Wieder wurde eine Yacht an der Playa Son Maties bei Palmanova von Wind und Wellen „angespült“. Das Phänomen, dass relativ häufig Yachten — darunter auch recht große — an diesem Ort im Südwesten Mallorcas stranden, ist jedoch kein Mysterium, sondern lässt sich durch die Kombination aus Wetterlage, Strömung, Geografie und offenbar unzureichender Vorsicht erklären.
Palmanova ist ein bei den Touristen überaus beliebter Badeort im Südwesten der spanischen Baleareninsel Mallorca. Der zur Gemeinde Calvià gehörende Ort liegt in der Bucht von Palma, etwa 15 Kilometer westlich von Palma, direkt am Meer. Im Osten der Bucht liegt Portals Nous, im Westen Magaluf. Im Bereich von Palmanova befinden sich die beiden Strände Platja des Carregador und Playa Son Matias, die eine lange Strandpromenade verbindet.
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Seit einigen Jahren erleben die Strandbesucher des Playa Son Maties ein kostenloses Spektakel: jedes Jahr seit 2022 strandet mindestens eine Yacht vor Palmanova, mal sind es Segel- und mal luxuriöse Motoryachten, welche dort unfreiwillig enden und von Badegästen und Strandspaziergängern bestaunt werden
Auch in diesem Jahr lief wieder eine Yacht am Platja Son Matjes auf: „kommt der Herbst, kommt das Wrack: Das nächste Segelboot liegt vor dem Urlauberstrand Son Maties in Palmanova“, titelte mallorcazeitung.com am 6. Dezember; das sei jedoch „kein Einzelfall, sondern Teil eines wiederkehrenden Phänomens“. Damit setze sich eine „gute alte Tradition im Südwesten von Mallorca“ fort. Dieses Mal habe es sich um ein „altes, offenbar seit längerer Zeit nicht mehr gewartetes Boot“ gehandelt.
In den vergangenen neun Jahren sind mindestens sieben Yachten an genau diesem Küstenabschnitt gestrandet
Mit dem Wort „Phänomen“ beschreiben die Autoren den Umstand, dass fast jährlich – nämlich in den vergangenen neun Jahren mindestens siebenmal – Yachten an genau diesem Küstenabschnitt gestrandet sind. Manche Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang gar von einem „Mysterium“. Eine Yacht mit deutscher Flagge sei am Strand von Son Matíes in Palmanova im Südwesten von Mallorca gestrandet, berichtete mallorcamagazin bereits im Juli 2016. Unter den Augen zahlreicher Badegäste habe die Seerettung eingreifen und das Luxusgefährt vom Strand ziehen müssen.
„Schon wieder wird ein Boot an die Playa Son Maties gespült“, titelte mallorcazeitung.es erst im April des vergangenen Jahres: an der Playa Son Maties in Palmanova sei ein Segelboot gestrandet. Das Schiff sei „offenbar durch die unruhige See an Land getrieben“ worden. Erst ein Jahr zuvor, im September 2023 sei ein elf Meter langes Boot von Sturmböen ans Ufer gespült worden, wo es „tagelang in Schieflage lag und zu einer Attraktion für Badegäste und Passanten“ geworden sei.
Bei einer (Segel-) Yacht, die im Februar 2019 in Son Maties gestrandet war, habe das Rathaus von Calvià rund 80.000 Euro aus seinem Haushalt für 2020 lockermachen müssen, um eine 22 Meter lange Yacht abzuwracken. Das Boot sei in den Monaten, in denen es am Strand gelegen habe, mit Graffiti beschmiert und geplündert worden.
Der Abwrackvorgang wurde als „aufwendig“ beschrieben: „nach einer ersten Phase, in der die Struktur inspiziert wurde, wurden alle gefährlichen Stoffe entfernt. Dann wurden Teile der Möbel und Haushaltsgeräte ausgebaut. Schließlich wurde das Gehäuse demontiert und in mehrere Teile zerlegt, um den Abtransport zu erleichtern“, schrieb mallorcazeitung es. damals.
