aber damals wollte ich noch nicht verkaufen“, erzählte uns der Eigner. Ein Fehler? Hätte er damals verkaufen sollen?
Nun, hinterher ist man meistens „schlauer“ – wer hätte schließlich damals schon vorausgesehen, dass im Jahr 2024 die Nachfrage „schon nachlassen“ würde, und dass es für dieses Boot (im Bereich zwischen lediglich noch 190.000 und 220.000 Euro plötzlich nur noch vereinzelte Angebote geben würde?
Ein betroffenes SeaHelp-Mitglied berichtet über den aktuellen Bootsmarkt: „Zurzeit dreht sich nichts mehr“
Das SeaHelp-Mitglied beobachte den Markt seit November 2025 nach eigenen Angaben „sehr intensiv (täglich)“, und stellte fest, dass aktuell „kaum zusätzliche Boote/Yachten angeboten werden“, und dass diejenigen, die im Internet zu finden seien, „immer dieselben“ seien. Zurzeit drehe sich „nichts mehr“, es seien keine Verkäufe und lediglich Preisreduzierungen wahrnehmbar.
Seine Ferretti habe er aktuell für 195.000 Euro inseriert, und von November 2025 bis April 2026 habe er „keine einzige Anfrage“, weder per Mail noch telefonisch erhalten. Im April habe er dann den Verkaufspreis weiter auf 175.000 Euro – Ergebnis: „Ca. 220 Personen“ hätten sich zwar seine Ferretti als „Favorit“ vorgemerkt, doch es habe keine einzige Kauf-Reaktion gegeben, das sei „gegen Null“ gelaufen.
Der Bootseigner, ein SeaHelp-Mitglied der „ersten Stunde“ habe mehrere Händler eingeschaltet, und einer der Broker, der europaweit tätig ist und nach eigenen Angaben „in über 30 Jahren ca. 1.000 Boote / Yachten verkauft hat und 20.000 Kundenadressen in seiner Adresskartei hat“, habe im mitgeteilt, dass „seit August 2025 ist der Markt total tot“ sei, und er seither lediglich ein 1 Boot an der deutschen Ostsee und eines in Holland habe verkaufen können; im Mittelmeer und der Adria gehe „derzeit nichts“.
Weitere Recherchen unseres SeaHelp-Mitgliedes ergaben, dass es auch anderen Eignern mit ähnlichen Bootsmodellen so gehe wie ihm: „Ein Yachteigner der finanziell angeschlagen ist, hat seine Azimut 62 Fly mit Liegeplatz Italien (Adria) im September 2025 für 550.000 Euro angeboten“, erzählt er uns, im Dezember 2025 habe er dann den Preis auf 490.000 Euro reduziert, im Februar auf 430.000 und im April auf 375.000 Euro, Ergebnis: Null.
Unser SeaHelp-Mitglied erzählte weiter, dass er kürzlich in Bodrum an der türkischen Riviera gewesen sei und eine Princess 52 Fly Baujahr 2015 besichtigt habe. „Üblicher Verkaufspreis in Italien, Spanien, Slowenien, Kroatien liegt zwischen 750 bis 950.000 Euro“, ein griechischer Händler hatte die Yacht für 650.000 und der Eigner selbst für 610.000 Euro im Internet angeboten.
Yachten in sehr gutem Zustand können derzeit zu „Sensationspreisen“ erworben werden
„Der Eigner hat sich 2025 im März eine Fairline 68 Squadron Bj. 2022 gekauft, und die Princess 52 Fly ist seit September 2024 im Trockenlager und wird im Internet zum Verkauf angeboten“, sagt das SeaHelp-Mitglied; der Eigner sei persönlich vor Ort gewesen und habe ihm die Yacht gezeigt – und ihm dabei auch mitgeteilt, dass er „seit September 2024 der einzige Interessent gewesen sei, der die Yacht besichtigt habe. Die Yacht sei in einem sehr guten Zustand und könne vermutlich für einen Sensationspreis erworben“ werden.
Das Problem: „Wer sich bootsmäßig „verjüngen“ oder vergrößern möchte, hat zurzeit einfach schlechte Karten, denn man wolle (und könne) sich je schließlich keine Yacht kaufen, wenn die eigene noch nicht verkauft ist“, sagt das SeaHelp-Mitglied, und ergänzt: Zwei Yachten auf unbestimmte Zeit zu besitzen, sei wohl „der Alptraum jedes Bootsbesitzers“.
