Seit Jahren ist ein Trend zu Familienurlauben mit Kindern auf Booten und Yachten festzustellen. In diesem Zusammenhang werden am Markt auch mehr spezielle Kids- und Jugendsegelprogramme angeboten und nicht zuletzt melden auch Bootshändler steigendes Interesse an Familienbooten mit entsprechender Ausstattung. Für einen gelungenen Bootsurlaub mit der Familie haben wir hier verschiedene Aspekte und grundlegende Punkte zusammengefaßt, denn Segeln und Motorbootfahren mit Kindern ist neben aller Freude eine echte Herausforderung.
Safety First
Was für alle an Bord gilt, gilt erst recht für kleine und große Kinder und nicht zuletzt auch für Jugendliche: Auf dem Boot sollen sich alle wohl und sicher fühlen. Lesetipp: Diese Rettungsmittel sind an Bord unerlässlich
Unverhandelbar sind dabei das Tragen von Schwimmwesten und rutschfesten Schuhen. Wie jede Person an Bord müssen auch Kinder eine passende und funktionsfähige Weste haben (und auch tragen!). Abhängig von Alter, Gewicht und Größe bietet der Handel Automatik-Rettungswesten sowie auch kleinkind-gerechte Feststoffwesten an, wobei in jedem Fall Schrittgurte unerlässlich sind, um das Herausrutschen über den Kopf auszuschließen. Die festen – und damit eher sperrigen – Westen gibt es auch in Kinderfarben oder mit entsprechenden Motiven bedruckt. Diese sind aber eher für den Einsatz im Hafen gedacht, wo Spielen, Angeln und andere Abenteuer angesagt sind.
Um Kindern trotzdem ausreichende Bewegungsfreiheit an Bord geben zu können, bieten sich entsprechend dimensionierte Lifelines mit Schlaufe für die Weste und Karabinerhaken zum Einpicken an strategischen und überschaubaren Stellen an.
Auch andere Voraussetzungen müssen passen, um auf kindlichen Tatendrang, Neugier und auf nicht immer vorhersehbares Verhalten bestmöglich vorbereitet zu sein. Dabei kann ein Relingsnetz sehr hilfreich sein, um das ungewollte Überbordgehen zu vermeiden; es kann auch auf einem Charterboot ohne den ganz großen Aufwand vor Törnbeginn montiert werden.
Das Für und Wider
Auch bei bei der generellen Glaubensfrage „Segel- oder Motorboot?“ taucht in diesem Zusammenhang das Kinderthema auf: Auf welchem Bootstyp sind (Klein-)Kinder sicherer an Bord unterzubringen? Eine geräumige Plicht und ein übersichtliches Cockpit haben große Vorteile, aber wenn Steuerrad und anderes stehendes und fallendes Gut im wahrsten Sinne den kleinen Crewmitgliedern im Weg stehen/liegen, sind Unfälle vorprogrammiert. Sitzbänke laden zum Klettern ein und ein steiler Niedergang stellt eine zusätzliche Gefahrenquelle dar. Hier heißt es abwägen aller Vor- und Nachteile.
Decksalonyachten und Motorboote, auf denen Salon und Cockpit auf einer Ebene sind, können eine gute Bewegungs- und Überwachungsfläche darstellen, wenn es um Aufsicht, „Spielecke“ und anderen sicheren Bewegungsraum geht. Auch unter Deck ist es dem Autor schon gelungen, Kojen mittels Netz & Co zur „Höhle“ beziehungsweise zum sicheren nachmittäglichen Ruhe- und Schlafplatz umzubauen.
Immer ein Auge auf die Kids
Zusätzlich kann die Aufsicht und Verantwortlichkeit innerhalb der Familie/Crew für die Kinder an Bord durch eine feste Zuordnung, zum Beispiel aufgeteilt auf die Phasen auf Fahrt und für die Zeiten nach dem Anlegen im Hafen, hilfreich sein. Aber trotz aller Hilfsmittel und besonderer Aufmerksamkeit bleibt immer ein gewisses Risiko und wie bei allen Crews müssen Törnpläne auf die Bedürfnisse des schwächsten Gliedes in der Kette abgestimmt sein. Dabei sollten kurze Etmale, abwechslungsreiche Landgänge, Strandspiele, Angeln und andere „Abenteuer“ im Mittelpunkt stehen und das Dinghy kann in einer kleinen Bucht dabei schnell zum Seeräuberschiff werden.
Größeren Kindern und Jugendlichen können die Grundlagen des Segelns in einfachen Erklärungen und anschaulichen Beispielen erläutert werden und ein kleiner Knotenkurs kann ein lustiger Wettbewerb für die ganze Familie werden.
Das Wichtigste im Überblick
- Bootstouren und Törnpläne müssen sich an den Bedürfnissen der Kinder ausrichten, zum Beispiel durch defensiv angelegte Tagesetappen.
- Schwimmwesten und rutschfeste (Bade-)Schuhe sind unverhandelbar.
- Mit kleinen Kindern an Bord gehört ein Relingsnetz zu den Basics.
- Die kindgerechte Einweisung in die Geschehnisse an Bord und das damit notwendige Verhalten sollte schon zuhause beginnen (spielerischer Umgang mit der oft ungeliebten Schwimmweste) und muss vor dem ersten Ablegen in wenigen, aber klar verständlichen Regeln und praktischen Hinweisen münden (abgesicherte Aufenthaltsbereiche, Rutschgefahr nicht nur bei Stampfen und Rollen des Bootes, Hinweise auf scharfe Kanten, Leinen, Verbotszonen etc.).
- Klar geregelte Aufsichtspflichten unter den Erwachsenen.
- Kleine Spielsachen, Malzeug und Bücher sorgen nicht nur bei schlechtem Wetter für sinnvolle Beschäftigung/Abwechslung an Bord.
Fazit: Segeln und Bootfahren mit Kindern und Jugendlichen ist und bleibt auch bei allen Vorsichtsmaßnahmen eine echte Herausforderung. Damit es für die ganze Familie ein wundervolles Erlebnis wird und bleibt, muss der Sicherheit an Bord oberste Priorität eingeräumt werden. Mit einer umsichtigen und verantwortungsbewußten Herangehensweise an das durchaus komplexe Thema kann auch für Kinder bereits mit den ersten Tagen auf dem Wasser die Grundlage für eine lebenslange Freude an diesem schöne Hobby gelegt werden.










