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Pro und Contra: Waffen an Bord?

Wohl jeder Skipper, der eine Weltumsegelung oder eine Exkursion in weit entfernte Gefilde plant, stellt vor dem Törn Überlegungen zum Thema „Waffen an Bord“ an. Mitführen oder lieber zu Hause lassen, lautet die Frage. SeaHelp nennt Argumente für und wider die Schusswaffen auf der Yacht und befragte dazu Deutschlands bekanntesten Segler, Bobby Schenk.

Das Mitführen von Schusswaffen an Bord von Yachten, insbesondere bei Weltumsegelungen oder Expeditionen, ist ein kontroverses und komplexes Thema. Es gibt viele Argumente sowohl für als auch gegen die Bewaffnung von Yachten. Zudem müssen zahlreiche rechtliche Aspekte beachtet werden, die sowohl national als auch international stark variieren.

Argumente für das Mitführen von Schusswaffen

1. Selbstverteidigung: Ein Hauptargument vieler Skipper für das Mitführen von Schusswaffen an Bord ist nach deren eigenen Aussagen der „Schutz der Crew vor potentiellen Piratenangriffen“.

Der Weltumsegler Klaus Hympendahl († 2016), schreibt dazu in seinem Buch „Yacht-Piraterie – Die neue Gefahr„: „Mit Yacht-Piraterie muss heute überall dort gerechnet werden, wo Armut und Anarchie herrschen“.

Schwerpunkte seien „die Küstengebiete von Somalia, der Golf von Aden, Indonesien, Venezuela, Guatemala, Nicaragua, Honduras, Brasilien und die Kapverden, wobei Indonesien die weitaus meisten Überfälle“ verzeichne. Selbst im Mittelmeer, vor Albanien und Marokko, seien Segler vor Überfällen nicht sicher.

2. Abschreckung: Die bloße Präsenz von Schusswaffen könne potenzielle Angreifer abschrecken und die Sicherheit der Crew erhöhen – so kann man jedenfalls gelegentlich am Skipper-Stammtisch hören.

3. Tierschutz: Bei Expeditionen in abgelegene Gebiete könne es „notwendig sein, sich vor wilden Tieren zu schützen“, etwa vor Eisbären in der Polarregion rund um den Nordpol.

Exkurs: Gesetzliche Grundlagen in Deutschland

In Deutschland unterliegt das Mitführen von Schusswaffen strengen gesetzlichen Regelungen, die im Waffengesetz (WaffG) festgelegt sind. Die wesentlichen Punkte sind:

1. Waffenschein: Waffenrechtliche Erlaubnisse werden nach Antragstellung und Prüfung der Voraussetzungen durch die zuständige Waffenbehörde u.a. in Form von Waffenbesitzkarten und Waffenscheinen erteilt.

2. Antragsteller: Der Antragsteller muss für die Erteilung einer waffenrechtlichen Erlaubnis volljährig sein, also das 18. Lebensjahr vollendet haben, die erforderliche Zuverlässigkeit und persönliche Eignung sowie Sachkunde besitzen.

3. Transport und Lagerung: Wer Waffen oder Munition besitzt, hat die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, dass die Gegenstände abhandenkommen, oder Dritte sie unbefugt an sich nehmen können. Auch der (Ehe)Partner oder andere in der Wohnung lebende Personen sind nicht befugt im Umgang mit der Waffe.

Einzelheiten zur Aufbewahrung von Waffen und Munition sind in § 36 Waffengesetz (WaffG) sowie in den §§ 13 und 14 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) geregelt, wobei folgende Grundsätze zu beachten sind: Waffen und die dazugehörige Munition dürfen nur getrennt voneinander in den entsprechenden Sicherheitsbehältnissen (Waffenschränke, Tresore) aufbewahrt werden.

