Windhosen auf dem Wasser sind zwar ein seltenes Wetterphänomen, dennoch können Skipper, die mit ihren Yachten in Europa unterwegs sind, damit konfrontiert werden.
„Spektakuläre Windhose und erster Schnee des Jahres: Wintereinbruch auf Mallorca“, meldet die Mallorcazeitung am 21. November; es seien bis zu drei Zentimeter Schnee gefallen, zudem sei es zu einem „eindrucksvollen Cap de Fibló“ (einer Windhose) über dem Meer gekommen, der unter anderem von Sóller und Deià aus zu sehen gewesen sei. (Facebook-Video)
Erst im August hatte sich auch auf der Ostsee ein seltenes Wetterphänomen ereignet: vor Hiddensee habe sich eine „beeindruckende Wasserhose“ gebildet, berichtete der NDR; das Schauspiel sei zwar nur von kurzer Dauer, aber weithin zu sehen gewesen. Die Windhose habe sich auf dem Schaproder Bodden (Landkreis Vorpommern-Rügen) gebildet und habe Wasser aufgewirbelt. (Video auf Facebook)
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Eine Windhose — über Wasser oft als Wasserhose oder im Englischen waterspout bezeichnet — ist ein wirbelnder Luft- bzw. Luft- / Wasserkolben, der von einer Gewitter- oder Kumuluswolke bis zur Wasseroberfläche reicht. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Haupttypen: nicht-tornadische Wasserhosen („fair-weather waterspouts“) entstehen oft über relativ ruhigem Wasser, mit geringer vertikaler Windscherung, im Rahmen kleiner Konvektion meist ohne starke Superzellen. Tornadische Wasserhosen ähneln dagegen eher klassischen Tornados, sind weit gefährlicher und treten oft im Rahmen starker Gewitter bzw. Superzellen auf.
Voraussetzung für das Entstehen einer Wasserhose ist warme / feuchte Luft über dem Wasser
Wichtige Voraussetzung für das Entstehen einer Wasserhose ist warme / feuchte Luft über dem Wasser; ein Aufsteigen von Luft (Konvektion) ist so möglich. Eine Instabilität (z. B. kältere Luft darüber, wärmeres Wasser darunter) und evtl. divergierende oder konvergierende Winde in Boden- bzw. Wassernähe bzw. Windscherung ist ebenfalls ein denkbares Szenario, damit sich eine Rotation aufbauen kann. Der so entstehende Wirbel entwickelt sich dann unter einer Wolkenbasis (oft Kumulus oder Kumulonimbus) und reicht oft bis zur Wasseroberfläche, wo er sich länger als and Land halten kann, da auf dem Wasser die Reibung geringer ist.
Wichtig: Wasserhosen gibt es nicht nur in tropischen Regionen; sie treten auch in Europa auf. Dokumentiert sind für das europäische Gebiet jährlich etwa 160 Wasserhosen, z.B. in den Niederlanden, Spanien, Italien, Großbritannien. Auch für Nord- und Ostsee gibt es Untersuchungen: so gibt es in der Region um Helgoland ca. ein Ereignis pro Jahr, gemessen pro 10.000 Quadratkilometern Fläche. Im Mittelmeerraum – z. B. vor den Küsten Italiens / Siziliens – wird ausgeführt, dass Wasserhosen insbesondere gegen Ende des Sommers bzw. zum Beginn des Herbstes häufiger sind (warme Wasseroberfläche + Gewitterneigung).
Zuletzt wurden – über die o.g. Ereignisse hinaus – in Europa Wasserhosen etwa am 12. März 2025 Wasserhosen (Trombe marina) vor der Küste von Biscarrosse (Landes, Frankreich) beobachtet, am 1. August 2021 wurden gleich mehrere Tornados bzw. Wasserhosen bei Istrien / Kroatien beobachtet (SeaHelp berichtete an dieser Stelle). Darüber hinaus dukumentierte eine Studie im Jahr 2002 Wasserhosen auch im Adriatischen / Ionischen / Aegäischen Meer, und zwar im Zeitraum von Juli bis November.
Wenn man als Skipper mit dem Boot unterwegs ist, können ein dunkler Fleck oder Ring auf der Wasseroberfläche oder spiralförmige Muster in / auf dem Wasser als Warnhinweise dienen, darüber hinaus eine sich gerade entwickelnde Trichter- oder Schlauchwolke zwischen Wasseroberfläche und Wolkenbasis. Plötzliche Wind- und Druckänderungen, auffällige Wellenmuster oder Wetterlage mit leichterem Wind über warmem Wasser + konvergierenden Winden können ebenfalls als Warnzeichen dienen.
