SeaHelp News

Katamaran vor Mljet auf Grund gelaufen: Sechs Menschen gerettet – was Skipper aus dem Unfall lernen können

Katamaran vor Mljet auf Grund gelaufen - Sechs Menschen gerettet
KI-generiertes Bild

Starke Bora, eine gefährliche Felsküste und eine festgekommene Charteryacht: Vor der kroatischen Insel Mljet ist Mitte Oktober ein Segelkatamaran auf Grund gelaufen. Alle sechs Besatzungsmitglieder blieben unverletzt. Der Vorfall zeigt, wie schnell eine Grundberührung bei schlechtem Wetter zur ernsten Gefahr werden kann. SeaHelp erklärt, wie Skipper solche Situationen möglichst vermeiden können, und was nach einem Auflaufen zu tun ist.

Es ist Dienstagvormittag, der 13. Oktober 2026. Vor der dalmatinischen Insel Mljet weht eine kräftige Bora. In der Nähe des Hafens Pomena gerät ein Segelkatamaran mit sechs Menschen an Bord in Schwierigkeiten und läuft auf Grund. Um 10.36 Uhr geht bei der kroatischen Seenotrettungszentrale MRCC Rijeka ein Hilferuf ein. Abgesetzt hat ihn die Skipperin des havarierten Schiffes.

Wie das kroatische Ministerium für Meer, Verkehr und Infrastruktur (Ministarstvo mora, prometa i infrastrukture, MMPI) am 14. Oktober offiziell mitteilte, wurde unmittelbar nach Eingang der Meldung die Hafenbehörde Dubrovnik verständigt. Einsatzkräfte der zuständigen Außenstelle Korčula machten sich auf den Weg.

Noch bevor die Behördenvertreter eintrafen, eilte die Besatzung eines privaten kroatischen Passagierschiffes zu Hilfe. Gemeinsam gelang es, den Katamaran wieder freizubekommen. Anschließend wurde das Schiff mit Ankerleinen gesichert, um zu verhindern, dass es durch die heftigen Windböen gegen nahe gelegene Felsen gedrückt wurde.

Die gute Nachricht: Alle sechs Besatzungsmitglieder blieben unverletzt. Die Einsatzkräfte stellten außerdem fest, dass kein Wasser in das Schiffsinnere eindrang. Nach einer ersten Untersuchung waren auch keine größeren Schäden an den beiden Rümpfen erkennbar. Der Katamaran, der einem kroatischen Charterunternehmen gehört, wurde schließlich zu einem sicheren Liegeplatz auf Mljet geschleppt. Eine Verunreinigung des Meeres wurde nicht festgestellt.

Wie konnte dieser Unfall passieren?

Die entscheidende Frage lautet: Hätte sich die Grundberührung vermeiden lassen? Eine abschließende Antwort gibt es bisher nicht. Nach Angaben des kroatischen Seeministeriums untersucht die zuständige Hafenbehörde auf Korčula die Unfallursache. Fest steht lediglich, dass zum Zeitpunkt der Havarie ungünstige Wetterbedingungen mit starken Bora-Böen herrschten.

Ob die Yacht durch eine Böe aus dem vorgesehenen Kurs gedrückt wurde, der Sicherheitsabstand zur Küste zu gering war, oder andere Umstände eine Rolle spielten, ist nicht abschließend geklärt. Auch über die Geschwindigkeit, den ursprünglichen Kurs und die konkrete Navigationssituation liegen bisher keine gesicherten Angaben vor.

Grundsätzlich gehört eine Grundberührung allerdings zu jenen Unfällen, deren Risiko durch gute Törnplanung, ausreichende Sicherheitsabstände und vorausschauende Navigation deutlich reduziert werden kann.

Gerade die Bora ist dabei ein ernst zu nehmender Faktor. Der kalte, häufig böige Fallwind kann entlang der kroatischen Adriaküste mit großer Heftigkeit einsetzen. Besonders in Küstennähe, zwischen Inseln und an Gebirgshängen können örtliche Beschleunigungen und wechselnde Böen für schwierige Bedingungen sorgen.

Wer unter solchen Umständen mit einem Segelkatamaran unterwegs ist, sollte besonders großzügige Abstände zu Untiefen, Felsen und der Küste einplanen. Grund: Katamarane bieten durch ihre hohen Aufbauten häufig erhebliche Windangriffsflächen. Bei langsamer Fahrt und starken seitlichen Böen kann es entsprechend schwierig werden, einen vorgesehenen Kurs präzise einzuhalten.

Wie lassen sich Grundberührungen vermeiden?

Entscheidend ist zunächst die sorgfältige Vorbereitung. Dazu gehört nicht nur der Blick auf die allgemeine Wettervorhersage, sondern insbesondere auf die örtlichen Windwarnungen des kroatischen Wetterdienstes DHMZ, die Entwicklung des Seegangs und die Bedingungen am geplanten Zielhafen. Bei angekündigter starker Bora ist es unter Umständen vernünftiger, im sicheren Hafen zu bleiben, statt eine Passage unter Zeitdruck anzutreten.

