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Richtig Ankern (Teil 2): Das Ankermanöver

Anker im sandigem Meeresgrund eingegraben

Ankern ist kein Zufall, sondern eine Kombination aus guter Vorbereitung, technischem Verständnis und gesundem Menschenverstand. Wer mit einer 50-Fuß-Yacht sicher und souverän ankert, gewinnt nicht nur erholsame Stunden in traumhaften Buchten, sondern auch das Vertrauen der Crew – und das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

Ankern ist kein Hexenwerk, gute Vorbereitung und das entsprechende Know-How sind allerdings Voraussetzung für ein gutes Manöver. In Teil 1 unserer kleinen „Richtig Ankern“-Serie beleuchteten wir, welche verschiedenen Ankertypen es gibt, welcher Anker für welchen Grund am besten geeignet ist, ob es den „perfekten“ Anker gibt, und welche(n) Anker man zum Beispiel in Kroatien auf einer Yacht mitführen sollte. In diesem Beitrag geht es darum, was beim Anker-Manöver beachtet werden sollte.

Das Ankern mit einer 50-Fuß-Yacht ist mehr als nur das Fallenlassen eines Ankers – es ist eine Kunst, die technisches Verständnis, Erfahrung und Verantwortung gegenüber Crew, Umwelt und benachbarten Booten verlangt. Besonders in stark frequentierten Fahrgebieten wie Kroatien, wo die Vielfalt der Ankergründe ebenso groß ist wie das Verkehrsaufkommen, ist ein korrektes Ankermanöver essenziell. Im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Aspekte für sicheres und zuverlässiges Ankern.

1. Vorbereitung vor dem Ankermanöver

Das Ankermanöver beginnt bereits lange, bevor der Anker fällt. Der Skipper muss sich schon vorher einen Überblick über Wassertiefe und Bodenbeschaffenheit verschaffen; mit Hilfe elektronischer Seekarten oder Hafenführern sollte die Ankerstelle sorgfältig ausgewählt werden.

 

Jamming und Spoofing: EASA warnt vor GPS-Ausfall
© Eugene | Adobe Stock

 

Auch die Windrichtung und die Wetterentwicklung sollten beachtet werden – ein Blick auf verlässliche Wetter-Apps ist essenziell, um keine unangenehmen Überraschungen durch drehenden Wind oder aufziehende Böen zu erleben. Natürlich tut es auch das Abhören der entsprechenden klassischen Wetterberichte und Wind-Vorhersagen.

Schließlich hilft es, wenn Skipper und Crew bereits über eine entsprechende Revierkenntnis verfügen: in vielen kroatischen Buchten liegt zum Beispiel Seegras über Sand – was anfangs Halt vermittelt, aber im Sturm schnell versagen kann. Auch die Nähe zu Klippen, Sperrzonen oder Muschelfarmen sollte unbedingt vorher geprüft werden.

2. Die verschiedenen Ankergründe und das richtige Vorgehen

Auf sandigem bzw. schlammigem Grund gräbt sich ein moderner Anker (z. B. Rocna, Vulcan, Spade – siehe dazu Teil 1 von „Richtig Ankern“) sehr gut ein. Man sollte ein Mehrfaches der Tiefe an Kette stecken, empfohlen werden die 5-fache Kettenlänge (bei Starkwind entsprechend mehr, bis 7-fach), bei 5 m Tiefe bedeutet das also 25 bis 35 m Kette.

Stichpunkt Seegras und Posidonia-Wiesen: das Ankern in Seegras ist ökologisch problematisch und in vielen Gebieten Kroatiens inzwischen sogar verboten bzw. unerwünscht. In diesen Fällen sollte die Crew entweder auf Sandlücken ausweichen oder in ausgewiesene Bojenfelder gehen.

Ankerböden, die überwiegend aus Fels und Geröll bestehen, bieten vergleichsweise wenig Halt und bergen die Gefahr des Hängenbleibens oder des Abrutschens. Bei felsigem Untergrund kann ggf. ein zusätzlich ausgelegter Heckanker helfen, um das Boot ruhig zu halten.

In Mooringfeldern (z. B. vor Tavernen in Kroatien) wird der Anker zumeist nicht gebraucht – stattdessen übernimmt eine Mooring-Leine den Halt. Dennoch sollte man einen Anker parat haben und damit auch umgehen können, falls die Mooringleine nicht hält.

