Knigge an Bord: Keine dunklen Schuhsolen und falsch gesetzten Flaggen: An Bord gelten (ungeschriebene) Benimmregeln

Knigge an Bord: Benimmregel auf der Yacht / Boot

„Das tut man nicht“ hört keiner gern, der sich wider besseren Wissens einen Fauxpas an Bord geleistet hat. Doch gelten innerhalb des Seezauns manch (ungeschriebene) Regeln, die Novizen nicht sofort kennen können. SeaHelp hat die wichtigsten zehn Regeln Benimmregeln an Bord zusammengestellt.

Adolf Freiherr Knigge, der mit seinem Buch „Über den Umgang mit Menschen“ bereits vor fast 250 Jahren einen Katalog über die richtigen Umgangsformen und das verträgliche Sozialleben verfasste, war kein Segler. Aber die Benimmregeln für Wassersportler könnten auch aus der Feder des deutschen Schriftstellers Knigge kommen, der sich – anders als oftmals falsch überliefert – weniger über die korrekte Verwendung von Messer und Gabel ausließ, sondern seinen thematischen Schwerpunkt vor allem auf den höflichen, respektvollen Umgang miteinander legte.

Dennoch wissen wir alle, was unter dem Begriff „Knigge-Regel“ gemeint ist. Dos and Don‘ts. Diese Benimmregeln gelten an Land und auch auf See. Nicht nur, um guten Stil zu zeigen, sondern auch, um ein entspanntes Miteinander im Hafen und auf See zu erreichen.

Benimmregel No.1: Korrekt grüßen

Trifft man eine andere Yacht auf See, gehört es sich, grüßend die Hand zu heben. Früher sollte dieses Zeichen vor allem signalisieren, dass an Bord alles in Ordnung ist. Nun gehört es schlicht zum guten Ton, nicht grußlos aneinander vorbeizufahren oder zu segeln. Und auch im Hafen und auf den Stegen der Marina sollte man sich nicht als muffeliger Stinkstiefel präsentieren und grußlos an dem Stegnachbarn vorbeischlurfen. Ein leichtes Nicken zum Cockpit der Nebenlieger oder ein freundlicher Gruß im Vorbeigehen gehören unbedingt dazu. Keine Sorge, das muss nicht in ausschweifendem Gesabbel enden. Ein simpler Gruß reicht vollkommen, um dem anderen zu signalisieren, dass man ihn gesehen hat.

SeaHelp Extratipp: Grüßen sich zwei Skipper auf See, wenn sich ihre Routen kreuzen und sie einen geringen Abstand zueinander haben, heben sie ganz ruhig die Hand zum Gruß. Das ist eher eine stille Geste als ein fröhliches Winken, mit dem man die Aufmerksamkeit eines anderen erregen möchte. Wer gleichzeitig mit zwei ausgestreckten Armen winkt signalisiert dem anderen, dass er dringend Hilfe benötigt.

Benimmregel No.2: Übers Vorschiff

Die Situation kennt nur, wer nicht in einer eleganten Marina liegt, sondern im alten Hafen festgemacht hat. Es ist voll, die Schiffe liegen nebeneinander dicht an dicht im „Päckchen“. Nur unhöfliche Ignoranten gehen beim Hindernislauf über die vielen Schiffe bis zum Steg durch das Cockpit des Nachbarschiffes. Viel höflicher ist es, mit sanften Schritten über das Vorschiff zu huschen. Und wenn sich in der Reling des Schiffes ein kleines Pförtchen befindet, darf dies gerne genutzt werden. Ist viel einfacher, als über die Reling zu klettern.

SeaHelp Extratipp: Wer ganz Innen liegt, sollte seine Nachbarn möglichst frühzeitig darüber informieren, wann er auslaufen möchte. Und eventuell seine Törnplanung noch einmal überdenken. Denn wer morgens um 7 Uhr beginnt die Nachbarn zu wecken und das Päckchen zu entwirren, macht sich nicht sonderlich beliebt.

Benimmregel No.3: Fender rein!

