Dass sich in diesem Sommer in Kroatien verstärkt Tau auf den Booten bildet, ist ein interessantes, aber gut erklärbares meteorologisches Phänomen – nicht ungewöhnlich, aber Ausdruck einer besonderen Witterungslage. SeaHelp hat sich mit den wichtigsten Faktoren und Erklärungen beschäftigt.
Viele Bootssportler, die in diesem Sommer in Kroatien unterwegs sind, berichten von ungewöhnlich starker Taubildung an den Booten. Was hat es mit diesem Phänomen auf sich? Tau entsteht zunächst immer dann, wenn die Oberflächentemperatur unter den Taupunkt der Luft fällt, ausreichend Luftfeuchtigkeit vorhanden ist, und es klar und windstill ist – so kann die Oberfläche stark auskühlen (sog. nächtliche Abstrahlung).
In diesem Sommer sind jedoch Luft und Wasser, insbesondere in den Abendstunden, kühler (um die 24 °C) als in früheren Jahren, die Nächte sind klarer und ruhiger, wodurch die Boote stärker auskühlen. Der Temperaturunterschied zur feuchten Luft reicht dann oft aus, um den Taupunkt zu erreichen – es bildet sich Tau.
Die ungefähre Gleichheit von Luft- und Wassertemperatur hat eher einen indirekten Einfluss auf die verstärkte Taubildung
Viele Wassersportler fragen sich, ob die ungefähre Gleichheit von Luft- und Wassertemperatur Einfluss auf die verstärkte Taubildung haben kann. Antwort: ja – aber eher indirekt. Denn: wenn Wasser und Luft eine ähnliche Temperatur haben (etwa 24 °C), dann fehlt die typische „wärmende Wirkung“ des Meeres in der Nacht.
Folge: Die Luft kühlt schneller ab – nicht zuletzt auch durch weniger Wärmespeicherung im Wasser. Wenn dann die Oberflächen der Boote zusätzlich durch nächtliche Strahlung abkühlen, fällt die Temperatur leicht unter den Taupunkt, und es bildet sich Tau.
Auch für die Frage, warum es in den letzten Jahren weniger Tau gegeben hat, findet sich eine schlüssige Antwort: die Sommer waren schlichtweg insgesamt wärmer, auch nachts. Und: weniger klare Nächte bedeuten weniger Ausstrahlung und damit auch weniger Oberflächen-Abkühlung. Zudem war die Luftfeuchtigkeit zumindest teilweise niedriger – oder es war einfach zu heiß, um den Taupunkt zu erreichen. In diesem Jahr sind die Bedingungen idealer für Tau: kühl, feucht, klarer Himmel.
Sind die Tautropfen dieses Jahr tatsächlich größer als in den vergangenen Saisons?
Manch einem Wassersportler kommt es in diesem Zusammenhang außerdem so vor, als seien die Tautropfen dieses Jahr größer als in den vergangenen Saisons. Das ist durchaus möglich – liegt aber nicht an einer erhöhten Oberflächenspannung des Wassers. Erklärung: die Oberflächenspannung von Wasser ist eine konstante Materialeigenschaft (~72 mN/m bei 20 °C) – sie ändert sich nicht signifikant durch Wetter.
Größere Tropfen entstehen hingegen bei langsamer, aber gleichmäßiger Kondensation, glatteren oder hydrophoben Oberflächen (z. B. frischer Lack), bei nur leichtem Wind (die Tropfen „laufen“ nicht ab) sowie bei hoher relativer Luftfeuchtigkeit über einen längeren Zeitraum.
Fazit: die verstärkte Taubildung in diesem Sommer ist physikalisch gut erklärbar; Tau entsteht häufiger, da es in diesem Sommer kühlere Nächte, eine hohe Feuchtigkeit und klare Bedingungen gibt. Größere Tropfen sind dabei kein Zeichen für eine veränderte Wasserchemie, sondern einfach für günstige Kondensationsbedingungen. Schließlich trägt die Gleichheit von Luft- und Wassertemperatur dazu bei, dass die Luft nicht stark abgekühlt wird, aber die Oberflächen schon – somit wird der Taupunkt schneller erreicht.