Ein „großer“ Bootshändler habe ihm das kürzlich mit den Worten bestätigt, die Krise am Bootsmarkt „gehe nun schon seit 2024“ und werde „sicher noch 2-3 Jahre andauern“. Jeder Händler, der in der Lage sei, seine Kosten aufs absolute Minimum zu senken, werde nach der Krise stark sein; viele Händler, die Finanzierungen und laufende Mietkosten bedienen müssten, würden das Ende jedoch „nicht überleben und Insolvenz anmelden müssen“.
SeaHelp nahm diese Leserzuschrift zum Anlass, den aktuellen Bootsmarkt – zumindest ansatzweise – einmal zu analysieren. Unsere Recherchen ergaben zunächst, dass eine gut gepflegte Ferretti 46 aus dem Baujahr 2001 auf dem europäischen Gebrauchtmarkt derzeit grob in einem Bereich zwischen etwa 170.000 und 260.000 Euro liegen dürfte, wobei der tatsächlich erzielbare Preis sehr stark von Zustand, Motorisierung, Refit-Historie, Liegeplatz, Mehrwertsteuerstatus („VAT paid“) und Wartungsnachweisen abhängen dürfte.
Entscheidend dürfte dabei auch weniger das Baujahr selbst als vielmehr andere Faktoren sein, wie etwa: Wurden die Motoren überholt? Sind Generator, Klimaanlage, Elektronik modernisiert? Ist das Schiff komplett osmosefrei? Gibt es Nachweise über regelmäßigen Service? Neue Polster / Teak? Liegeplatz Mittelmeer oder Süßwasser? Hatte das Boot ggf. eine Charter-Vergangenheit? Denn Fakt ist: Gerade bei italienischen Flybridge-Yachten dieser Generation achten Käufer inzwischen extrem auf Dokumentation und Wartung. Eine „billige“ Ferretti kann sehr schnell sechsstellige Folgekosten verursachen.
Nach SeaHelp-Recherche ist der europäische Bootsmarkt momentan deutlich schwächer als noch vor zwei bis drei Jahren
Doch das alles scheint bei unserem SeaHelp-Mitglied keine Rolle zu spielen – das Schiff sei „top gewartet und super gepflegt“, versicherte er uns im Gespräch, in diesem „sehr guten Zustand“ sei das Boot eigentlich ein „Schnäppchen“. Unsere Einschätzung: Der Verkäufer könnte durchaus recht haben, denn der Grund für die derzeitige Unverkäuflichkeit liegt woanders: Nach SeaHelp-Recherche ist der europäische Bootsmarkt momentan tatsächlich deutlich schwächer als noch vor zwei bis drei Jahren.
Yachtbroker Oliver Sieckmann, den wir auf dem Salone Nautico Venezia trafen, bestätigte die Situation mit den Worten: „Zurzeit gibt es einen absoluten Käufermarkt“, wer plane, ein Boot oder eine Yacht zu kaufen, solle das jetzt tun, denn die Preise seien „im Keller“. Wer hingegen eine Yacht verkaufen wolle, sei „gut beraten, noch eine Weile abzuwarten“ – oder müsse sich eben mit deutlich weniger Erlös aus dem Verkauf zufriedengeben.
Auch der Neuboot-Markt ist von der aktuellen Situation betroffen: Früher hätten aus terminierten Boots-Besichtigen auf Yachtmessen regelmäßig auch Käufe resultiert, das sei aktuell leider nicht so; wenn es reservierte Testfahrten und Besichtigungen gebe, würden Vorverträge und Kaufbekundungen aktuell oft aus fadenscheinigen Gründen – oder gleich ganz ohne Angaben von Gründen – im Nachinein wieder storniert, erzählt uns auf der Messe Wladimir Zinchenko, Gründer und CEO von Greenline Yachts aus Slowenien.
Der Bootsmarkt leidet derzeit unter mehreren Faktoren gleichzeitig
Warum ist der Bootsmarkt aktuell so schwierig? Nach SeaHelp-Recherchen leidet der Markt derzeit unter mehreren Faktoren gleichzeitig: Da ist zunächst der, nennen wir ihn mal „Nach-Corona-Effekt“. Während der Pandemie explodierte die Nachfrage: Reisen waren schwierig, viele Menschen entdeckten den Wassersport neu für sich, Luxusgüter liefen hervorragend, mit dem Ergebnis, dass auch gebrauchte Boote teils zu astronomischen Preisen verkauft wurden. Diese „Sonderkonjunktur“ ist aktuell vorbei, und der Markt ist durch diese Ausnahme-Situation wohl auch noch in gewissem Maße gesättigt.
