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Ankertechnik für felsige Reviere: BreakAway Anchor: Einer, der wieder loslässt

BreakAway Anchor - Pflugscharranker

Ein Anker soll halten. Unbedingt. Doch irgendwann soll er auch wieder hochkommen. Genau an diesem zweiten Teil der Aufgabe scheitert manches Ankermanöver – besonders über felsigem Grund. Der neue BreakAway Anchor will das Problem mit einem ebenso einfachen wie cleveren Prinzip entschärfen: Verhakt sich der Anker, lässt er sich unter hoher Zugbelastung auslösen und anschließend gewissermaßen rückwärts bergen. SeaHelp: Ein Freibrief für sorgloses Ankern ist das allerdings nicht.

Es gehört zu jenen Situationen, die kein Skipper erleben möchte: Der Anker soll aufgeholt werden, die Kette kommt senkrecht, die elektrische Winsch beginnt hörbar zu arbeiten – doch unten bewegt sich nichts. Hat sich eine Flunke unter einem Felsen, in einer Felsspalte oder an einem anderen Hindernis verkeilt, kann aus dem problemlosen Aufbruch schnell eine kleine oder größere Bergungsaktion werden. Im schlechtesten Fall bleibt nur, Anker oder Kette aufzugeben.

Genau hier setzt der neue, sogenannte BreakAway Anchor des gleichnamigen US-Herstellers an. Äußerlich handelt es sich um einen klassischen Pflugscharanker aus hochglanzpoliertem, seewasserbeständigem 316er Edelstahl. Seine Besonderheit steckt im Schaft: Ein patentierter Auslösemechanismus soll dafür sorgen, dass ein festgekommener Anker unter einer definierten Belastung seine Zuggeometrie verändern kann. Der Hersteller spricht von einem „reverse retrieval“, also einer Bergung in umgekehrter Richtung.

Wie funktioniert das?

Im normalen Betrieb verhält sich der BreakAway zunächst wie ein konventioneller Pflugscharanker. Der Zug der Kette wirkt über den Schaft auf den Anker; dieser gräbt sich in den Grund ein und entwickelt seine Haltekraft. Problematisch wird es bei herkömmlichen Ankern, wenn sich die Flunke beispielsweise unter einer Felsplatte festsetzt. Je kräftiger anschließend in Richtung des Schaftes gezogen wird, desto hartnäckiger kann sich der Anker verkeilen.

Beim BreakAway ist deshalb ein mechanischer Auslösemechanismus in den Schaft integriert. Wird eine konstruktiv vorgegebene Belastung erreicht, gibt die Verbindung nach und ermöglicht eine veränderte Zugrichtung. Der Anker kann dadurch entgegen seiner normalen Arbeitsrichtung aus dem Hindernis herausgezogen werden. Anschließend wird der Mechanismus zurückgesetzt und der Anker kann erneut verwendet werden. Verbrauchsteile wie Kabelbinder, die bei improvisierten Breakaway-Lösungen häufig als Sollbruchstelle dienen, sind nicht erforderlich. Oder einfach erklärt: Der Anker soll sich nicht leichter vom Grund lösen – sondern im Notfall anders herum.

 

Aufbau BreakAway Anchor
Aufbau BreakAway Anchor© Breakaway Anchor LLC

 

Die Vorteile

Für Fahrtensegler und Motorbootfahrer ist vor allem die Aussicht interessant, einen teuren Anker nicht wegen eines einzigen unglücklichen Manövers auf dem Meeresgrund zurücklassen zu müssen. Gerade in felsigen Revieren kann das ein handfester Vorteil sein.

Hinzu kommt die Wiederverwendbarkeit des Mechanismus. Nach einer Auslösung muss nach Herstellerangaben kein Sicherungsstift, Kabelbinder oder anderes Verbrauchsmaterial ersetzt werden. Der Mechanismus lässt sich zurücksetzen. Der BreakAway wird zudem aus 316er Edelstahl gefertigt und in Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan produziert. Der Hersteller nennt Schlamm, Sand und felsigen Grund als Einsatzbereiche.

Ein weiterer Pluspunkt ist indirekter Natur: Wer einen festgekommenen Anker nicht mit brachialer Gewalt freifahren muss, reduziert auch die Belastungen für Kette, Schäkel, Bugbeschlag und Ankerwinsch. Und im Idealfall bleibt auch kein Anker samt Kettenstück als Altmetall auf dem Meeresgrund zurück.

