Barcolana 2022: Eine Stadt, die Bora und die größte Regatta der Welt.

Regatta Barcolana 54
Wenn über 1600 Boote über die Startlinie wollen: Start zur Barcolana 2022.© Archivio Barcolana/Studio Borlenghi

„Ebensowenig wie man den Palio in Siena verstehen kann, wenn man nur die eineinhalb Minuten des Rennens rund um die Piazza del Campo mitfiebert, kann man die Barcolana in Triest nachfühlen, wenn man die Regatta ausschließlich am 2. Oktoberwochenende verfolgt“, sagt Luigi Coretti, Vertriebsleiter der Darsena San Marco in Grado, wenn er auf die Barcolana blickt. Diese „Regatta der Wahnsinnigen“ wie eine deutsche Segelzeitschrift sie einst nannte, die größte Segelregatta der Welt, ist tatsächlich nur verständlich, wenn man Triest, die Triestiner und ihre Leidenschaft für das Meer zumindest ein wenig kennt.

Triest, das ist die Stadt der Bora und wie die Bora unberechenbar noch jedes Regattafeld zerzaust, das sich Mitte Oktober raus auf den 13 Seemeilen langen Kurs wagt, so ist auch die Stadt in diesen Tagen ein einziges hin und her zwischen den diversen Regattaveranstaltungen und Events. Denn die Barcolana ist mehr, soviel mehr, als nur eine Sonntagsveranstaltung im Oktober bei der ein paar Maxiyachten in etwa 60 Minuten alles unter sich ausmachen, während die Mehrzahl der kleinen Yachten teils den halben Tag für den Kurs benötigen.

1969 mit gerade einmal 51 teilnehmenden Booten gestartet und mittlerweile bei regelmäßig bis zu 2.500 sich an der Startlinie drängelnden Schiffen angewachsen, ist die Barcolana in Wahrheit ein 10-tägiges Spektakel des Segelns. Und wer nur am Sonntag zum Einlaufen der Yachten an den Molo Audace, die Stadtmole, kommt, die an die Piazza Unità d’Italia grenzt, der hat wenig erfasst, was die die Stadt dem Meer verdankt und warum das Segeln in der DNA jedes Triestiners zu liegen scheint.

Triest – wo der Segelsport groß geschrieben wird

Zwischen Muggia im äußersten Nordosten Friaul-Julisch Venetiens und Lignano Sabbiadoro am Fluss Tagliamento und der Grenze zum Veneto ist der Segelsport mit rund 7.000 Liegeplätzen zu Hause. Wo anderenorts in Italien geschätzt bis zu 70 Prozent Motorboote unterwegs sind, verhält es sich rund um Triest genau entgegengesetzt. Teilnehmen kann jeder und jede, der oder die in der Lage ist, die eigene Segel-Nussschale im Gewimmel über Wasser zu halten und über die Startlinie zwischen dem veranstaltenden Yachtclub Società Velica di Barcola e Grignano und dem leuchtend weißen Schloss Miramare zu ziehen.

 

Wendepunkt Regatta Barcolana 54
An den Wendemarken wird es besonders eng.© Archivio Barcolana/Studio Borlenghi

 

Segeln ist nicht alles bei der Barcolana

In den 10 Tagen der Barcolana reihen sich zudem Konferenzen wie der Sea Summit zu den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Lesungen, Kunstaustellungen, Gesprächsrunden und Verkostungen von Leckereien im Villaggio Barcolana aneinander. Selbst auf dem Mond wird „gesegelt“, wenn in der geschichtsträchtigen Badeanstalt La Lanterna Pedocin der Vollmond mittels eines großformatigen Projektors beobachtet werden kann. „Observe the Moon Night“ hieß diese weltweite Veranstaltung unter Regie der NASA. Das gesamte Rahmenprogramm findet man auf der Webseite der Barcolana.

Regatten für jeden Geschmack

Längst sind Einzelregatten ein fester Bestandteil der von Mini bis Maxi reichenden beteiligten Boote. Anders gesagt: Von der Regatta der Jüngsten, der „Barcolana Young“, einer Optimist-Regatta, bis hin zur „Barcolana Maxi“ für Boote mit einer Länge von 16 Metern ist für jeden etwas dabei. Als besonderes Highlight gilt die „Barcolana by Night“. Wenn die Nacht anbricht, leuchtet Triest und Ufo 28, Meteor und Melges 24 ringen im Herzen der Stadt vor der Piazza um den nassen Sieg. Nie ist Triest schöner als in diesen nächtlichen Momenten, wenn sich das Scheinwerferlicht auf dem Wasser und in den Fassaden der feinen Palazzi bricht, wenn vom Wind des Tages nur noch ein Hauch übrigblieb und die Rümpfe fast lautlos durch das Wasser gleiten.