Zudem dürfte auch eine hohe Zinslast zurzeit durchaus eine Rolle spielen, denn: Yachten werden oft finanziert oder geleast. Die stark gestiegenen Zinsen in Europa haben jedoch Finanzierungen verteuert, Leasingmodelle unattraktiver gemacht, und im Ergebnis die Käufer „vorsichtiger“ werden lassen. Gerade bei Booten zwischen 150.000 und 500.000 Euro merkt man das zurzeit massiv.
Auch die aktuell förmlich „explodierenden“ Unterhaltskosten dürfen in diesem Zusammenhang nicht vernachlässigt werden: Liegeplätze, Winterlager, Diesel, Versicherung, Werftstunden und Ersatzteile sind in Südeuropa in den letzten Monaten teils drastisch teurer geworden. Viele Eigner unterschätzen inzwischen die laufenden Kosten einer älteren Flybridge-Yacht (oder sind sich dessen durchaus bewusst), denn eine 46-Fuß-Ferretti kann, um einmal bei dem obigen Beispiel zu bleiben, heute leicht 15.000 – 30.000 Euro Jahreskosten verschlingen — gerechnet ohne größere Reparaturen.
Schließlich resultiert aus den oben genannten Fakten ein deutlicher „Angebots-Überhang“: Viele Boote kamen nach dem Corona-Boom wieder auf den Markt, ältere Eigner stiegen aus,
die Charterfirmen erneuern ihre Flotten, und dazu kommt, dass die wirtschaftliche Unsicherheit (verursacht durch die politische Situation in Europa und weltweit) momentan steigt. Dadurch gibt es aktuell deutlich mehr Angebote als ernsthafte Käufer.
Weiterer Effekt dieser Entwicklung: Die Käufer sind sehr selektiv geworden, es gibt durchaus noch einen Markt — aber eben nur für sehr gepflegte, sauber dokumentierte und modernisierte Boote. „Durchschnittsboote“ bleiben dagegen oft liegen. Ein anderes Thema ist hier der Kaufpreis; Erlöse wie vor oder während Corona können bei weitem derzeit nicht erzielt werden.
Die Antwort auf die Frage, wann sich der Markt endlich wieder erholt, ist nicht leicht zu beantworten
Viele Yachteigner, die ernsthaft über einen Verkauf nachdenken, fragen sich deshalb: Wann könnte sich der Markt wieder erholen? Eine grundlegende Trendwende erwarten viele Broker derzeit frühestens für Ende 2026, eher sogar erst für den Zeitraum 2027 / 2028. Abwarten heißt also die Devise. Eine Markterholung dürfte dabei vor allem von sinkenden Zinsen und einer generell wieder stabileren Wirtschaftslage abhängen, welche die „Konsumlaune“ im Luxussegment wieder ankurbeln könnte, und nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang auch die (wieder positive) Entwicklung der Energiekosten.
Relativ stabil stellen sich aktuell nur hochwertige Premium-Marken und junge Gebrauchtboote dar, auch effiziente Explorer- / Long-Range-Yachten und kleinere Daycruiser sind eher weniger von dem derzeit schwachen Bootsmarkt betroffen. Unter Druck dagegen stehen derzeit überwiegend ältere große Flybridge-Yachten mit hohem Verbrauch, Boote mit Wartungsstau sowie Modelle ohne moderne Elektronik oder IPS-Systeme.
Gerade klassische italienische Flybridge-Yachten der frühen 2000er — also auch ältere Ferretti-Modelle, um auf unser Ausgangs-Beispiel unseres SeaHelp-Mitglieds zurückzukommen — stehen derzeit oft besonders unter Preisdruck, weil die Käufer sich zunehmend für sparsamere Antriebe, geringere Betriebskosten und modernere Raumkonzepte interessieren.
Trotzdem gilt nach unseren Recherchen: Eine gepflegte Ferretti 46 bleibt ein attraktives Mittelmeerboot mit starkem Markenimage. Gute Exemplare sollten auch weiterhin ihren Käufer finden — allerdings aktuell leider nicht mehr zu den „überhitzten“ Corona-Preisen von 2021 / 2022. „Sea-Help kann nur dazu raten, noch ein wenig zu warten, denn die Yachtpreise werden noch ein Stück günstiger werden!“, sagt SeaHelp-Geschäftsführer und profunder Kenner des Yachtmarktes Wolfgang Dauser.











