Die verheerenden Brände bei Omiš zeigen, wie schnell aus einem Waldbrand an der kroatischen Küste eine unmittelbare Gefahr für Urlauber und Sportskipper werden kann. Wer mit dem Boot unterwegs ist, sollte einige Regeln kennen – und vor allem den Löschflugzeugen auf dem Wasser großzügig Platz machen, rät SeaHelp.
Die Bilder aus Omiš sind dramatisch. Innerhalb weniger Stunden fraß sich das Feuer in der Nacht zum Freitag bis an die Stadt heran. Rund 1.000 Hektar wurden nach Angaben der Feuerwehr ein Raub der Flammen, zahlreiche Häuser, Fahrzeuge und auch Boote brannten. 36 Menschen wurden verletzt, 14 mussten stationär behandelt werden; sieben Patienten lagen am Freitagmorgen mit lebensgefährlichen Verletzungen auf der Intensivstation. Rund 1.000 Einwohner und Urlauber wurden evakuiert. Am Morgen hatte sich die Lage etwas beruhigt, doch gleichzeitig brach auf der Halbinsel Pelješac ein weiterer Brand aus.
Für Sportskipper ergibt sich daraus eine besondere Situation. Denn an der zerklüfteten dalmatinischen Küste treffen bei Großbränden gleich zwei Einsatzräume aufeinander: Land und Meer. Löschflugzeuge vom Typ Canadair CL-415 nehmen ihr Wasser unmittelbar auf der Adria auf – häufig möglichst nahe am Brandgebiet. Und genau dort befinden sich im Hochsommer zahlreiche Segel- und Motorboote.

Wenn die Canadair kommt: Wasserfläche sofort freimachen
„Wer eine Canadair im Tiefflug über dem Wasser erkennt, sollte nicht erst darauf warten, dass Polizei oder Hafenkapitanat zum Ausweichen auffordern“, sagt Denis Lipovac von der SeaHelp-Einsatzzentrale in Punat. Sein Rat: „Kurs aus dem betreffenden Seegebiet nehmen, Abstand schaffen und die Wasserfläche freihalten. Keinesfalls sollte man versuchen, das spektakuläre Manöver aus der Nähe zu beobachten oder gar zu filmen“.
Der Grund ist einfach: Beim sogenannten „Scooping“ setzt die Canadair mit hoher Geschwindigkeit auf der Wasseroberfläche auf und nimmt während der Fahrt mehrere Tonnen Wasser auf. Für das Manöver benötigt die Besatzung eine lange, freie Wasserfläche; kroatische Piloten nennen dafür eine Größenordnung von mindestens rund 1.300 Metern. Boote, Jetskis, SUPs und Schwimmer in diesem Bereich können nicht nur sich selbst, sondern auch Flugzeug und Besatzung gefährden – und im schlimmsten Fall einen Löschanflug verhindern.
Erst im Juli musste die Gemeinde Blato auf Korčula Bootsfahrer ausdrücklich auffordern, sich von Canadairs beim Wasserfassen fernzuhalten. Die Behörden weisen darauf hin, dass jedes Wasserfahrzeug in diesem Bereich ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt und die Löscharbeiten verzögern kann. Anweisungen von Polizei, Hafenkapitanat, Feuerwehr oder anderen Einsatzkräften haben deshalb unbedingt Vorrang.
Eine allgemeingültige „Sicherheitsdistanz von X Metern“ sollte man daraus übrigens nicht ableiten. „Entscheidend ist vielmehr, die gesamte erkennbare Anflug-, Wasseraufnahme- und Startstrecke unverzüglich freizumachen“, sagt Lipovac. Im Zweifel gelte: lieber einen großen Bogen fahren als hundert Meter zu wenig.
Wenn ein Brand vom Boot aus entdeckt wird
Rauchentwicklung an Land sollte ein Skipper nicht als Angelegenheit anderer betrachten. Gerade in trockenem Gelände können aus kleinen Brandherden innerhalb weniger Minuten Großbrände entstehen. Im Zweifel sofort 112 anrufen – alternativ ist die kroatische Feuerwehr unter 193 erreichbar. Bei einem Seenotfall steht außerdem die maritime Rettungsleitstelle unter 195 zur Verfügung. Die 112 ist rund um die Uhr erreichbar. Auch die Einsatzzentrale von SeaHelp kann 24/7 unter der kostenlosen Notrufnummer für Europa 0043 50 43 112 (bzw. unter der alternativen Notrufnummer für Europa 00385 919 112 112) informiert werden.
„Wichtig ist eine möglichst präzise Ortsangabe. Vom Boot aus sind GPS-Koordinaten besonders hilfreich“, sagt Denis Lipovac. Dazu kommen Angaben darüber, was brennt, wie groß das Feuer ungefähr ist, ob Gebäude oder Menschen gefährdet sind und aus welcher Richtung der Wind weht.
Feuer verhindern: An Bord beginnt es mit Kleinigkeiten
Die kroatischen Behörden appellieren in diesem Sommer ausdrücklich an Einheimische und Urlauber, im Freien kein Feuer zu entzünden und Zigaretten niemals in der Natur wegzuwerfen. Rauch oder Feuer sollen sofort über 112 beziehungsweise 193 gemeldet werden.
Für Crews heißt das ganz praktisch: keine glimmenden Zigaretten über Bord oder an Land, kein Grillen oder offenes Feuer in trockener Vegetation und besondere Vorsicht bei Landgängen. Auch ein heißer Grill, Funken oder achtlos entsorgte Glut können unter den gegenwärtigen Bedingungen ausreichen.
Wer in einer Bucht ankert und in der Umgebung einen Brand bemerkt, sollte zudem frühzeitig überlegen, ob der Ankerplatz noch sicher ist. Nicht warten, bis Rauch, Feuer oder eine behördliche Evakuierung den Rückzug erzwingen. Windrichtung beobachten, Motor beziehungsweise Maschine startklar halten, Crew an Bord holen und gegebenenfalls rechtzeitig auslaufen. Dabei aber niemals in ein Seegebiet fahren, das gerade von Löschflugzeugen zur Wasseraufnahme genutzt wird.











