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Tradition trifft Moderne: Die perfekte Bootstaufe: Ablauf, Mythen & Tipps für Eigner

Die Bootstaufe – Tradition und Moderne
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Die Bootstaufe gehört zu den ältesten und bedeutungsvollsten Ritualen der Seefahrt. Sie vereint Aberglauben, maritime Traditionen und einen symbolischen Neuanfang – eine Zeremonie, die sowohl im historischen Kontext als auch in der modernen Freizeitschifffahrt ihren festen Platz hat. Was sollte man wissen, und was ist bei einer Taufzeremonie zu beachten?

Anfang der Saison legten wir uns ein „neues“ (gebrauchtes) Segelboot zu. Da kam schnell die Frage auf: sollte man auch bei einem gebrauchten Boot, bei dem lediglich der Eigner wechselt, eine Bootstaufe machen? Oder ist das eigentlich doch nur folkloristischer Schnickschnack?

Schon seit Jahrtausenden ist es üblich, einem neuen oder umbenannten Schiff einen Namen zu geben und es offiziell „in die See zu entlassen“ – begleitet von Segenswünschen, Riten und manchmal auch einem kräftigen Schluck.

Die Ursprünge der Bootstaufe reichen weit zurück bis in die Antike

Die Ursprünge der Bootstaufe reichen weit zurück bis in die Antike. Bereits bei den Ägyptern, Griechen und Römern wurden Schiffe rituell gesegnet – damals allerdings oft durch das Opfern von Tieren oder gar Menschen. Diese brutalen Praktiken wichen in späteren Jahrhunderten symbolischeren Formen, etwa dem Besprengen des Bugs mit Wein, Weihwasser oder sogar Blut.

In der christlichen Seefahrt übernahmen Priester die Segnung, wobei der Name des Schiffes laut ausgesprochen und göttlicher Schutz für Schiff und Besatzung erbeten wurde.

Im Laufe der Zeit wurde aus diesem Ritus ein weltlicher Brauch: das Zerbrechen einer Champagnerflasche am Bug des Schiffes. Die Flasche steht dabei symbolisch für ein Opfer an die See – das Ritual soll Poseidon (oder Neptun) – im deutschsprachigen Raum vor allem „Rasmus“ (nach dem heiligen Erasmus, Patron der Seefahrer) gnädig stimmen und das Schiff vor Unglücken schützen.

Auch heute noch werden Sportboote von ihren neuen Eigentümern getauft, heute steht allerdings nicht mehr der Aberglaube im Vordergrund

Auch heute noch werden Boote, insbesondere Yachten und Segelboote, von ihren neuen Eignern getauft. Selbst bei kleinen Sportbooten wird häufig eine Taufe mit Freunden im Hafen oder am Steg veranstaltet. Dabei steht allerdings heute nicht mehr der Aberglaube im Vordergrund, sondern das Gemeinschaftserlebnis und der symbolische gemeinsame Akt des Neuanfangs.

Bei Werften oder Charterfirmen ist es zudem üblich, neue Schiffe vor der Auslieferung an Kunden mit einem kleinen Ritus zu segnen oder zu „taufen“.

Diese Gründe hatten uns überzeugt: wir luden Freunde und Vereinskameraden unseres Clubs ein und stießen gemeinsam mit ihnen im Rahmen einer kleinen Zeremonie am Steg auf unser – über die Toppen geflaggtes – Boot an und verkündeten dabei auch gleich den neuen Namen.

 

Bootstaufe – Feier mit Freunden
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Praktischer Nebeneffekt: somit können nun alle Clubmitglieder mit unserem Bootsnamen etwas anfangen, auch können wir als die neuen Eigner nun dem Boot – oder umgekehrt – zugeordnet werden. Bei einem Getränk und einem Snack konnten auch gleich Erfahrungen ausgetauscht und Tipps gegeben werden. Mehrere Clubmitglieder boten sich zudem an, bei Touren oder Regatten zukünftig mitsegeln zu wollen.

Eine „klassische“ Bootstaufe folgt einem meist ähnlichen Ablauf

So wird´s gemacht: Versammlung von Familie und Freunden oder – bei größeren Schiffen – auch Einladung von Presse und „Prominenz“. Der zukünftige Schiffsname wird feierlich bekanntgegeben. Oft spricht der neue Eigner bzw. der Taufpate / die Taufpatin einen kurzen Text, in dem er oder sie Schutz, Glück und sichere Fahrt wünscht. Bei uns gab es den klassischen Spruch: „Rasmus altes Rübenschwein, gib uns stets fairen Wind und lass immer die Sonne schein` – und lass uns immer erster sein“.

Das traditionelle Zerschlagen der Champagnerflasche an unserem fragilen Bootsrumpf ersparten wir dem Schiff lieber, stattdessen, gab es einen Schluck auf den Bug. Sollte man allerdings eine – mit einem Band befestigte – Flasche Champagner am Bug des Bootes zerschlagen wollen, so sollte sichergestellt sein, dass diese tatsächlich auch zerbricht, denn das gilt allgmein als gutes Omen. Bei neuen Booten erfolgt oft direkt danach der Stapellauf oder eine erste kleine Ausfahrt.

Wer die Bootstaufe ganz korrekt nach den alten Traditionen und Regeln durchführen will, sollte auch darauf achten, den „richtigen“ Namen zu wählen. In vielen Kulturen gilt es unter den Traditionalisten nämlich auch heute noch als Unglück, ein Schiff umzubenennen – außer es wird mit einer speziellen „Umbenennungstaufe“ durchgeführt.

Hierfür sollte unbedingt eine Taufe (Ablauf siehe oben) durchgeführt werden – allerdings inklusive der symbolischen „Löschung“ des alten Namens (z. B. durch Verbrennen eines Papiers mit dem alten Namen). Und: traditionell übernehmen Frauen die Rolle der Taufpatin. Sie stehen für Fruchtbarkeit, Schutz und Glück. Ein weiterer alter Aberglaube besagt, dass das Verwenden von Bier oder billigem Sekt Pech bringt – ebenso, wenn die Flasche nicht zerbricht.

Fazit: die Bootstaufe ist mehr als nur ein folkloristisches Überbleibsel aus vergangenen Zeiten, auch wenn man sich nicht streng an die „Regeln“ hält. Sie zeugt von Respekt gegenüber dem Meer, der Natur und der eigenen, neuen Reise „auf eigenem Kiel“.

In einer Welt, in der viele Dinge schnelllebig und anonym sind, ist die Taufe eines Bootes ein bewusst gesetztes Zeichen – für den Beginn eines neuen Kapitels, bei dem man Familie und Freunde einbindet, Verantwortung übernimmt und der Freude Ausdruck gibt auf das, was da kommen möge.

Uns hat es jedenfalls Spaß gemacht – und die Taufe war zudem eine gute Gelegenheit, mal wieder mit alten Freunden zu „klönschnacken“ und neue Wassersportler in geselliger Runde kennenzulernen.

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