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„Mann über Bord“: Miktionssynkope – Ein Phänomen, das Männer kennen sollten

Wie hoch, ist das Risiko, beim Wasserlassen über Bord zu gehen? SeaHelp erklärt, worum es sich bei der Miktionssynkope handelt – und wie „Mann“ Unfällen und unbeabsichtigtem Über-Bord-Gehen entgegenwirken kann.

Éric Tabarly ist unter Seglern wohlbekannt. Der Franzose gilt als einer der besten Hochseesegler des 20. Jahrhunderts. Der Offizier und Kommandeur der Ehrenlegion und Träger des Seeverdienstordens machte sich vor allem durch Siege in Einhandregatten und durch verschiedene Rekordfahrten einen Namen. Der erste große Erfolg von Tabarly war der Sieg mit der Pen Duick II bei der Einhand-Transatlantikregatta Observer Singlehanded Trans-Atlantic Race (OSTAR) von Plymouth nach Newport (Rhode Island) in den USA.

Neben den Regattafahrten galt die Leidenschaft Tabarlys der William Fife-Yacht Pen Duick von 1898, die er von seinem Vater übernommen und liebevoll restauriert hatte. 1973 gründete Tabarly mit Gérard Petipas die Organisation Pen Duick S.A.S., die sich für verschiedene Bereiche des Segelns einsetzte. Seit 1985 organisiert Pen Duick insbesondere Hochseeregatten wie die Route du Rhum und die Transat AG2R; die Tochter-Organisation „Match Racing“ organisiert die Transat BPE.

Tabarly ging nachts über Bord – als Grund wird das Phänomen der Miktionssynkope vermutet

Doch der weltweit gefeierte Segelheld Éric Tabarly erlangte auch wegen eines anderen, traurigen Umstandes Berühmtheit. Der vielfach ausgezeichnete Regattasegler lehnte es kategorisch ab, sich an Bord zu sichern und trug weder Rettungswesten noch Lifebelts. Dieser Umstand sollte ihn schließlich das Leben kosten, als er am 13. Juni 1989 bei einer Nachtfahrt in der Irischen See über Bord ging und ertrank.

Als Todesursache – bzw. als Grund des Überbordgehens – vermutete man später ein Phänomen, über das meist nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird, und das Ärzte als sogenannte Miktionssynkope bezeichnen; auch die Begriffe Pressorische Synkope oder Postpressorische Synkope werden in diesem Zusammenhang oft verwendet.

Beim Wasserlassen kann eine kurze Bewusstlosikeit auftreten – erfolgt das im Stehen, kann ein Sturz die Folge sein

Was damit gemeint ist: während des Wasserlassens (Miktion; lat. mingere „harnen“) kann unter bestimmten Umständen akut eine reversible Bewusstlosigkeit (Synkope; aus dem Altgriechischen: „Zusammenstoßen, Ausstoßen“) auftreten. Diese kann durchaus einige Sekunden dauern – bis maximal eine Minute.

Das Problem: Miktionssynkopen treten vorwiegend bei jüngeren Männern während oder unmittelbar nach der Miktion im Stehen auf. Oft sind die Betroffenen schlaftrunken mit überfüllter Blase, meist nach Alkoholkonsum und unmittelbar nach dem Aufstehen, typischerweise nachts. Sie stürzen dann entweder abrupt oder nach kurzem Schwindel, wobei erhebliche Verletzungen auftreten können.

Erklärt wird das durch die Abnahme des Gefäßverengungs-tonus; dadurch komme es zum Blutdruck-Abfall und schließlich zum Kollaps. Der Valsalva-Mechanismus bei Beginn der Miktion und der Wegfall der Stützung des Blutdrucks durch die volle Blase trügen ebenfalls dazu bei.

Bei Seglern kann die Miktionssynkope ein Über-Bord-Gehen verursachen

So weit, so theoretisch. Während Miktionssynkopen an Land jedoch lediglich zu – mehr oder weniger schlimmen – Sturzverletzungen führen können, sind sie bei Seglern als gelegentliche Todesursache gefürchtet Insbesondere zwei Gründe werden hierfür angeführt: bei schwerer See und kaltem Wetter sind Segler mit entsprechender kompakter Schutzkleidung (Ölzeug) ausgestattet. Dem Drang zu Urinieren wird oft so lange wie möglich widerstanden, denn: es ist zumeist sehr umständlich und dauert eine gewisse Zeit, bis „Mann“ sich zum Wasserlassen ausgepellt hat.

Wird dann die Blase schlagartig entleert, kann es zur beschriebenen Miktionssynkope kommen. Geschieht dies am Bootsrand, ist ein Überbordfallen möglich, denn im Normalfall hält sich der Urinierende nur mit einer Hand (zumeist an der Wante oder einem der Stage) fest, und er befindet sich zumeist auf der Leeseite der Yacht bzw. des Bootes, also der dem Wind abgewandten Seite.

Wird der Segler später im Wasser gefunden, so kann eine offene Hose (und eventuell das freigelegte „beste Stück“ des Mannes) auf die Ursache Miktionssynkope als Grund für das Über-Bord-gehen hinweisen – so wie bei dem oben beschriebenen Segelhelden Eric Tabarly. Neben dem Hinausschieben des Wasserlassens kann auch Alkoholkonsum, zum Beispiel auf Urlaubssegeltörns, zur Miktionssynkope – mit den erwähnten Folgen – führen.

Empfohlen wird, dass (insbesondere Männer) das Bord-WC aufsuchen bzw. Rettungswesten tragen

Fazit: es ist nachgewiesen, dass – statistisch gesehen – mehr Personen bei Hafenmanövern oder beim Wasserlassen über Bord gehen als zum Beispiel bei Starkwind oder Sturm, und: beim „Pinkeln“ trifft es überwiegend Männer. Um beim Wasserlassen nicht über Bord zu gehen empfiehlt es sich daher, lieber das Bord-WC (wenn nicht vorhanden, die „Bord-Pütz“) zu benutzen – oder aber zumindest eine Rettungsweste zu tragen – und zwar nicht nur während der eigentlichen Miktion.

Übrigens: eine Miktionssynkope kann sich bereits vorher durch bestimmte Vorzeichen ankündigen. Dazu gehören zum Beispiel neben kleineren Schwindelanfällen und plötzlichem Schweißausbruch auch ein Schwarzwerden vor Augen, eine blasse Hautfarbe, und auch einzelne kleinere klonische Zuckungen sind möglich.

Hier hilft dann nur eins: so bald wie möglich die Situation „aufzulösen“, sprich: aufs Bord-Klo zu gehen. Insbesondere bei stärkerem Wellengang oder Sturm gilt dabei – auch und gerade für Männer: im Sitzen pinkelt es sich am sichersten.

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