Wo liegen die Nachteile?

Wo Mechanik hinzukommt, kommt allerdings auch eine zusätzliche mögliche Fehlerquelle hinzu. Ein klassischer Pflugscharanker besitzt keinen Auslösemechanismus, den man kontrollieren oder dessen Funktion man verstehen muss. Beim BreakAway sollte der Skipper dagegen wissen, wann und warum das System auslöst und wie es anschließend korrekt zurückgesetzt wird.

„Außerdem darf die Konstruktion nicht mit einer Garantie verwechselt werden“, sagt SeaHelp-Geschäftsführer Wolfgang Dauser. Liege beispielsweise die gesamte Kette um einen Felsen, stecke der Anker tief in einer engen Felsspalte oder habe sich das Ankergeschirr in einem Kabel, einer Mooringleine oder anderem Unterwasserhindernis verfangen, könne auch ein umkehrbarer Anker schnell an seine Grenzen kommen.

Schließlich ist Edelstahl kein Billigmaterial. Der BreakAway positioniert sich erkennbar nicht als preiswerter Standardanker, sondern als technisch aufwendigere Premiumlösung. Einen belastbar veröffentlichten aktuellen Verkaufspreis für den europäischen Markt nennt der Hersteller auf den derzeit öffentlich auffindbaren Produktinformationen noch nicht. Zum Vergleich: Hochwertige Edelstahl-Pflugscharanker etablierter Premiumhersteller können – abhängig vom Gewicht – bereits deutlich über 1.000 Euro kosten.

Für wen eignet sich der BreakAway?

Besonders interessant kann das Konzept für Skipper sein, die regelmäßig in felsigen oder gemischten Revieren unterwegs sind – also beispielsweise im Mittelmeer. Gerade zwischen den kroatischen Inseln findet man zwar traumhafte Buchten, aber keineswegs überall schönen Sandgrund, in den man seinen Anker ohne Probleme eingraben kann.

Auch für kleinere Motorboote, Angler und Crews, die häufiger über strukturreichem Grund ankern, ist das Prinzip interessant. Bei reinen Sand- und Schlickrevieren fällt der Zusatznutzen dagegen geringer aus: Dort besteht das klassische Problem weniger im Verhaken unter Felsen als vielmehr darin, überhaupt ausreichende Haltekraft aufzubauen.

 

BreakAway Anchor - der Anker für felsigen oder steinigen Meeresboden
© Philipp | Adobe Stock

 

Für Langfahrer wiederum kann die Konstruktion eine Art zusätzliche Versicherung darstellen. Wer weit entfernt vom nächsten Yachtausrüster unterwegs ist, möchte seinen Hauptanker schließlich besonders ungern am Grund zurücklassen.

Also künftig einfach den Anker fallen lassen?

„Nein“, sagt Wolfgang Dauser, der jedes Jahr selbst mehrere Wochen in Kroatien unterwegs ist und schon viele Hundert Ankermanöver gefahren ist. „Auch ein BreakAway entbindet den Skipper nicht von der Pflicht, sich vor dem Ankermanöver mit dem Untergrund zu beschäftigen“, sagt der Boots-Profi. Seekarte und Plotter würden Hinweise auf Sand, Schlick, Seegras und Fels geben; in klarem Wasser lohne sich natürlich immer zusätzlich der Blick über die Bordwand. Kabel, Leitungen, Schutzgebiete und Ankerverbote blieben selbstverständlich tabu.

Auch die Grundregeln ändern sich nicht: passende Ankergröße, ausreichend Kette beziehungsweise Trosse, vernünftiger Kettenvorlauf, genügend Schwojkreis und vor allem ausreichend gesteckte Kettenlänge. Nach dem Einfahren muss kontrolliert werden, ob der Anker tatsächlich trägt (rückwärts „Einrucken“). Bei längeren Aufenthalten gehören Wetterentwicklung und mögliche Winddreher ebenso zur Planung.

„Denn der BreakAway löst zwar ein bestimmtes Problem: die Bergung eines festgekommenen Ankers“, er verhindere aber weder die Folgen einer falschen Ankerplatzwahl oder schlechter Seemannschaft – und er mache aus ungeeignetem Grund keinen guten Ankergrund. Dauser: „Der Skipper muss weiterhin darauf achten, wo er seinen Anker fallen lässt. Er darf nur etwas gelassener sein, wenn er ihn später wieder hochholen möchte“.

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