Die „FIV Foil Academy“ vereint wiederum die unter 19-jährigen Foil-Spezialisten für Wasp, Skeeta und IQfoils. Dieser Science Fiction des Segelsports kontrastiert das schönste Schiff Italiens: Die Amerigo Vespucci verleiht dem Treiben in der Stadt und auf dem Wasser ihre ganz eigene Grandezza. Ruhig wie eine Insel liegt das italienische Segelschulschiff der Marine vor der bewegten Kulisse und bietet dem Auge einen Fixpunkt, zu dem es immer wieder zurückkehrt.

2022 siegt erstmals eine Frau bei der Barcolana

Und das Ergebnis? Zum ersten Mal in der nun 54-jährigen Geschichte der Barcolana gewann am 9. Oktober 2022 eine Frau die Regatta der Superlative. Wendy Schmidt auf DEEP BLUE ließ alle Konkurrenten fast kraftlos hinter sich und durchschnitt in atemlosen 57 Minuten und 47 Sekunden die Ziellinie. Was für eine Leistung bei bis zu 28 Knoten Bora, die manch ein Segel in bloßen Fetzen wehen ließ. Auch Wendy Schmidt hat mit diesem Sieg ihren Namen ins Kielwasser des Hafens geschrieben und wird hoffentlich so manche Bewunderin zur Nachahmung inspirieren.

 

 

Ein Herz für ROBY

Doch Triest, dieses Wien am Meer mit seinen Palästen, den Versicherungen, dem Kaffee und der unnachahmlichen Mischung aus vornehmer Gelassenheit und geschäftstüchtiger Umtriebigkeit wäre nicht die Stadt mit dem großen Herzen, wäre da nicht noch mehr… Aus all den teilnehmenden Booten sticht in diesem Jahr dieses eine ganz besonders hervor: Ein Ufo 28 namens BANDITO mit einem großen roten Herzen und dem Schriftzug ROBY auf dem Segel. Was es damit auf sich hatte? Es ist eine Verneigung vor Roberto Vencato, der zusammen mit Roberto Sponza 1974 Olympiateilnehmer der italienischen Segelequipe war und zahllose Regatten gewann.

 

 

Vier Olympiaden lang trainierte er den Nachwuchs des italienischen Segelkaders und gründete ein äußerst erfolgreiches Unternehmen, das die Siegersegel manch einer Yacht herstellte. Dem schwerkranken Roberto Vencato bei der härtesten Regatta seines Lebens ein Zeichen der Aufmunterung zu geben, war das Anliegen seines Freundes Roberto Sponza und der gesamten Crew der BANDITO sowie von zahllosen Unterstützern in den Social Media. Der Hashtag #forzaRoby trendete bei allen, die die Seele Triests verstanden haben. BANDITO gewann entsprechend die „Barcolana by Night“ und segelte sich anschließend auf Platz 62 unter den mehr als 1600 teilnehmenden Booten der Abschlussregatta.

Wie gesagt. Wer die Barcolana verstehen will, muss die Seele Triests verstehen. Wenn im nächsten Jahr in den 10 Tagen der Barcolana zum 55. Jubiläum ein weiterer Besucher- und Teilnehmerrekord erwartet wird, stehen die Zeichen wieder alle auf Los in dieser Stadt der Winde und der Barcolana.

So nimmt man 2023 an der Barcolana 55 teil

Einschreibung: Onlineregistrierung über www.barcolana.it und anschließende Abholung der Startnummer und des Geschenkpäckchens für den Skipper im Büro des Segelclubs Barcola (Società Velica di Barcola e Grignano), Viale Miramare 32, Triest, www.svbg.it

Teilnahmegebühr-Beispiel. 10 m: ca. € 110,–

Wohin mit dem Schiff? Wer selbst bei der Barcolana mitsegeln möchte, legt am besten in einer der Partnermarinas von FVG Marinas an. Zwischen Muggia im äußersten NO Friaul-Julisch Ventiens und Grado liegen 8 Marinas des Marinaverbands. Sie haben Platz für alle, die einmal im Leben an der Regatta teilnehmen wollen. Mehr Informationen zu den Marinas in und um Triest unter www.fvgmarinas.com

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