Seit zwei Jahren sind die klassischen Saildrones vom Typ Voyager – bis zu 10 Meter lange, autonom fahrende und unbemannte Segelboote – auf den Meeren dieser Welt unterwegs. Nun stellte das US-Unternehmen Saildrone ihr neuestes Produkt vor: die bis zu 52 Meter lange und 250 Tonnen schwere Spectre, wie ihre kleine Schwester ein „autonom navigierendes Roboterschiff“ unter Segeln bzw. neuerdings auch ausschließlich unter Motor. SeaHelp erklärt, worauf man als Freizeitskipper achten sollte, wenn man zufällig den Kurs einer solchen Saildrone kreuzen sollte.
Seit 2024 durchpflügen die sogenannten Saildrones vom Typ Voyager die Meere dieser Welt auf der Suche nach Daten. Eigentlich handelt es sich bei den kleinen Schiffen nicht um Segelboote im klassischen Sinn, sondern um „autonom navigierende Roboterschiffe“ unter Segeln – auf diese Feststellung legt der US-amerikanische Hersteller wert.
Alle Saildrones haben jedoch eines gemeinsam: Menschen sind bei diesen Vehikeln nicht an Bord. Das kann Probleme mit sich bringen, denn wo keine Menschen an Bord eines Schiffes sind, verhalten sie sich auch nicht immer wie „normale“, von Menschen gesteuerte Schiffe.
Zunächst einmal: Die kleinen, „klassischen“ Saildrones haben eine Länge von ca. 10 Metern und bewegen sich etwa 5 kn (9,3 km/h) schnell auf dem Meer fort – angetrieben nur von dem Wind und unterstützt von einem kleinen E-Motor, der eine technische Autonomie von ca. 100 Tagen gewährleisten können soll. Gesteuert werden die Boote über Satellit von einem Platz aus, der theoretisch überall auf der Welt sein kann. Kombiniert wird das Ganze mit KI.
Bisher waren die Saildrones 10 Meter lang, sollten Umweltdaten sammeln und waren unbewaffnet
Diese kleinen Roboterschiffe sind mit Radar, AIS sowie Kamera / IR ausgestattet und sollen nach Unternehmensangaben der Messung von bestimmten Werten der Umwelt dienen. Wichtig zu wissen: Diese Versionen sollen „überwiegend“ unbewaffnet- und bereits weltweit im Einsatz sein.
Konkret „segeln“ diese Modelle – ausgerüstet mit jeweils einem starren Wing Sail (Segel, das wie eine Flugzeug-Tragfläche funktioniert) – seit 2024 flächendeckend auf dem Pazifik, wo sie nach Unternehmensangaben im Auftrag der US Navy zu Forschungszwecken eingesetzt werden. Auch in der Karibik – hier zur Überwachung der Migration und von speziellen Schiffen verwendet – und in der Arktis / Antarktis sind die kleinen 10 Meter-Boote bereits seit zwei Jahren unterwegs.
Doch auch heimische Skipper könnten unversehens mit den Hightech-Booten in Kontakt kommen, denn auch auf der Nord- und der Ostsee werden sie inzwischen eingesetzt, zum Beispiel bei Nato-Tests. Konkret waren etwa 2025 gleich mehrere Saildrones im Baltikum bzw. der Ostsee unterwegs.

Das neue Modell Spectre ist 50-52 m lang und soll ganz klar für militärische Zwecke genutzt werden
Doch im Vergleich zu dem jetzt aktuell vorgestellten Modell mit dem Namen Spectre wirken die bisherigen Voyager-Boote nahezu wie Spielzeug. Entwickelte die US-Firma für autonome, unbemannte Oberflächenfahrzeuge (USV) Saildrone bisher selbstfahrende Boote nur bis zu einer Länge von max. 10 Metern „für die Ozeanforschung und zur Erlangung von Wetterdaten“, soll Spectre nun erstmals ganz klar militärisch ausgelegt sein.
Im Klartext: Diese Schiffe sollen U-Boote jagen können, der Langstreckenüberwachung bestimmter Meeresgebiete dienen und Waffensysteme (Raketen etc.) tragen können.
Und: im Gegensatz zu den Voyager-Modellen sind die Spectre-Schiffe der neuen, 2026 vorgestellten Version mehr als fünfmal so lang: Konkret wird ihre Länge (etwa von heise online) mit „50-52 Metern“ angegeben, das Gewicht soll „etwa 250 Tonnen“ betragen, und sie sollen „bis zu 30 kn“ (55,5 km/h) schnell unterwegs sein können.
Die neue Saildrone Spectre soll knapp 15.000 Kilometer weit autonom fahren können
Die Reichweite der neuen USV`s soll bei schneller Fahrt sagenhafte 3.000 Seemeilen betragen (also mehr als 5.550 Kilometer), fährt die Saildrone langsam, sollen es sogar bis zu 8.000 Seemeilen sein (mehr als 14.800 Kilometer). Die Nutzlast soll ca. 25 t betragen, berichtet etwa heise online weiter.
Für die U-Boot-Jagd könnten die Boote mit Sonar ausgestattet werden, und wie ihre kleinere Version Voyager auch, sollen sie Radar und ISR tragen können und sollen sogar als Start-Plattform für Raketen wie die Mk70 bzw. JAGM genutzt werden können, berichtet etwa The War Zone.