Auf See sollten Skipper sofort den Kurs ändern und Abstand gewinnen
In diesem Fall sollten Skipper sofort den Kurs ändern und Abstand gewinnen. Zieht die Wasserhose eine relativ gerade Bahn (was selten geschehen wird und unsicher vorherzusagen ist), entfernt man sich am besten im rechten Winkel zur Bewegungsrichtung der Wasserhose – soweit die Theorie.
Der praktische Rat eines SeaHelp-Mitgliedes aus Pöllauberg / Österreich, der nach eigenen Angaben bereits zweimal einer Wasserhose „auf kurze Distanz“ ausweichen konnte, hat gute Erfahrungen damit gemacht, dorthin zu steuern, „wo klarer Himmel ohne Wolken ist“ und „unter Segeln und Maschine sofort die Flucht anzutreten“.
Hat man keine Chance mehr, auszuweichen, sollte man – wenn man dazu noch Gelegenheit hat – vorher versuchen, die Angriffsfläche für Wind und den Wirbel selbst zu reduzieren, indem man die Segel herunternimmt und festlascht bzw. zumindest refft. Außerdem sollte der Motor bereitgemacht werden, um die Yacht manövrierfähig halten zu können. Lose Gegenstände sollten an Deck gesichert werden und Luken sollten geschlossen werden.
Auf keinen Fall sollte man versuchen, die Wasserhose „auszukundschaften“ oder nah heranzufahren – diese Verhaltensweise stellt ein vermeidbares Risiko dar. Sollte die Situation es erfordern, sollten, wenn möglich, auch Hafenbehörde oder Küstenfunk über die Lage informiert werden.
Beachten: Auch wenn viele Wasserhosen nur mäßig stark sind, kann der Windstoß oder die mitgeführte Gischt bzw. herabfallende Trümmer- / Wassermengen an Deck trotzdem schnell zu kritischen Situationen führen.
Wo ist die Yacht sicherer – im Hafen oder auf offener See?
In diesem Zusammenhang wird oft gefragt, wo die Yacht in einer solchen Situation sicherer ist – im Hafen oder auf freiem Wasser? Die Beantwortung dieser Frage hängt stark vom jeweiligen Kontext ab. Ein Hafen hat den Vorteil, dass das Boot hier einen stabilen Liegeplatz hat, es ist festgemacht, Bewegungen und Ruderausschlag sind limitiert. Im Hafen gibt es oft auch einen besseren Schutz vor großflächigen Wind- und Wellenereignissen, zumindest im direkten Vergleich zur offenen See. Auch der Zugang zu Hilfskräften und Ausrüstung ist hier einfacher.
In unmittelbarer Nähe von Hafenanlagen kann jedoch das Risiko bestehen, durch treibende Trümmer, andere Yachten oder bewegliche Teile verletzt zu werden. Wenn der Hafen schlecht geschützt ist (z. B. wenn es keine kein Wellenbrecher gibt), kann eine Wasserhose auch nahe einem Hafen großen Schaden anrichten. Und: im Hafen ist man evtl. weniger mobil – ein je nach Situation u.U. sinnvolles Ausweichen ist schwieriger.
Auf freiem Wasser hat man mit dem Boot dagegen eine bessere Manövrierbarkeit, und man hat den nötigen Raum, um ggf. rechtzeitig ausweichen zu können. Zudem droht draußen auf See auch keine unmittelbare Gefahr durch Hafenanlagen oder ein zu enges Umfeld. Auf dem freien Wasser haben Skipper und Crew zudem die Möglichkeit, aktiv auf das Wettergeschehen reagieren zu können (Kurs ändern, weg vom Geschehen fahren).
Ein offenes Umfeld bedeutet jedoch zumeist auch eine größere Angriffsfläche für Wind und Wellen. Wenn man mit seinem Boot in den Wirkbereich einer Wasserhose gerät, ist man allein auf sich gestellt, und ein „Rückzug“ kann schwierig sein; wird man im „falschen Moment“ erwischt, kann die Situation schnell gefährlich werden (Mastbruch bis hin zur Kenterung).
Fazit: als generelle Faustregel kann gelten: wenn das Boot bereits sicher im Hafen liegt, und die Wetterlage (z. B. angekündigte Gewitterlage mit Möglichkeit für Wasserhosen) dafür spricht, dann kann der Hafen in vielen Fällen die sicherere Wahl sein.
Wenn man sich jedoch mit seinem Boot / der Yacht bereits auf See befindet, und eine Wasserhose aktiv auftritt bzw. droht, aufzutreten, ist das offene Gewässer mit genügend Raum zum Ausweichen oft die bessere Option als zu versuchen, unter Zeitdruck in einen (ggf. schlecht geschützten) Hafen einzulaufen.
Entscheidend sind in jedem Fall vorausschauendes Handeln, eine Beobachtung der Wetterlage und eine möglichst realistische Einschätzung der Schutzmöglichkeiten im Hafen bzw. die Manövrierfähigkeit auf See.










