Interview Denis Ivošević, Direktor Tourismusverband Istrien: „2021 erwartet Istrien trotz Corona 70 % der Touristen des Rekordjahres 2019“

Interview mit Denis Ivosevic, Direktor Tourismus Verband Istrien
Schaut man auf die Corona-Inzidenzzahlen, hat man den Eindruck, dass in Istrien die Uhren teilweise anders ticken. SeaHelp sprach mit Denis Ivošević, dem Direktor des istrianischen Tourismus-Verbandes über die Gründe und die Aussichten für 2021.

Wie wird sich der Tourismus in Kroatien, insbesondere Istrien im Jahr 2021 unter dem Einfluss des Coronavirus entwickeln? Ein Fakt, der insbesondere Bootseigner, Chartergäste aber auch Hotel- Appartement- und Campingurlauber beschäftigt. „Soll ich schon buchen oder besser noch abwarten, wie sich die Lage hinsichtlich der Coronavirus-Pandemie weiter fortschreibt?“ Diese entscheidende Frage stellen sich wohl derzeit die meisten Corona-geplagten Kroatien-Fans mit ausgeprägtem Urlaubsbedürfnis. Ein wenig Schützenhilfe liefert Denis Ivošević, der Direktor des Tourismus-Verbandes Istrien im SeaHelp-Interview, der selbstbewusst schon mal das Tourismusziel für 2021 zumindest für die Region Istrien klar definiert: „Wir rechnen mit 70 % der Tourismuszahlen auf Basis des Rekordjahres 2019“, so sein Statement im SeaHelp-Interview zur Situation in Istrien.

Istriens Inzidenzzahlen durchgängig auf geringem Niveau

Zweckoptimismus oder das vielzitierte „Pfeifen im Walde“? Eher nicht, denn die letzten Coronavirus-Inzidenzzahlen (7-Tage-Inzidenz) wiesen bereits im Januar mit nur gut 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Istrien Werte auf, von denen andere Regionen Europas nur träumen können. Warum gerade Istrien von der Pandemie weitestgehend verschont blieb, wollte die SeaHelp-Redaktion im Interview mit Denis Ivošević, dem Direktor des Tourismus-Verbandes Istrien aus erster Hand erfahren. Hier die Antworten auf unsere Fragen:

SeaHelp: Geht es um die Anzahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus, nahm Istrien schon im Jahr 2020 eine Sonderstellung in Kroatien ein und wurde teilweise von den Reisewarnungen ausgenommen. Welche Gründe lassen sich für die derzeit wieder stark gesunkenen Inzidenzzahlen anführen?

Istrien: Frühzeitig schnelle Maßnahmen eingeführt

Denis Ivošević: Istrien ist eine ausgesprochen gut geordnete und organisierte Region, in der das Kommunikationsprotokoll zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor besonders gut funktioniert. Dass ist hauptsächlich der Grund, warum Istrien in allen Segmenten der Gesellschaft eine erfolgreiche Region darstellt. Als Corona erstmalig auftrat, haben wir als erste Region strenge Maßnahmen für die Isolierung und den Lockdown eingeführt (lange bevor dies auf nationaler Ebene eingeführt wurde), wir haben präzise Protokolle kreiert, wer innerhalb welcher Frist und mit wem zusammenarbeiten muss im eventuellen Fall des Virus-Durchbruchs, so dass wir auf große Herausforderungen vorbereitet waren. Eine Besonderheit Istriens besteht darin, dass die Bürger Istriens in diesem Sinne Bereitschaft zum Mitwirken an den Tag legten und verantwortungsvoll handelten, so dass sich Istrien als eine der ersten Regionen in Europa bereits Ende März ohne einen einzigen Corona-Patienten in den Krankenhäusern präsentierte. Wir haben eine erfolgreiche touristische Saison unter äußerst unsicheren und ungewissen Bedingungen abgearbeitet und Mitte Oktober waren wir die einzige Region in Europa, die gekennzeichnet war mit grüner Farbe.

