Das erste Mal als Gast auf einer Segelyacht: Seglersprache für Landratten

Seglersprache für Landratten: Zu Gast auf einer Yacht
© Miroslav Svetec

Wer das erste Mal als Gast auf einer Yacht mitfährt, sei es, weil man eingeladen ist, spontan gemeinsam einen Tag auf See zu verbringen oder als Teil einer Crew, die eine Yacht gechartert hat, sollte zumindest einige Wörter aus der Seglersprache kennen, damit der Törn gelingt und Spaß macht. Tipps der SeaHelp-Redaktion für Boots-Anfänger.

Damit der erste Törn als Gast auf einer Yacht nicht wortwörtlich „ins Wasser fällt“, sondern zu einem rundum gelungenen Tag an Bord wird, sollten Anfänger einige grundlegende Wörter und Redewendungen der Seemannssprache kennen; so gestaltet man sich selbst den Aufenthalt auf einer Segel- oder Motoryacht möglichst angenehm und sicher, und auch die anderen Crewmitglieder sowie der Skipper werden das zu schätzen wissen.

Die Seglersprache gehört zu den ältesten Fachsprachen der Welt

In kaum einem Bereich gibt es (außer bei den Juristen und den Jägern vielleicht) so viel fachspezifisches Kauderwelsch wie bei den Seglern. Dafür gibt es einen Grund: die Seglersprache ist die wohl älteste Fachsprache der Welt, denn Segelboote waren die ersten Fahrzeuge, die es gab, und Segelschiffe lange Zeit die einzigen – und größten – Transportmittel.

So kommt es, dass Sportskipper sich auch heute noch zahlreicher, teilweise sehr alter Begriffe bedienen, die auch schon vor Jahrhunderten für die sichere Bootsführung und die schnelle Kommunikation an Bord sowie für den Erfahrungsaustausch unter den Seeleuten unentbehrlich waren.

Wenn ein Segler mit dem Heck an die Pier geht, nennt er das „römisch-katholisch anlegen“

Wenn Sie das erste Mal eine Yacht betreten, werden Sie das vermutlich von achtern, also von hinten, tun – zumindest dann, wenn das Boot mit dem Heck (dem hinteren Teil der Yacht) an der Kaimauer festgemacht ist. So anzulegen, heißt unter Sportskippern übrigens „römisch-katholisch“. Die Bezeichnung kommt angeblich daher, weil diese Methode überwiegend in den Mittelmeerländern Spanien, Italien und Frankreich, aber auch in Kroatien oft praktiziert wird.

Einmal auf der Yacht gelandet, wenden sie ihren Blick nach vorn zur Spitze des Bootes, welche der Seemann Bug nennt. Rechts heißt an Bord steuerbord und links backbord. Das kann man sich gut merken, denn in der Vorsilbe „steuer“ kommt ein „R“ vor – der Anfangsbuchstabe von rechts. Oder wie unser Segellehrer damals sagte: „Wenn ich dir (als Rechtshänder) eine Ohrfeige gebe, dann hast du an an Backbordseite eine rote Backe“ (backbord / Backe).

Das kleine Vorsegel heißt auf der Segelyacht Fock, das größere achterliche nennt man Großsegel

Sind sie auf einer normalen Segelyacht, die slupgetakelt ist (ein Mast mit zwei Segeln), dann heißt das kleine Segel vorn Fock oder einfach Vorsegel, das große Segel hinten Großsegel oder kurz: das Groß. Mit Leinen, die an Bord Fallen heißen, zieht man die Segel am Mast hoch (man schlägt die Segel an), und mit Leinen, die auf einer Yacht Schoten genannt werden, holt man die Segel dann je nach Wind dicht, wenn der Wind vorlich einfällt, oder man fiert sie auf (öffnet sie), wenn der Wind seitlich oder von hinten (achtern) einfällt.

Die dicken Drähte, welche den Mast seitlich in seiner Position halten, nennt der Seemann Wanten, und die vorn und hinten befindlichen heißen an Bord Stage (Vorstag vorn und Achterstag hinten). Das oft ganz oben an der Mastspitze (dem Masttopp) angebrachte lustig im Wind wehende Fähnchen heißt bei Seglern Verklicker – es soll dem Steuermann verraten (verklickern), aus welcher Richtung der Wind weht, damit er die Segelstellung entsprechend anpassen kann.