Eine weitere „Geister“- Yacht war (neben einer Segelyacht, siehe oben) 2019 vor Palmanova gestrandet: „Anwohner von Palmanova im Südwesten von Mallorca regen sich zunehmend über eine Yacht auf, die dort im April gestrandet war und noch immer nicht weggeräumt wurde“, berichtete mallorcamagazin.com im Oktober 2029. Es habe sich dabei um ein „relativ großes Motorschiff“ gehandelt, dass monatelang am Strand gelegen habe.
Und im April 2022 berichtete inselradio.com, dass die Polizei auf Mallorca versucht habe, den Besitzer eines Schiffes ausfindig zu machen, dass am Strand von Portals Nous zwischen Delfinarium und Tennisclub gestrandet sei. Die „Reina I“ soll zunächst auf Grund gelaufen und dann durch starken Wind an die Küste getrieben worden sein. Im November war das gestrandete Schiff dann schließlich von Wind und Wellen komplett zerstört worden.
Warum stranden relativ häufig Yachten — darunter teils auch recht große — ausgerechnet an der Playa Son Maties bei Palmanova?
Was hat es damit auf sich, dass relativ häufig Yachten — darunter teils auch recht große — ausgerechnet an der Playa Son Maties bei Palmanova angespült werden? Nun, klar ist, dass es sich dabei mitnichten um ein „Mysterium“ handeln dürfte – vielmehr lassen sich die meisten dieser Strandungsfälle durchaus plausibel erklären.
So stellte sich etwa bei der 2016 gestrandeten, mittelgroßen blauen Luxus-Motoryacht später heraus, dass die Yacht ursprünglich an einer anderen Yacht vertäut gewesen sei. „Beide hatten eine zeitlang gemeinsam in der Nähe des Strandes haltgemacht“, schrieb die spanische Tageszeitung Utima Hora damals; als sie dann gegen fünf Uhr nachmittags aufbrechen wollten, hätten sie die Festmacher-Enden gelöst, von denen eines ins Wasser gefallen sei und sich in der Schraube verfangen habe. Das Boot sei daraufhin abgedriftete und sei zum Strand getrieben.
Immer wieder berichten zudem verschiedene Medien, dass starke Unwetter oder Stürme Yachten im Südwesten Mallorcas losreißen — so etwa geschehen im Frühjahr 2019, bei dem mehrere Boote durch Wind und Wellen losgerissen wurden, darunter auch eine der beiden Yachten, die an Son Maties gestrandet war.
Auch im Jahr 2024 hatten neben der Seenotrettung auch verschiedene Yachtmagazine berichtet, dass bei heftigen Stürmen — u.a. verursacht durch Wetterphänomene wie „Gota Fría“ oder DANA — Dutzende Yachten auf den Balearen an Land gespült worden waren, darunter auch eine Segelyacht vor Palmanova.
Gota Fría (spanisch für „kalter Tropfen“) und DANA (Depresión Aislada en Niveles Altos, „isoliertes Höhentief“) beschreiben in diesem Zusammenhang dasselbe extreme Wetterphänomen im Mittelmeerraum, bei dem ein isolierter Tropfen kalter Luft in der Höhe auf warme, feuchte Mittelmeerluft trifft und zu heftigen, oft katastrophalen Starkregenereignissen und Überflutungen führt, typischerweise im Herbst.
Während Gota Fría den allgemeinen Begriff für das Phänomen darstellt, betont DANA die meteorologische Ursache (das Höhentief), die für schwere Unwetter wie die tragischen Überschwemmungen in Valencia im Oktober 2024 verantwortlich war.
Oft ist es eine Kombination aus starkem Wind, kräftigen Wellen und plötzlich auflaufendem Seegang, die dazu führen, dass beispielsweise Anker slippen oder Leinen reissen
Oft sei es jedoch einfach eine Kombination aus starkem Wind, kräftigen Wellen und plötzlich auflaufendem Seegang, die dazu führen könne, dass beispielsweise Anker slippen oder die Leinen reissen würden – mit dem Ergebnis, dass die Yachten abtreiben und schließlich am Strand landen würden. Oft sind die gewählten Ankerplätze und die Schutzlage unzureichend – kommt dann noch eine Leegerwall-Situation dazu, ist die Katastrophe oft vorprogrammiert.
