Ein Bootshaken ist ein unscheinbares, aber extrem nützliches und vielseitiges Werkzeug an Bord – jedes Boot, ob Yacht oder Jolle, sollte einen (größere Boote und Yachten besser: zwei) dabeihaben. Wie sind sie am besten zu handhaben, aus welchem Material sollten sie bestehen, und – wo sollten sie an Bord gelagert werden?
Es passierte am Ende der Saison: wir lagen mit unserem Boot nach einem schönen Segeltörn wieder festgemacht in der Box, als unser Stegnachbar mit seinem dicken Motorboot seinen Liegeplatz genau neben uns ansteuerte. Das Anlegemanöver misslang, und um eine Ramming mit unserem Boot zu verhindern, dämpfte ein Crewmitglied des Motorbootes dessen Speed und lenkte dessen Bug Richtung Steg, weg von unserem Rumpf.
Das Motorboot-Crewmitglied bediente sich dabei eines Bootshakens, um unsere Boote auf Abstand zu halten. Gut, dass sie einen dabeihatten, dachten wir uns. Schlecht nur, dass der Bootshaken aus Metall und ziemlich spitz war, sodass unsere Boote zwar nicht kollidierten, der Haken aber übers Deck kratzte und dabei leider auch Spuren hinterließ.
Der Bootshaken ist ein unverzichtbarer universeller Helfer an Bord
Wie sollte er also aussehen, der „perfekte Bootshaken“? Zunächst: warum sollte jeder Yachtbesitzer überhaupt stets einen Bootshaken an Bord haben? Ein Bootshaken ist nicht nur der „verlängerter Arm“ des Skippers oder der Crew, er ist auch ein sicheres Werkzeug zum Manövrieren in engen Situationen. Schließlich ist er ein universeller Helfer an Bord, der nicht nur beim An- und Ablegen gebraucht wird (dort aber wohl am häufigsten).
Typische Einsatzbereiche sind neben dem „Greifen“ des Festmachers bzw. der Sorgeleine, die zwischen manchen Bootsliegeplätzen gespannt ist, auch das Ausrichten (und das Zurückholen) von Fendern und bestimmte „Mann-über-Bord-Situationen“ (z. B. beim Schwimmleine heranziehen) bzw. wenn Gegenstände über Bord gegangen sind.
Auch beim Abstand halten bei Anlegemanövern (z. B. bei Winddruck oder beim eingangs geschilderten Fall bei zu viel Speed beim Einfahren bzw. falschem Manövrieren) können Bootshaken nützliche Dienste leisten und das Schlimmste verhindern helfen. Schließlich sind die praktischen Helfer unverzichtbar in Schleusen oder beim Mooring-Manöver, um die Landleine oder die Mooringleine aufnehmen. Auch als verlängerter GoPro- oder Handy-Stick wurden Bootshaken bereits gesichtet. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.
Klassische Bootshaken bestehen aus Holz oder Aluminium und besitzen eine Spitze aus Edelstahl oder GfK
Doch aus welchem Material sollte ein Bootshaken bestehen? Der Schaft besteht oft aus Holz (z. B. Esche), GFK oder Aluminium. Vorteil beim Holzschaft: der ist – im Falle eines Falles – schwimmfähig, GFK punktet mit Robustheit, Alu ist leicht. Der Haken selbst besteht entweder aus Edelstahl oder aus Kunststoff, beide Varianten sind rostfrei, bruchfest und wetterbeständig. Unser Bootshaken an Bord besteht komplett aus Aluminium (Schaft und Haken) und besitzt einen etwas dickeren, rutschfesten Gummigriff am Ende.

Wären da noch die gern für viel Geld angepriesenen Teleskop-Bootshaken. Aus unserer Sicht sind diese jedoch äußerst problematisch. Grund: viele (günstigere) Modelle sind: nicht stabil genug für echten Zug (z. B. beim Festmacher-Heranziehen), sie sind korrosionsanfällig, speziell an der Arretierung, oft wackelig, wenn sie ausgezogen sind, vor allem aber sind sie nicht wasserdicht – sie sinken, wenn sie mal über Bord gehen sollten. Für kleine Boote mit wenig Stauraum mag das ok sein – für ernsthafte „Gute Seemannschaft“ jedoch eher ungeeignet.
Die ideale Länge eines Bootshakens hängt natürlich in erster Linie von Bootstyp und -größe ab, empfohlen wird eine Länge zwischen 1,80 und 2,40 m. Dabei gilt: lieber zu lang als zu kurz, denn dann kann man den Haken (wenn er zu lang ist) einfach kürzer greifen; man kann den Haken aber nicht „verlängern“, wenn er zu kurz ist. Bei größeren Booten / Yachten bzw. hohen Freiborden sollte man sich eher an längeren Modellen orientieren.
Der Bootshaken sollte an Bord stets griffbereit gelagert werden
Wo sollte ein Bootshaken gelagert werden? Nun, zumindest beim An- und Ablegen gilt – er sollte immer griffbereit sein. Damit ist vor allem das Crewmitglied an Bord gemeint, welches sich beispielsweise beim Einfahren in die Box am Bug bzw. auf dem Vordeck befindet.
Mögliche Orte können somit sein: die Halterung am Cockpitkorb, an der Reling, unter einer Decks-Backskiste (nur wenn schneller Zugang gewährleistet ist). Viele Fahrtensegler fahren den Bootshaken auch an einer Want oder am Achterstag bzw. – bei Motorbooten – kann ein guter Platz seitlich auf dem Deck nahe des Handlaufs sein. Auf jeden Fall gilt: Bootshaken gehören nicht unter Deck oder tief in einen Stauraum – das ist im Ernstfall zu spät.
Im Handel werden aktuell viele verschiedene Modelle angeboten, die zumeist aus den oben genannten Materialien bestehen und im Schnitt zwischen 25 Euro (teleskopisch, nicht empfohlen) und 55 Euro liegen (Aluminium bzw. Hol-/Edelstahl-Kombi). Sparfüchse kaufen nur den Haken und erwerben, z.B. im Baumarkt, einen ensprechenden Holz- bzw. Aluminiumstiel (Holz- bzw. Gartenabteilung).
Fazit: ein robuster, nicht teleskopierbarer Bootshaken aus Holz oder Alu ist die sicherste und langlebigste Lösung
Er sollte sofort griffbereit sein, möglichst schwimmen können, auch mal für sehr kräftiges Ziehen geeignet sein und sich nicht unter Last verbiegen oder verklemmen. Tipp: wer ausreichend Platz hat, sollte an Bord stets zwei Haken mitführen – z.B. einen „klassischen“, langen Holzbootshaken und ggf. einen kurzen Reservehaken für den Rudergänger / das Achterdeck. Und: gut ist, wenn der Haken an den Enden eine Rundung besitzt (kugelförmig), so können unschöne Kratzer an anderen Booten vermieden werden.