Ebenso wichtig ist die Navigation mit aktuellen Seekarten. Elektronische Plotter erleichtern zwar die Orientierung, ersetzen jedoch weder die sorgfältige Routenplanung noch die laufende Positionskontrolle. Gerade in engen Durchfahrten, bei Untiefen oder dicht unter Land sollten die navigatorischen Informationen mit der tatsächlichen Umgebung abgeglichen werden.

Hinzu kommt die richtige Einstellung des Tiefenalarms. Dabei müssen Skipper wissen, ob das Echolot die Tiefe unter dem Geber, unter dem Kiel beziehungsweise Rumpf oder ab der Wasseroberfläche anzeigt. Auch ein geringer Tiefgang ist kein Freibrief für riskantes Navigieren in flachen Gewässern.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Bei starken Böen rechtzeitig Geschwindigkeit und Segelfläche reduzieren, Manöver frühzeitig vorbereiten und ausreichend freien Seeraum vorhalten. Muss bei schlechtem Wetter eine Hafeneinfahrt angesteuert werden, sollte vorher geklärt sein, ob die Einfahrt und der vorgesehene Liegeplatz unter den herrschenden Bedingungen überhaupt sicher angelaufen werden können.

Grundberührung: Was ist unmittelbar danach zu tun?

Ist die Yacht trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auf Grund gelaufen, gilt zunächst: Ruhe bewahren und die Situation systematisch beurteilen. Unkontrollierte Befreiungsversuche können aus einer vergleichsweise harmlosen Grundberührung eine schwere Havarie machen.

Erstens: Personen sichern. Unmittelbar nach dem Auflaufen sollte geklärt werden, ob jemand verletzt wurde. Die Crew muss über die Situation informiert werden. Bei Seegang oder weiterer Gefährdung sind Rettungswesten anzulegen. Niemand sollte sich ungesichert auf dem Vorschiff, an der Reling oder zwischen Boot und Felsen aufhalten.

Zweitens: Maschine und Antrieb überprüfen. Nach einer Grundberührung sollte nicht einfach mit voller Maschinenleistung versucht werden, das Boot wieder freizubekommen. Ein solcher Versuch kann Propeller, Saildrives, Ruderanlagen oder den Rumpf zusätzlich beschädigen. Bei Verdacht auf Schäden an den Antrieben sind diese abzuschalten.

Drittens: Wassereinbruch kontrollieren. Besonders wichtig ist die Überprüfung der Bilgen, Rumpfbereiche und Durchführungen. Bei Segelyachten sollten auch Kielbefestigungen und strukturell belastete Bereiche berücksichtigt werden. Bei einem Katamaran müssen beide Rümpfe sowie die Saildrive- und Ruderbereiche kontrolliert werden. Nicht jeder Schaden ist unmittelbar sichtbar.

Viertens: Position und Umgebung feststellen. Wo genau liegt die Yacht? Auf Sand, Kies oder Felsen? Besteht Gefahr durch Wellenschlag? Könnte der Wind das Schiff weiter auf die Küste drücken? Wie entwickelt sich der Wasserstand? Diese Informationen sind entscheidend für das weitere Vorgehen.

Fünftens: Rechtzeitig Hilfe organisieren. Wenn sich die Yacht nicht offensichtlich gefahrlos aus ihrer Lage befreien lässt, sollte professionelle Hilfe angefordert werden. Bei unmittelbarer Gefahr für Menschen oder Schiff ist die staatliche Seenotrettung einzuschalten.

Die kroatische Unfalluntersuchungsbehörde AIN geht in ihrer Sicherheitsempfehlung AIN05-SL-5/2024 noch einen Schritt weiter: Nach einer Grundberührung soll eine Yacht nicht ohne fachliche Beurteilung der Schäden und ihrer Seetüchtigkeit sowie Zustimmung der zuständigen Behörden weiterfahren.

SeaHelp: Wann kann freigeschleppt werden?

Nicht jede Grundberührung erfordert automatisch eine aufwendige Bergung. Ein Boot, das beispielsweise auf weichem Untergrund festsitzt, kann unter günstigen Bedingungen unter Umständen mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder freigeschleppt werden.

Anders sieht es aus, wenn die Yacht auf Felsen liegt, durch Seegang immer wieder auf den Untergrund schlägt oder bereits strukturelle Schäden aufweist. Dann können erhebliche Kräfte auf Rumpf und Antrieb wirken. Ein unüberlegtes Freischleppen könnte die Situation verschlimmern.

SeaHelp unterscheidet deshalb ausdrücklich zwischen einer leichten Grundberührung und einer Bergung. Das Freischleppen bei leichter Grundberührung gehört bei entsprechendem Mitgliedschaftsschutz zu den eingeschlossenen Pannendienstleistungen. Eine aufwendigere Bergung ist dagegen gesondert zu vergüten.