Je nach Art und Anzahl der aufzubewahrenden Waffen und des Grades der von ihnen ausgehenden Gefahr gelten unterschiedlich hohe technische Anforderungen für die Sicherheitsbehältnisse nach Normen und Standards des Deutschen Instituts für Normung (DIN) oder des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Das gilt auch für Yachten.

4. Ausfuhrgenehmigung: Bei internationalen (See-) Reisen ist eine Ausfuhrgenehmigung für Schusswaffen erforderlich. Die Erlaubnis zur Mitnahme von Waffen oder Munition in einen anderen Staat kann erteilt werden, wenn der Antragsteller zum Erwerb und Besitz der Waffen nach Maßgabe des Waffengesetzes berechtigt ist, die nach dem Recht des anderen Staates erforderliche vorherige Zustimmung vorliegt und der sichere Transport durch den Antragsteller gewährleistet ist.

Bei der Mitnahme von Waffen oder Munition ins Ausland ist es ratsam, sich vorab bei den dortigen Fachbehörden über die aktuellen Vorschriften zu informieren. Achtung: auch innerhalb der Mitgliedstaaten der EU existieren zwar die gleichen zollrechtlichen, jedoch verschiedene waffenrechtliche Regelungen.

Argumente gegen das Mitführen von Schusswaffen

1. Rechtliche Risiken: Die gesetzlichen Anforderungen und Vorschriften sind komplex und variieren von Land zu Land. Verstöße (auch unwissentliche) können zu schweren Strafen führen, einschließlich der Beschlagnahmung der Waffen, hohen Geld- und/oder Haftstrafen.

2. Eskalationsgefahr: Das Mitführen von Schusswaffen kann zu einer Eskalation von Konflikten führen. Piraten sind häufig schwer bewaffnet, und der Einsatz von Schusswaffen könnte die Situation verschärfen.

Trauriges Beispiel ist der Tod des bekannten Seglers Sir Peter Blake. Zur Erinnerung: 1995 führte Blake das neuseeländische Team mit der Yacht Black Magic zum Sieg im 29. America’s Cup (AC) und verteidigte diesen Titel im Jahre 2000 mit New Zealand im 30. AC als erster nichtamerikanischer Teilnehmer.

Am 6. Dezember 2001 lag Blakes SY SEAMASTER vor Macapá nahe der Amazonas-Mündung vor Anker und wartete auf die Zollabfertigung, als Piraten das Boot enterten. Sie entwendeten einen Außenbordmotor und mehrere Uhren. Nachdem Peter Blake (mit einem Gewehr) Gegenwehr leistete, wurde er von einem der Piraten erschossen. Zwei weitere Crewmitglieder wurden schwer verletzt.

3. Unfallrisiko: Waffen an Bord erhöhen das Risiko von Unfällen, insbesondere wenn die Crew nicht ausreichend im Umgang mit Schusswaffen geschult ist.

4. Versicherungsfragen: Das Mitführen von Schusswaffen kann die Versicherungsprämien erhöhen oder dazu führen, dass bestimmte Versicherungen nicht greifen.

Die Meinung eines erfahrenen Praktikers: Booby Schenk

Deutschlands wohl bekanntester Sportsegler Bobby Schenk hat zum Thema „Waffen an Bord“ seine eigene Meinung. Bereits in seiner Kolumne „In den Wind gesprochen 59“ sprach er sich auf seiner Homepage bobbyschenk.de strikt gegen das Mitführen von Schusswaffen an Bord einer Yacht aus.

SaHelp sprach über dieses Thema mit dem 1939 in München geborenen Autor zahlreicher Segel-Fachbücher und Reiseberichte.

SeaHelp: Herr Schenk, benötigt man Waffen an Bord, um mit seinem Schiff um die Welt zu segeln?

Bobby Schenk: Für eine Weltumsegelung braucht es eigentlich nur drei Dinge: die Crew muss passen und mitziehen, das Schiff muss sicher sein, und die Finanzen müssen stimmen. Waffen gehören mit Sicherheit nicht dazu.