Neben Beispielen von schlechter Seemannschaft spielen auch die zunehmende Häufigkeit von Wetterextremen eine nicht unwichtige Rolle bei den vermehrt auftretenden Strandungen – Stürme und Unwetter auf den Balearen steigen offenbar in Häufigkeit und Intensität an – unter anderem, weil warme Meeresoberflächen und feuchte Sommerluft mit kalten Luftmassen zusammenkommen (SeaHelp berichtete an dieser Stelle). Das erhöht das Risiko für Sportboote und Yachten, insbesondere wenn sie an vermeintlich ruhigen Buchten ankern und die Wetterentwicklung unterschätzen.
Dazu kommt, dass Mallorca im Frühling und Herbst besonders anfällig für Wetterumschwünge ist. Typische Merkmale hierfür sind etwa Mistral / Tramontana‑artige Winde aus Nordwest bis Nord, bei denen sich bei Kaltluftvorstößen über dem Mittelmeer ergeben, die starken Seegang erzeugen können, insbesondere an der West‑ und Südwestküste der Baleareninsel. Westliche Sturmfronten oder Tiefdruckzellen (z. B. Gota Fría / DANA, siehe oben) können von West oder Südwest hereinziehen — dann schlagen Wellen und Wind direkt auf geschützte Buchten wie die Bucht von Palma bzw. auf deren Strände.
Schließlich spielen auch Strömungen und Wellenreflexionen eine Rolle: in flachen Buchten mit Sandstränden kann die kombinierte Wirkung von drückendem Wind, reflektierten Wellen und rasch steigender Brandung etwa schnell dazu führen, dass Boote unweigerlich Richtung Küste gedrückt werden. Weil solche Wetterlagen im Herbst und Frühjahr gehäuft vorkommen, ist das Risiko für Yachten in dieser Zeit entsprechend höher.
Palmanova / Son Maties liegt in einer relativ geschlossenen, flachen Bucht mit Sandstrand, was bei Sturm (insb. aus Südwest) zu einem natürlichen „Auffangbecken“ für treibende Boote werden kann
Doch warum ausgerechnet Son Maties / Palmanova, fragen sich viele Beobachter. Ein plausibler Grund könnte sein, dass Palmanova / Son Maties in einer relativ geschlossenen, flachen Bucht mit Sandstrand liegt, was bei Sturm (insb. aus Südwest) zu einem natürlichen „Auffangbecken“ für treibende Boote werden kann.
Bei der Bucht handelt es sich darüber hinaus auch um einen beliebten Anker‑ / Liegeplatz: viele Sportboote und Privatyachten verlegen sich bei vermeintlich gutem Wetter in solche geschützten Buchten — häufig mit geringem Tiefgang, was sie bei Seegang besonders angreifbar macht – wenn die Skipper das Risiko eines Wetterumschwungs unterschätzen bzw. wenn es an gebotener Vorsorge mangelt.
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Fazit: bei den Strandungen handelt es sich mitnichten um ein „Mysterium“; Stürme und Strömungen sind oft der Hauptgrund dafür. Dass „so gut wie jedes Jahr“ Yachten an dieser Stelle stranden, deutet darauf hin, dass Wetterextreme, unzureichende Sicherung und flache Küstenstruktur zusammenwirken. Zudem ist die Bucht vor Palmanova insbesondere bei starkem Wind aus Südwest ziemlich ungeschützt und unsicher.
Wer trotzdem dort ankert — oder ankern will — sollte: stets die Wetterentwicklung verfolgen und Wetter-Warnungen im Blick haben, insbesondere bei zu erwartenden Stürmen im Frühjahr und im Herbst. Bei einem plötzlich aufziehenden Sturm sollte man die Bucht sofort verlassen und tieferes Wasser ansteuern, bzw. umgehend einen sicheren, geschützten Hafen anlaufen.