Keine Sorge, wenn das Boot einmal krängen sollte – bis zu einem gewissen Punkt ist das normal

Wenn auf dem Wasser eine frische Brise weht, dann gerät die Segelyacht (durch den Winddruck) oft in Schieflage (das Boot neigt sich um seine Längsachse), doch keine Angst, bis zu einem gewissen Punkt ist das ganz normal, der Seemann sagt dazu Krängung (nicht: Kränkung, denn mit einer Ehrverletzung eines Menschen hat das nichts zu tun). Manche Yachten haben sogar einen Krängungsmesser an Bord.

Ändert das Boot seinen Kurs, und geht dabei der Bug durch den Wind, nennt der Seemann das Wende. Dreht das Heck, also der achterliche Teil der Yacht durch den Wind, handelt es sich um eine Halse. Gute Seemannschaft an Bord gebietet es, dass der Rudergänger (der oder diejenige am Steuer) ein entsprechendes Segel-Manöver laut und deutlich ankündigt, zum Beispiel mit den Worten „Klar zur Wende“, welches sich an die Bediener der Schoten richtet.

Bei Wende oder Halse sollte man den Kopf einziehen – denn dann schwenkt der Baum auf die andere Seite; Wahrschau! ist ein Warnruf

Dann ist man als Segel-Novize gut beraten, den Großbaum gut im Auge zu behalten (die Spiere, an welcher der untere Teil des Großsegels befestigt ist, der vordere Teil ist am Mast angeschlagen), denn dieser ist beweglich und schwenkt kurz danach (weitere Kommandos: „Ree“ und „Über die Segel“) schnell von der einen zur anderen Seite.

Ruft jemand an Bord ihnen das Wort Wahrschau! zu, dann möchte er nicht mit ihnen nach Polen reisen, sondern er möchte sie eindringlich warnen (auch: Look out!, Attention! Oder Keep clear off!), es handelt sich um einen Warnruf in einer (vermeintlichen oder tatsächlichen) Gefahrensituation, den sie durchaus ernst nehmen sollten.

Kombüse, Kabinen, Kojen & Co. – So nennt man Küche, Zimmer und Betten auf einer Yacht

Am hinteren – also achterlichen – Teil der Segelyacht stehen zumeist ein oder zwei Steuerräder, dieser Bereich nennt sich Achter-Cockpit oder bei kleineren Yachten und Booten auch Plicht. Von hier kommt man zumeist Richtung Bug zum nach unten, zum Salon, führenden Niedergang (den Stufen, welche vom Deck hinunter zum Unterdeck führen.

Im Salon gibt es eine Küche, die der Seemann Kombüse nennt; von hier aus zweigen auch die Zimmer (Kabinen) mit den Betten (Kojen) ab sowie die WC´s mit oder ohne Duschen, die Naßzellen heißen, nur bei wirklich großen Yachten spricht man hier von Bädern.

Unglaublich (und zumeist nicht wahr): Seemannsgarn, gesponnen auf Yachten

Fangen die Mitsegler an, unglaublich klingende Geschichten über das Segeln oder die Seefahrt zu erzählen, so könnte es sich jedoch um Jägerlatein handeln, das an Bord als Seemannsgarn bezeichnet wird, welches nicht für bare Münze zu nehmen ist. Die Bezeichnung leitet sich vom Schiemannsgarn ab, ein geteertes Kleintauwerk, welches in der klassischen Schifffahrt verwendet wird.

Generell gilt: scheuen sie sich nicht, zu fragen wenn sie etwas nicht verstehen an Bord. Das ist wichtig (schließlich dient es ihrer eigenen Sicherheit, Bescheid zu wissen, was an Bord geschieht); keine Frage ist peinlich!

Was sonst zu beachten ist, wenn sie das allererste Mal als Gast auf einer Yacht sind, sei es, weil sie spontan zu einem Tages-Törn eingeladen wurden, oder sie Teil einer Charter-Crew sind, beleuchtet unsere Artikel: Das erste Mal als Gast auf einer Segelyacht – Zehn Tipps für Landratten

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