Soviel steht fest: Zwei Varianten sollen bald schon testweise aufs Wasser geschickt werden: Die Spectre „Silent Endurance“ ist mit einem Segel bzw. Wing Sail ausgestattet, während das Modell „Stealth Strike“ ausschließlich motorisiert fahren können soll – und deshalb auch schneller sein soll als ihre segelnde Schwester.
Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich: ein plötzliches Zusammentreffen von Freizeitbooten und Saildrones auf See
Auch wenn es äußerst unwahrscheinlich ist, dass man als Freizeitskipper einer Saildrone auf See begegnet – ganz ausgeschlossen ist es nicht. Deshalb sollte man – zumindest in Gedanken – dieses Szenario einmal in Ruhe überdenken und mit seiner Crew besprechen. Die wichtigste Regel bei der Begegnung auf See lautet dabei: Behandle sie wie ein manövrierbehindertes Fahrzeug, denn sie fahren autonom und „reagieren“ nicht wie ein Mensch.
Doch zunächst einmal stellt sich die Frage: Wie erkennt man überhaupt eine Saildrone auf See? Erkennungsmerkmale können sein: hoher starrer Flügel (etwa wie ein senkrecht stehender Flugzeugflügel), es gibt kein Crewdeck, und sie sind entweder sehr klein (10 m / Voyager) oder sehr groß (50-52 m / Spectre). Außerdem sollen die selbst navigierenden Schiffe ein AIS-Signal aussenden, welches man bei der Annäherung problemlos empfangen können soll.
Im AIS erscheinen Saildrones dann meist als normales AIS-Ziel, nicht als „Drohnen-Sondersymbol“. Typische Hinweise könnten etwa sein: Name: z. B. SAILDRONE, SAILDRONE VOYAGER, ggf. mit einer Nummer kombiniert, Typ: oft Unspecified / Other / Special Craft / Sailing vessel (je nach AIS-Konfiguration).
Die Geschwindigkeit ist (zumindest bei den Voyager-Modellen) zumeist langsam, schreibt Saildrone, das bedeute „bis etwa 5 kn“ / 9,3 km/h. Es sei davon auszugehen, dass die Saildrone (Voyager) neben AIS auch Radar, Kameras und „maritime Überwachungssensorik“ nutze, so der Hersteller weiter.
„Worst Case“-Beispielsfall:
Angenommen, eine Freizeitcrew segelt mit 6 kn Speed (ca. 11 km/h) und sieht sich plötzlich auf einem Kollisionskurs mit einer Saildrone, die sich ihrerseits mit 4–5 kn (7,4 – 9,3 km/h) Geschwindigkeit von Steuerbord voraus nähert, der Ort des theoretischen Zusammentreffens fällt unter 0,5 sm, also einen knappen Kilometer, und das Ereignis wird in 10–20 Minuten erwartet. Wie verhält man sich als Skipper in dieser Situation korrekt?
Schritt 1: Nicht auf „Vorfahrt“ bestehen.
Auch wenn die COLREGs (Abkürzung für „International Regulations for Preventing Collisions at Sea“ – auf Deutsch: Internationale Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen auf See, die weltweit für Schiffe gelten, festgelegt von der International Maritime Organization (IMO) formal gelten – autonome Schiffe werfen in dieser Situation ganz praktische, noch nicht umfassend beantwortete Auslegungsfragen auf: Wo verlaufen die Grenzen zwischen COLREGs und der vollautonomen Navigation“?
Schritt 2: CPA/TCPA ernst nehmen.
Bei einem unbemannten Ziel sollte man generell konservativer fahren als bei der Begegnung mit einem Fischerboot oder einem anderen Segler, das gilt auch für eine Begegnung mit den USV`s. Unter 0,5 sm CPA sollte man dementsprechend aktiv ausweichen, unter 0,2 sm CPA: sofort deutlich handeln (CPA – Closest Point of Approach / geringster Abstand zweier Schiffe – Beschreibt, wie nah sich zwei Fahrzeuge maximal kommen werden, wenn sie ihren aktuellen Kurs und ihre Geschwindigkeit beibehalten; TCPA – Time to Closest Point of Approach / Zeit bis zum CPA – Gibt an, wann dieser minimale Abstand erreicht wird).
Schritt 3: Früh und eindeutig manövrieren.
Heißt: Nicht nur ein paar Grad „herumeiern“. Besser: Kursänderung 20–40°, oder Fahrt deutlich reduzieren, danach prüfen, ob der CPA wieder klar steigt.
Schritt 4: UKW versuchen, aber nicht darauf verlassen.
Auf Kanal 16 oder dem lokalen Verkehrskanal kann man etwa rufen: „Unmanned vessel / Saildrone (Name falls AIS), this is sailing yacht …“. Aber: Trotzdem die Saidrones stets (fern-) gesteuert und -kontrolliert werden sollten, ist es nicht garantiert, dass jemand antwortet.
Schritt 5: Abstand halten.
Praktisch empfehlenswert: mindestens 0,5 sm Abstand, besser 1 sm (wenn Platz ist); niemals dicht hinter dem Heck oder direkt vor dem Bug kreuzen; nachts oder bei Seegang sollte der Abstand entsprechend vergrößert werden.
Gefährlich sei dabei „nicht das Kreuzen an sich, sondern knappes Kreuzen mit der Annahme, dass die Drohne wie ein Mensch reagiert“, schreibt Saildrone. Gut beraten sei, wer eine Saildrone behandle „wie ein schwer berechenbares, langsames Arbeitsfahrzeug: früh, klar, großzügig ausweichen“.













