Vor Saisonbeginn lohnt sich bei der Segelgarderobe und dem gesamten Rigg eine gründliche Inspektion. Viele Schäden entstehen schleichend im Winterlager, durch falsche Lagerung, Feuchtigkeit, Schmutz oder Salzkristalle.
Um sicher zu gehen, dass die Segelgarderobe nach der Winterpause zum Ansegeln wieder einsatzbereit ist, sollte man einiges beachten. SeaHelp hat sieben Tipps für die richtige Segelpflege nach dem Winter zusammengestellt.
1. Segel gründlich ausbreiten und prüfen
Nach der Winterpause sollte sich der Eigner die Mühe machen, Großsegel, Genua/Fock, Spinnaker oder Gennaker einmal komplett auszubreiten. Kontrolliert werden sollte das Tuch dann auf Scheuerstellen, UV-Schäden, Ausdünnung und kleine Risse, die Nähte sollten inspiziert wegen auf lose oder spröde Fäden, und man sollte nachschauen, ob die Verstärkungen an den „Ecken“ (Kopf, Hals, Schothorn) bzw. an den Reffpunkten noch in einem ordentlichen Zustand sind.
Außerdem sollte man den Zustand der Segellatten (Brüche, Delamination?), Lattentaschen und der Mastrutscher kontrollieren. Funktionieren die Liekstrecker noch? Stimmen die Segelnummern (wichtig beim Kauf gebrauchter Segel)? Auch den UV-Schutzstreifen an den Rollsegeln sollte man Aufmerksamkeit widmen – diese werden oft zuerst spröde. Und generell sollte man die Tuche auf Schimmel, Stockflecken und Salzrückstände überprüfen, die unbedingt vor dem Einsatz entfernt werden sollten.
Besonders kritisch sind die bekannten (oder unbekannten) Scheuerstellen an Salingen (Großsegel bei Vorwind-kursen („platt vor dem Laken“), Wanten, Splinten, Relingsstützen, Decksbeschlägen und Luken. Kleinere Schäden sollten sofort repariert werden, bevor sie größer werden, bei komplizierteren Schäden sollte man das dem Segelmacher seiner Wahl überlassen.

2. Fallen, Schoten und Leinen kontrollieren
Auch das laufende Gut sollte man kontrollieren: Gibt es aufgescheuerte Mantelbereiche, harte, steife oder verfärbte Stellen, Brüche im Kern, Quetschungen an Umlenkpunkten oder Ausfransungen an Enden und Spleißen? Weitere kritische Punkte ist der Zustand von Schäkelverbindungen und Kauschen. Leinen, die an Blöcken, Stoppern oder Winschen regelmäßig scheuern, verschleißen oft innen stärker als außen sichtbar ist. Ist man sich hier unsicher, sollte man hier lieber frühzeitig einen Austausch in Erwägung ziehen.
3. Stehendes Gut und Mast inspizieren
Auch ein Blick auf das „stehende Gut“ wie Mast, Baum, Wanten, Stagen, Spanner und Terminals besonders lohnt. Hier sollte man sein Augenmerk auf gebrochene Litzen an Drahtseilen richten, auf Rostspuren an Presshülsen und Terminals, verbogene (oder nicht mehr vorhandene) Splinte oder Schäkel sowie auf Korrosion an Mastbeschlägen. Haben Bolzen, Wantenspanner oder Beschlägen ein über das normale Maß hinausgehendes Spiel? Sind Haarrisse an Mastfuß, Salingen und Beschlägen auszumachen? Kontrolliert werden sollte schließlich auch der Zustand von Masnut, Segelschienen und Rollanlagen.
Achtung: auch Drahtseile können oft unsichtbar von innen altern; gerade älteres stehendes Gut sollte kritisch betrachtet werden; eine Fastformel besagt, dass man es nach etwa 10–15 Jahren vorsorglich austauschen sollte.
4. Rollen, Blöcke, Winschen und Furler warten
Vor Saisonbeginn sollte man außerdem alle Blöcke und Rollen auf Leichtgängigkeit prüfen, die Lager ggf. reinigen und (sparsam) schmieren. Wer will, zerlegt seine Winschen, reinigt diese und fettet sie neu ein. Schmutz, Salz und altes (verhärtetes) Fett führen oft zu schwergängigen Winschen oder blockierten Rollanlagen. Auch die Rollreffanlagen sollte man dementsprechend auf Leichtlauf prüfen.
Schließlich sind da auch noch Schienen, Traveller und Schlitten, die bei Bedarf gereingt werden sollten – dabei bemerkt man auch gleich, wenn sich irgendwo eine Schraube gelöst haben sollte, oder es Anzeichen von Korrosion gibt.
5. Segel richtig reinigen und lagern
Generell sollten Segel sollten immer trocken, sauber und locker gelagert werden, Gibt es dennoch Verschmutzungen, gilt: Salz mit Süßwasser abspülen, bei der Reinigung keine aggressiv Mittel verwenden. Vor dem „Verpacken“ sollte man darauf achten, dass die Segel vollständig trocken sind. Feuchte Lagerung fördert Stockflecken, Schimmel und Materialermüdung.
Außerdem ist es für die Segel von Vorteil, wenn sie auch kühl und UV-geschützt lagern, und wenn sie nicht über längere Zeit fest gefaltet lagern. Für Laminatsegel und hochwertiges Tuch ganz allgemein) gilt: diese sollte man rollen statt falten.
6. Wann sollte man Segel erneuern?
Ein Austausch erscheint immer dann sinnvoll, wenn die Segel stark ausgeblichen oder spröde sind, wenn sie nicht mehr sauber stehen, wenn immer häufiger Reparaturen nötig werden bzw. die Nähte großflächig nachgeben oder sich die UV-Streifen auflösen. Auch wenn das Tuch „weich“ oder „labberig“ wird bzw. wenn es wellig wird, ist das ein deutliches Zeichen für einen anstehenden Wechsel.
Fahrtensegler halten oft 8–15 Jahre, je nach Nutzung, UV-Belastung und Pflege. Regattasegler ersetzen deutlich früher. Manche tauschen bereits nach wenigen Jahren, wenn es auf die perfekte Form ankommt, wenn man „ganz vorne mitsegeln will“, wird auch schon mal jedes Jahr eine neue Segelgarderobe angeschafft (hier können ambitionierte Freizeitsegler bei Klassenbooten oft ein „Schnäppchen“ für gute, gebrauchte Segel zu einem fairen Preis machen).
7. Sinnvolle Zusatzmaßnahmen vor Saisonbeginn
Immer gut beraten ist, wer Ersatzschäkel, Splinte, Blöcke und Leinen an Bord bereithält, wer auch die Wantenspanner ab und zu reinigt und neu fettet, und wer regelmäßig vor Saisonbeginn den korrekten Mast- und Riggtrimm überprüft. Auch Persenninge und die Sprayhood brauchen Pflege und sollten auf Zustand, Nähte und Leichtgängigkeit der Reißverschlüsse überprüft werden (ggf. ist der UV-Schutz für Persenninge & Co. Zu erneuern).
Abschließend die Empfehlung, alle paar Jahre eine eine professionelle Segel- und Rigginspektion einzuplanen; besonders vor längeren Törns oder wenn die Yacht älter ist, lohnt sich zudem beizeiten ein Besuch beim Segelmacher oder Rigger.











