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Jamming und Spoofing: EASA warnt vor GPS-Ausfall, betroffen ist auch der Schiffsverkehr

Seit Februar 2022 kommt es vermehrt zu Störungen von Global Navigation-Satellitensystemen (GNSS), die EASA vermutet Jamming und Spoofing. Dieses Problem betrifft insbesondere die Gebiete rund um Konfliktregionen, außerdem sind aber auch das südliche und östliche Mittelmeer, das Schwarze Meer und die Ostsee betroffen sowie Teile der Arktis. Da die Störungen auch den Schiffsverkehr betreffen, sollten sich Yachtbesatzungen vor einem Törn in diese Gebiete entsprechend vorbereiten.

In einem Sicherheits-Informationsbulletin (Nr. 2022-02R2) von November 2023 informierte die European Union Aviation Safety Agency, kurz EASA, über einen Ausfall und Änderungen des globalen Navigations-Satellitensystems, was zu einer Beeinträchtigung der Navigation führen könne.

Darin heißt es: „seit Februar 2022 kommt es vermehrt zu Störungen und / oder Spoofing von Global Navigation Satellitensystemen (GNSS)“. GNSS steht als Oberbegriff für globale Satelliten-Navigationssysteme wie etwa das US-amerikanische GPS, das europäische Galileo, das russische GLONASS oder das chinesische Beidou.

Betroffen sind unter anderem das südliche und östliche Mittelmeer, das Schwarze Meer und die Ostsee

Dieses Problem betreffe insbesondere die geografischen Gebiete rund um Konfliktregionen, außerdem seien aber auch das südliche und östliche Mittelmeer, das Schwarze Meer und die Ostsee betroffen sowie Teile der Arktis.

Als Gründe für den Ausfall und Änderungen des globalen Navigations-Satellitensystems vermutet die EASA Jamming und Spoofing. Dafür würden neben der Inkohärenz in der Navigationsposition, z.B. bei GNSS / FMS-Positionswarnungen, einer beobachteten Zeitverschiebung und Problemen mit INS / IRS auch abnormale Unterschiede zwischen der Geschwindigkeit über Grund und der wahren Fluggeschwindigkeit sprechen.

Jamming definiert die EASA in dem genannten Dokument als „eine absichtliche Funkfrequenz-Interferenz (RFI) mit GNSS-Signalen“. Dieser Eingriff verhindere, dass Empfänger Satellitensignale empfangen könnten; das GNSS-System sei für Benutzer im blockierten Bereich unwirksam oder beeinträchtigt.

Beim Spoofing würden danach gefälschte Satellitensignale gesendet werden, um GNSS-Empfänger zu täuschen. In der Folge würden dann falsche Positions-, Navigations- und Zeitdaten (PNT) berechnet und angezeigt werden.

Auch der Schiffsverkehr ist von den rätselhaften GPS-Störungen betroffen

Um die identifizierten Probleme anzugehen, empfiehlt die EASA den Flugbetreibern, sicherzustellen, dass Flugbesatzungen und relevantes Flugbetriebspersonal sich möglicher GNSS-Störungen bewusst sein sollen, und dass bei Flügen in der Nähe der betroffenen Gebiete die Position des Flugzeugs mithilfe herkömmlicher Navigationshilfen überprüft werden solle. Gegebenenfalls solle das Flugpersonal darauf vorbereitet und in der Lage sein, den Flugkurs manuell anpassen zu können.

Wie der NDR am 30. Januar 2024 berichtete (Video, Aktuelle Meldung vom 04.02.2024 ), beträfen die von der EASA beschriebenen, rätselhaften GPS-Störungen auch den Schiffsverkehr. Aktuell würden großflächige Störungen vom Baltikum bis ins östliche Mecklenburg-Vorpommern auftreten. Die Hintergründe seien noch weitgehend unklar. Wissenschaftler würden an Gegenmaßnahmen arbeiten.

Als eines von mehreren Beispielen nennen Martin Möller und Henning Strüber in dem NDR-Bericht den plötzlichen Ausfall des GPS auf der dänischen Katamaran-Fähre Express 4 im Oktober 2022. Durch den Absturz des Signals sei die Fähre plötzlich schwer steuerbar gewesen; Kollisionen oder Grundberührungen hätten gedroht.

Beim Verlust des GPS-Signals auf Schiffen tippen die Behörden auf sogenanntes GPS-Jamming

Später habe sich herausgestellt, dass am Nachmittag desselben Tages mindestens sechs Schiffe in einem Umkreis von rund 30 Kilometern ebenfalls ihr GPS-Signal verloren hätten. Die Behörden vermuten sogenanntes GPS-Jamming als Ursache.

Wie der NDR in seinem Beitrag weiter berichtet, sei der GPS-Ausfall im Großen Belt nicht der einzige Vorfall dieser Art im Ostseeraum gewesen. Im März 2023 habe eine weitere Fähre einen GPS-Ausfall beim Einlaufen in den Hafen von Rønne auf Bornholm gemeldet.

Auch am 10. Januar habe es laut gpsjam.org GPS-Störungen gegeben, die große Teile Polens betroffen haben und bis nach Mecklenburg-Vorpommern hineingereicht haben sollen. Seit Mitte Dezember gebe es zudem „Anzeichen für eine neue größere Stör-Aktion, die auch bis nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg hineinreicht“.

Die derzeitigen Störungen sollen dem Bericht zufolge verstärkt Mitte Dezember aufgetreten sein, würden sich „nahezu über die gesamte südöstliche Ostsee zwischen Südschweden, dem Baltikum sowie Polen“ erstrecken und würden „im Westen bis zur Insel Rügen“ reichen. Der sogenannte Baltic Jammer sende an verschiedenen Tagen unterschiedlich stark und in wechselnden Bereichen.

Als mögliche Gründe werden Militär-Aktionen diskutiert, Beweise dafür liegen derzeit nicht vor

Wie der NDR weiter berichtet, vermuteten Ermittler des schwedischen Militärgeheimdienstes MUST hinter dem GPS-Jamming eine „russische hybride Kriegsführung“. Zu einer ähnlichen Einschätzung sei der Militär-Aanalyst Anders Puck Nielsen von der Dänischen Verteidigungsakademie gekommen. Neben Russland würden in polnischen Medien aber auch Übungen der NATO im Ostseeraum als möglicher Ursprung genannt.

Falls Sportskipper in der kommenden Saison einen Törn in den betroffenen Seegebieten planen, sollte mit Störungen der globalen Satelliten-Navigationssysteme gerechnet werden. Analog zu den Empfehlungen der EASA für den Flugbetrieb sollte die Navigation auf Yachten in diesen Bereichen nicht ausschließlich auf GPS-basierten Systemen beruhen.

Sportskipper sollten sich auf die Situation einstellen und auch traditionell navigieren können

Der Skipper sollte in jedem Fall sicherstellen, dass aktuelle (!) Papier-Seekarten und ein traditionelles Navigationsbesteck an Bord sind, außerdem ist es empfehlenswert, Kompass, Peilkompass, Fernglas und wenn vorhanden, einen Sextanten mitzuführen.

 

Jamming und Spoofing: EASA warnt vor GPS-Ausfall. Sicherheit durch aktuelle Papier-Seekarten.
© Janelle | Adobe Stock

 

Außerdem sollte auf eine genaue Törnplanung geachtet und unter Umständen kürzere Etmale auf sicheren Routen gefahren werden. Die Crew sollte darauf vorbereitet sein, GPS-Ausfälle rechtzeitig erkennen und jederzeit auf alternative Navigationsmethoden umschalten zu können.

 

 

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