Kaum etwas ist peinlicher, als mit einer Yacht, an deren Längsseite noch einer oder mehrere Fender baumeln, auf Törn zu gehen. „Fenderschiff“ schallt es dann schnell herablassend hinüber. Also: Spätestens in der Hafeneinfahrt sollten die praktischen Abstandhalter und Schutzpolster korrekt verstaut sein, alles andere ist „unseemännisch“. Und beim nächsten Anlegemanöver wieder rechtzeitig korrekt an der Reling angebracht werden.

SeaHelp Extratipp: Ist der Hafen voll und müssen die Yachten Bordwand an Bordwand liegen, dient ein aufgehängter Fender als Kommunikationsmittel. Er signalisiert einlaufenden Skippern: Hier darf gerne einer festmachen. Liegt hingegen ein Dinghi oder kleines Beiboot neben dem Rumpf der Yacht, ist dies ein unmissverständliches Zeichen „Nebenlieger unerwünscht.“

Benimmregel No.4: Flaggenkunde

Die Gastlandflagge sollte möglichst dicht unter der Steuerbordsaling aufgezogen werden. Und das nicht erst im fremden Hafen, sondern schon auf See. Dabei nur aufpassen, dass die Flagge nicht aus Versehen falsch herumhängt (passiert gerne bei der rot-weiß-blau gestreiften Flagge der Niederlande). Viele Regionen legen Wert darauf, dass sie neben der Nationalflagge des Staates ebenfalls präsent sind. Wer bsp. vor Korsika segelt, sollte den dunklen Korsen mit Stirnband unter der Trikolore hissen.

SeaHelp Extratipp: Nicht vergessen, die Nationalflagge an einem Flaggenstock im Heck oder am Achterstag zu setzen! Und wer auf seiner eigenen Yacht unterwegs ist, kann den Stander seines Segelclubs unter der Backbordsaling setzen. Bei vielen Chartercrews hat es sich eingebürgert, die eigene Nationalflagge an der Backbordsaling unter der Flagge des Charterunternehmens zu setzen, da im Heck die Flagge des Landes weht, in dem das Schiff registriert ist. Diese Flagge für die Dauer des Törns gegen eine andere auszutauschen, kommt übrigens sowohl beim Vercharterer als auch in den Häfen gar nicht gut an!

Benimmregel No.5: Anziehen!

Auf See ist alles erlaubt, was Crew und Skipper optisch gefällt und dem Wetter und der Situation angemessen ist. Nackiger XXL-Bierbauch genauso wie Mini-Bikini mit Alibifunktion. Doch beim Einlaufen in den Hafen, egal, ob auf den eigenen Liegeplatz oder in eine fremde Marina, müssen mindestens Shorts und T-Shirt angezogen werden.

Benimmregel No.6: Eigene Leinen

Das der Stecker vom Landkabel mal nicht passt oder der Aufsatz für den Schlauch nicht mit dem im Hafen verwendeten System korrespondiert kann passieren, aber beim Anlegen nicht genug Leinen zur Hand zu haben ist ein echtes „no go“. Als Gastlieger die Leinen des eigentlichen Liegeplatzinhabers zu nutzen oder deren Führung über Pfähle und durch Ringe an der Pier zu verändern, kommt ebenfalls schlecht an!

SeaHelp Extratipp: Auch, wenn man sie nur ganz selten braucht: Irgendwo an Bord sollte auch eine ganz lange Trosse mitgeführt werden, damit man das Schiff auch unter ungewöhnlichen Umständen oder solchen Orten sicher festmachen kann.

Benimmregel No.7: Runter vom Gas

Wer schon bei der Ausfahrt aus der Box mit Schwung den „Hebel auf den Tisch“ legt ist weder besonders cool, noch souverän, sondern schlicht rücksichtslos. Die empfohlene Geschwindigkeit von drei Knoten in den meisten Häfen hilft nicht nur, Kollisionen zu vermeiden und Anlegemanöver in Ruhe durchzuführen, sondern dient auch der Lärmreduzierung. Aus Rücksicht auf die Umliegenden sollte im Hafen auch auf das Laufenlassen der Generatoren oder des Schiffsdiesel, um Strom zu gewinnen, möglichst verzichtet werden. Und statt der zu Hause aus Rücksicht gegenüber den Nachbarn geltenden „Zimmerlautstärke“ für Musik gilt nun Cockpitlautstärke – auch wenn die Boxen viel mehr hergeben würden.