„Der SeaHelp-Kapitän beurteilt die Situation vor Ort“, erläutert SeaHelp-Geschäftsführer Wolfgang Dauser. Dabei würden insbesondere der Untergrund, der Seegang, die Konstruktion der Yacht sowie der Zustand von Rigg und anderen Bauteilen eine Rolle spielen, so Dauser. Nicht allein die Tatsache, dass ein Schiff festsitzt, ist also ausschlaggebend, sondern die Frage, ob sich die Yacht ohne unverhältnismäßiges Risiko wieder freibekommen lässt.

Auch bei einer schweren Grundberührung kann SeaHelp der richtige Ansprechpartner sein. In diesem Fall handelt es sich jedoch gegebenenfalls um eine kostenpflichtige Bergung. Nach Angaben von Dauser werden die erforderlichen Leistungen und die voraussichtlichen Kosten auf Grundlage eines entsprechenden Bergevertrages vereinbart.

Was kostet eine Bergung – und wer bezahlt?

Für Skipper und Eigner kann diese Unterscheidung erhebliche finanzielle Bedeutung haben. Während eine leichte Grundberührung im Rahmen der vereinbarten SeaHelp-Leistungen abgedeckt sein kann, können bei einer schwierigen Bergung beträchtliche Kosten entstehen. Maßgeblich sind unter anderem die Wetterverhältnisse, die Lage des Schiffes, der erforderliche technische Aufwand und das Risiko für die beteiligten Einsatzkräfte.

Wer eine Yacht gechartert hat, sollte zusätzlich das Charterunternehmen unverzüglich informieren. Auch der Kontakt zur Versicherung beziehungsweise zur zuständigen Assistance-Stelle ist wichtig. Eigenmächtige Bergungsvereinbarungen können versicherungsrechtliche Fragen aufwerfen und Kosten verursachen. Bei akuter Gefahr darf die Organisation lebensrettender Hilfe dadurch jedoch keinesfalls verzögert werden.

Nach einer schweren Grundberührung sind außerdem eine fachgerechte Schadenprüfung und die Dokumentation des Vorfalls unerlässlich. Fotos, Positionsdaten, Zeitpunkt, Wetterbedingungen und die beteiligten Hilfskräfte sollten möglichst genau festgehalten werden.

Wie erreicht man im Ernstfall die richtige Hilfe?

Für einen Pannenfall ohne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben empfiehlt SeaHelp die Kontaktaufnahme über die SeaHelp-App. Der Vorteil: Beim Absetzen einer Hilfeanforderung kann die genaue GPS-Position übermittelt werden. Das erleichtert den Einsatzkräften die Lokalisierung der Yacht.

Alternativ ist SeaHelp über die europäische 24-Stunden-Notrufnummer +43 50 43 112 beziehungsweise die kroatische Alternativnummer +385 91 911 2112 erreichbar. Entscheidend ist, die konkrete Situation möglichst genau zu schildern.

Bei unmittelbarer Gefahr für Personen oder Schiff hat dagegen die staatliche Seenotrettung Vorrang. In Kroatien ist das Maritime Rescue Coordination Centre Rijeka über die Notrufnummer 195 erreichbar. Über UKW-Seefunk kann auf Kanal 16 ein Notruf abgesetzt werden. Alternativ steht die europäische Notrufnummer 112 zur Verfügung.

Die kroatischen Behörden empfehlen ausdrücklich, bei einer Havarie möglichst genaue Informationen über Position, Art des Unfalls, Schiff, Anzahl der Personen an Bord und mögliche Verletzungen zu übermitteln.

Nach dem Freischleppen ist die Gefahr nicht unbedingt vorbei

Besonders tückisch sind Schäden, die nach einer zunächst harmlos erscheinenden Grundberührung nicht sofort erkannt werden. Ein angeschlagener Saildrive, eine beschädigte Ruderanlage oder ein struktureller Schaden im Unterwasserschiff können erst später zu ernsthaften Problemen führen. Gerade bei modernen Serienyachten mit GFK-Rümpfen muss berücksichtigt werden, dass nicht jede Beschädigung von außen sichtbar ist.

Deshalb sollte das Freikommen von einer Untiefe keineswegs automatisch als Ende des Zwischenfalls betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, ob das Schiff nach einer fachgerechten Untersuchung tatsächlich (wieder) seetüchtig ist.

24h NOTRUF EUROPA: 0043 50 43 112

In einem Notfall können die Einsatzboote von SeaHelp mittels der praktischen SeaHelp-App, oder unter der kostenlosen Notrufnummer für Europa 0043 50 43 112 (bzw. unter der alternativen Notrufnummer für Europa 00385 919 112 112 gerufen werden.

Download SeaHelp-App:

SeaHelp-App mit der Notruffunktion für Android SmartphonesSeaHelp-App mit der Notruffunktion für Apple iPhone Smartphones
 
* es können Endgeräte- oder Kosten von Telekommunikationsdiensten anfallen

SeaHelp MitgliedschaftWerbung
SeaHelp Service
Für tagesaktuelle Kraftstoffpreise
bitte hier klicken!
SeaHelp Service

Push Service & Newsletter

Werbung

SeaHelp Neueste Artikel

Werbung
D Marin | Marina VeledarWerbung
SeaHelp News

Ähnliche Beiträge