Dennoch erreichen mich zu diesem Thema immer wieder Anfragen: Das ist die Frage nach den Waffen an Bord: mitnehmen oder nicht? Wenn ja, welche Waffe, welcher Schein, woher die Waffe(n) nehmen? Wie komme ich zu einer behördlichen Genehmigung? Und so weiter.

Es gab sogar Besucher meiner Webseite, welche monatelang mit der Verwaltungsbehörde gerungen und auch prozessiert haben, um eine Waffenbesitzkarte zu bekommen und damit schließlich legal eine Waffe erwerben zu können.

Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich in ihrer jahrzehntelangen Bord-Praxis gesammelt?

Leider wird die Diskussion zum Thema „Waffen an Bord“ mit absonderlichen Argumenten geführt, sodass der ehrfürchtige Zuhörer völlig verunsichert wird.

Ein paar Stichworte hierzu: „Wenn man eine Waffe an Bord hat, muss man sie auch ohne Zögern einsetzen“ (was für ein Bullshit!) oder „Waffen an Bord sind gefährlich“ oder „ich muss doch meine Familie beschützen“ oder „meine Waffe findet man sicher nicht“.

Leider, das ist das Merkwürdige bei diesem Thema, wohlgemerkt unter erwachsenen Menschen, bringt es kaum jemand fertig, diese Problematik ohne Vorurteile zu sehen und dementsprechend die Konsequenzen zu ziehen.

Ein Freund von mir, einer von der ganz harmlosen Sorte Mensch, der mich nie auf das Thema Waffen angesprochen hatte, bevor er mit seinen Kindern zur Weltumsegelung startete, musste bei einer Schiffsrazzia mit hochrotem Kopf erleben, dass die Polizisten in Westindien ihn nach der Herkunft seiner schlecht versteckten dreier Gewehre nebst Munition befragten. Die Konsequenzen kann sich jeder ausmalen.

Ein anderer wollte von seiner Yacht aus nach Hause fliegen und nahm seine Pistole, zerlegt in seine Einzelteile, in der Tasche mit. Dreimal musste er dann von zu Hause zur Gerichtsverhandlung in der Türkei anreisen, um schließlich das harte Urteil entgegenzunehmen.

Gleiches widerfuhr einem Deutschen, der ausgerechnet von Trinidad nach Hause fliegen wollte, ebenfalls mit einer Kanone in der Tasche. Urteil: Sechs Jahre Gefängnis.

Ein amerikanischer Yachty, ehemaliger Offizier, hatte in Indonesien auf seiner Yacht ein Gewehr, schön amtlich gemeldet mit den „notwendigen Papieren“. Als er dieses ordnungsgemäß dem Hafenkapitän gegenüber deklarierte, beschlagnahmte dieser die (teure) Waffe, mit der lapidaren Begründung, hier seien Waffen auf Yachten generell verboten und somit zu beschlagnahmen.

Erst als der Yachtsmann den amerikanischen Botschafter einschaltete, konnte er dreihundert Kilometer weiter, nämlich in der Hauptstadt, sein Gewehr wieder abholen.

Hatten Sie selbst bei ihren Törns Waffen an Bord?

Ja, in den siebziger Jahren führten wir einen 38er-Revolver an Bord der THALASSA mit, den wir überall deklarierten, wenn wir danach schriftlich oder mündlich gefragt wurden.

Besonders hat sich dafür niemand interessiert, weder im Mittelmeer, noch in Übersee. Lediglich in Panama (Colon) einem Verbrechernest, nahm die Polizei ohne große Formalitäten die Waffe unter Verschluss.

Eine Situation, wo ich in Versuchung geraten wäre, vorsichtshalber den Revolver bereit zu legen, gab es während der ganzen jahrelangen Weltumsegelung nicht. Es war aber auch die Zeit, als es fast überall auf der Welt, jedenfalls dort, wo Yachten vorbeigekommen sind, noch sehr friedlich zugegangen ist.