SeaHelp Extratipp: Wer auf See mit seiner Motoryacht so richtig Vollgas gibt, sollte nicht zu dicht an deutlich langsameren Seglern vorbeirauschen. Keiner wird gerne von der gewaltigen Heckwelle eines PS-Boliden zur See im eigenen Cockpit geduscht.

Benimmregel No.8: Die richtigen Bootsschuhe

Derbe Treter mit dicker Profilsohle auf hellem Deck? Geht gar nicht! An Bord sind helle Sohlen angesagt, dabei müssen es allerdings längst nicht mehr die klassischen Docksides sein, modische Sneakers sind genauso erlaubt wie Gummistiefel mit heller, glatter Sohle. Das Highheels an Bord völlig fehl am Platze und unpraktikabel sind, erklärt sich schon beim ersten Schritt auf die Gangway von selbst. Größere Yachten haben oft neben der Gangway eine Tasche oder ein hübsches Körbchen, in das die Straßenschuhe beim Betreten der Yacht gelegt werden können.

SeaHelp Extratipp: Nie geht man ungebeten einfach so auf ein anderes Schiff. Und da Yachten keine Klingel haben, klopft man am besten mit den Fingerknöcheln auf das Deck oder an die Bordwand, um Skipper und Crew auf sich aufmerksam zu machen. Eigentlich versteht sich von selbst, dass man auch nicht ungefragt unter Deck geht und sich die Yacht in aller Ruhe ansieht. Würde man an Land, in einer privaten Wohnung, auch nicht machen. Die meisten Eigner freuen sich aber sehr, wenn Gäste sich nach einer Schiffsführung fragen und präsentieren stolz ihre Yacht.

Benimmregel No.9: Helfen statt lästern

Mit einem Drink in der Hand vom Cockpit aus Hafenkino vom Feinsten beobachten und entsprechend kommentieren? Kann man machen, ist aber weder freundlich, noch hilfsbereit. Eine sorgfältig aufgeschossene, hinübergeworfene Leine anzunehmen und zu belegen gehört genauso zum guten Ton auf dem Steg wie eine hilfsbereite Hand, wenn kleine Kinder oder ältere Mitsegler von Bord klettern müssen.

SeaHelp Extratipp: Das Cockpit der eigenen Yacht ist wie eine Visitenkarte für Skipper und Crew. Im Hafen präsentiert es sich aufgeräumt, alle Leinen sind ordentlich verstaut, die Handtücher sind weggehängt und liegen nicht als Knäuel auf dem Vorschiff, der Cockpittisch ist abgedeckt.

Benimmregel No.10: Verschwiegenheit

Was innerhalb der Reling besprochen und gebeichtet wird, bleibt innerhalb des Seezauns und wird nach Ankunft in den Hafen nicht weitergegeben. Das kann für vermasselte Manöver mit entsprechend Chaos-Potenzial genauso gelten, wie für bemitleidenswerte Opfer von Seekrankheit (die am Tresen vorher die größten Hochseehelden waren) sowie für intime Geständnisse.

Kurzum: Die Benimmregeln an Bord und im Hafen unterscheiden sich gar nicht wesentlich vom normalen, höflichen Umgang miteinander, wie wir ihn auch zu Hause oder an Land im Umgang mit anderen Menschen gewohnt sind. Bis auf ein paar Besonderheiten, auf die nicht nur spleenige Yachties Wert legen, sondern die in den Häfen weltweit zum guten Ton gehören. Wenn sich alle an die Regeln halten, steht einem erholsamen Urlaub in guter Atmosphäre nichts im Wege!

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