 

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3. Das Ankermanöver

Ein gutes Ankermanöver sollte ruhig ablaufen, es sollte klare Kommandos geben, und man sollte systematisch vorgehen. Beispielhaft könnte ein Manöver wie folgt ablaufen:

  • Kommando an die Crew: ggf. erfolgt die Absprache über Zeichensprache oder Funk.
  • Position ansteuern: langsam gegen den Wind einfahren, dann stoppen. SeaHelp-Tipp: mit der Yacht / dem Boot immer genau über die Stelle fahren, an der man ankern möchte – so kann man (im klaren) Wasser sofort große Steine / Felsen, sprich: Gefahrenstellen bzw. Geländestufen unter Wasser erkennen
  • Anker fallenlassen: sobald das Boot beginnt, rückwärtszutreiben, fällt der Anker. SeaHelp-Tipp: man sollte sich darüber im klaren sein, ob man ausschließlich ankert (und dann schwoit), oder zusätzlich eine Landleine ausbringen will (davon hängt die Länge der Ankerleine ab); Faustregel: beim Schwojen 5-7 fache Wassertiefe, mit Landfester 7-10 fache Wassertiefe, die Reaktionszeit bei Landleine ist sehr kurz, wenn der Anker slippt.
  • Kette geben: gleichmäßig mit dem Rückwärtsfahren ausbringen.
  • Einziehen lassen: kurz vor Ende der Kette Anker „einziehen“, d. h. bei leichter Fahrt rückwärts einfahren, um den Anker einzugraben. Hat man mit einer Landleine festgemacht, sollte man den Anker mit der Ankerwinde ausrichten und eingraben. Bei einer Motoryacht ist Standgas ausreichend, um sicherzugehen, dass der Anker auch bei viel Wind hält. Bei einer Segelyacht sollte der Anker mit ca. 1.000 U/min im Rückwärtsgang festgezogen werden.
  • Rückwärtsfahrt stoppen: sobald das Boot sich nicht weiterbewegt (Anker hält), Maschine stoppen.

SeaHelp-Tipp: man sollte stets eine kleine „Ankerprobe“ machen – also mit kleiner Rückwärtsfahrt den Halt nochmals kontrollieren. Auf dem GPS oder Plotter sieht man an der Bewegung sofort, ob der Anker gräbt oder schleift. Und: wenn der Anker gesteckt wurde und die Position passt (und man länger bleiben möchte), dann sollte der Skipper oder ein erfahrenes Crewmitglied den Anker immer abtauchen.

Beim Abtauchen sollte man darauf achten, dass die Ankerkette keine zu große Schleifen macht und der Anker sich tatsächlich eingegraben hat. Positiver Nebeneffekt: durch das Abtauchen lernt man sein Ankergeschirr kennen, man sammelt weitere Erfahrungen und kann letztlich ruhiger schlafen.

4. Ankerwache & Kontrolle

Bereits vor dem eigentlichen Manöver sollte man sich Gedanken über den theoretischen Schwoikreis machen. Sobald man sicher liegt, sollte dieser noch einmal genau berechnet werden. Wie groß ist der Kreis, welcher vom Boot beim Drehen mit dem Wind um den Anker beschrieben wird? Genug Platz und Sicherheitsabstand zu anderen Booten ist zwingend notwendig.

Ebenfalls sollte darauf geachtet werden, dass eine Leegerwall-Situation vermieden wird: niemals sollte man in einer Bucht mit offener Wasserfläche auf der Leeseite ankern – bei aufkommendem Wind droht schnell ein Abdriften auf Land oder Riffe, sollte der Anker einmal ausbrechen und über den Grund rutschen.

Gute Seemannschaft verlangt, den ausgebrachten Anker zu kontrollieren, man sollte eine sogenannte Ankerwache einrichten: entweder man kontrolliert den Anker manuell (z.B. alle 30 Minuten, indem man das GPS checkt bzw. durch Sichtkontrolle – Peilung zu vorher festgelegten Landmarken), oder man nutzt eine der gängigen Ankerwachen-Apps. Diese alarmieren je nach Einstellung automatisch bei Drift.

5. Besondere Hinweise für Kroatien

In Bezug auf Kroatien sollte desweiteren beachtet werden, dass beim (generell kostenfreien) Ankern in bestimmten Gebieten eine Gebühr anfallen kann, das gilt insbesondere in der Nähe von bestehenden Bojenfeldern, in bestimmten Buchten oder Naturparks sowie bei der Nutzung von Restaurant-Stegen (wenn das Restaurant nicht besucht wird).

In Naturschutzgebieten und Marine Parks (z. B. Kornati) gilt: Ankern ist, wenn überhaupt, oft nur an bestimmten Bojen erlaubt; diese sind dann zumeist kostenpflichtig (Erwerb einer Eintrittskarte) – unbedingt vorher informieren und ggf. vorher online buchen. Und: für Kroatien typische Starkwinde können innerhalb von Minuten aufziehen – daher beim Ankern immer auf genug Kette und ausreichenden Schutz achten.

6. Braucht man mehrere Anker?

Für eine 50-Fuß-Yacht ist ein Hauptanker mit Kette (mind. 10 mm) ausreichend – aber: ein Zweitanker (Heckanker oder Sturmanker) ist sinnvoll für enge Buchten, ungünstige Ankergründe oder Notfälle und wird daher ausdrücklich empfohlen. Ein weiterer leichte (Falt-) Anker kann für das Beiboot mitgeführt werden.

Generell gilt: das jeweilige Ankermanöver richtet sich nach der jeweiligen, spezifischen Situation. Insofern können die Ausführungen zum Thema Ankern nur eine grobe Richtschnur sein. Und: das Ankern sollte niemals unterschätzt werden. Ankern ist kein Zufall, sondern eine Kombination aus guter Vorbereitung, technischem Verständnis und gesundem Menschenverstand.

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