In den achtziger Jahren waren wir schon schwerer bewaffnet, und die Behörden nahmen es etwas genauer. In Polynesien lagen deshalb jahrelang unsere Waffen offiziell unter Verschluss, einem Verlies mit den Waffen der Yachties, mit denen man sicher erfolgreich jeden Bürgerkrieg hätte führen können.

Außer einem Gewehr in den Händen eines als Soldaten geschulten Amerikaners, ist mir nicht ein einziger Fall bekannt, wo der Einsatz einer eigenen (Schuss-)Waffe einen Überfall verhindert hätte.

Also ein klares „Nein“ zur Frage „Waffen an Bord“?

In der Tat. Wie „nützlich“ eine Waffe in meinem Fall gewesen ist, zeigt die Geschichte meines schweren Smith & Wesson-Revolvers, den ich auf professionelle Empfehlung und nach Schulung im Landeskriminalamt in Deutschland gekauft hatte.

Wenn ich mal den Nutzen dieser Waffe nachrechne, dann stand sie mir in zehn Jahren ziemlich genau ein halbes Jahr, also läppische fünf Prozent, und nur auf hoher See, zur Verfügung. In der restlichen Zeit wurde sie „behördlich verwahrt“. Nutzen dieser Waffe also: gegen Null!

Ein Vorteil der behördlichen Verwahrung war hingegen, dass ich zehn Jahre lang im Notfall gar nicht in Versuchung gekommen wäre, auch nur mit dem Gedanken zu spielen, die Waffe einzusetzen.

Heute wären für mich Waffen an Bord ein absolutes „No-Go“! Keine Waffen an Bord zu haben, bringt nur Vorteile: Kein Geplänkel mit den Behörden. keine Scheine, keine Aufbewahrungsprobleme (Tresor, Rost), etc.

Was kann man sicherheitsbewussten Skippern auf Langfahrt raten, die sich gegen Waffen an Bord entschieden haben?

Man sollte sein Augenmerk darauf richten, nur(!) in empfohlenen Gegenden rumzusegeln. Gebiete, in denen es zu Überfällen auf Yachten gekommen ist, sollte man strikt meiden. Dann erst ist übrigens auch ein Vergleich mit unseren heimatlichen Gegenden, wo Verbrechen auch nicht ganz auszuschließen sind, zulässig.

Auch eine Signalpistole (Kaliber 4), und damit auch den waffenrechtlichen Fachkundenachweis und eine entsprechende Waffenbesitzkarte, kann man sich getrost ersparen. Denn: die Schwierigkeiten sind in der Praxis, also in den Augen der Immigration-Officers, die gleichen wie bei einer „richtigen“ Schusswaffe.

So eine Signalpistole oder auch Raketen waren mal wirkungsvoll in den Titanic-Zeiten, heute kann man sie viel effektiver durch diverse Funksignale (oder auch leistungststarke LED-Scheinwerfer) ersetzen. Somit ist die Vorbereitung einer Weltumsegelung bezüglich Waffen an Bord schon nach fünf Minuten erledigt! (Mehr zum Thema).

Eine gute Alternative zu Signalwaffen an Bord können frei verkäufliche Signalmittel sein

(Anmerkung der Redaktion zum Thema „Signalwaffen an Bord“: wer den Erwerb der auch für eine Signalpistole Kaliber 4 erforderlichen Waffenbesitzkarte sowie den Sachkundenachweis scheut, für den können im Handel erhältliche Signalmittel ohne diese erschwerten Anforderungen und Nachweisen eine gute Alternative sein. Hand-Fallschirmraketen haben teilweise die gleiche Steighöhe und Leuchtdauer wie diejenigen, die mit der Signalpistole abgefeuert werden können. Unterschied: zum Erwerb ist lediglich ein leicht zu erlangender Fachkundenachweis nach dem Sprengstoffrecht erforderlich).

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