Eine solche Situation wurde auch Anfang dieses Jahres fortgesetzt, in den vergangenen 20 Tagen weist Istrien im Durchschnitt unter 10 Neuinfizierte mit dem Coronavirus pro Tag auf. Dies ist meiner Meinung nach eine Schlüsselbedingung, um eine solche Situation aufrecht zu halten, damit wir umso früher unter sicheren Bedingungen für unsere wichtigsten touristischen Märkte öffnen können.

Disziplin der Bevölkerung Istriens mit entscheidend

SeaHelp: Welche Auswirkungen wird das ihrer Meinung nach auf den Tourismus in Istrien haben?

Denis Ivošević: Dass man auch unter den Covid-19-Bedingungen ausgezeichnet Geschäfte machen konnte, zeigen am besten die Beispiele kleiner familiärer Hotels, der Villen im Inneren Istriens, der nautische Tourismus sowie die besten istrischen Restaurants, Tavernen, Weinkeller und Ölmühlen, die auf bestmögliche Weise Sicherheit und Isoliertheit von touristischen Geschehnissen angeboten haben. Viele unter ihnen haben ausgezeichnete Resultate erzielt und das ist die beste Referenz, wie man unter Covid-19-Bedingungen arbeiten kann und arbeiten muss…! Aber, es ist klar, dass Corona alle Gesellschaftssegmente bedeutsam erschüttert hat, besonders den wirtschaftlichen Teil. Je verantwortlicher und mitwirkungswilliger wir sind, und je weniger Verfechter von Verschwörungstheorien ihre kruden Vorstellungen verbreiten, desto besser werden wir uns selber helfen, ohne den Schuldigen in anderen zu suchen, in Verschwörungen, in mystischen Klubs, die angeblich die Welt dirigieren. Wie bleiben einfach verantwortungsvoll und geduldig und alles wird sich zusammenfügen.

Aus bisherigen Erfahrungen wissen wir, wie der Schlüssel zum Erfolg lautet:

  1. Qualitative Zusammenarbeit des privaten und öffentlichen Sektors
  2. Eine gute epidemiologische Situation in der Region/im Land aufrecht zu halten
  3. Ein vorbereitetes Protokoll der Verpflichtungen und Verantwortungen im Falle der Ausbreitung von Covid-19 zu besitzen
  4. Unsere Diplomaten in der Rolle der Lobbyisten und im Kampf gegen Fake News in unseren touristischen Destinationen einzusetzen
  5. Der Tourismussektor muss rechtzeitig und mittels richtiger Kanäle mit den Medien in unseren wichtigsten stärksten touristischen Destinationen über die gute Lage in Istrien/HR kommunizieren
  6. Die epidemiologische Situation in unseren bedeutendsten touristischen Märkten verfolgen
  7. Bereit sein, innerhalb kurzer Zeit eine wirkungsvolle Werbekampagne zu starten.

Für 2021: Istrien erwartet 20 % mehr Touristen als 2020

SeaHelp: Rechnen Sie 2021 mit einer Steigerung der Übernachtungszahlen gegenüber 2020?

Denis Ivošević: Im Jahr 2020 haben wir aus dem Stand heraus mehr als 50% der Übernachtungszahlen im Vergleich zum Rekordjahr 2019 erreicht. Wenn man dabei in Anbetracht zieht, dass der istrische Tourismus vorrangig auf ausländischen Gäste basiert, handelt es sich hierbei um ein ausgesprochen gutes Ergebnis unter den Bedingungen, unter denen sich die Tourismussaison 2020 abgewickelt hat. Im Jahr 2021, unter der Annahme, dass keine ungewünschten oder unerwarteten Situationen mit dem Impfprozess passieren werden, erwarten wir eine Realisation in der Höhe von 70% auf der Basis des Jahres 2019.

Frühere Grenzöffnungen: “Hängt von der Corona-Entwicklung ab!“

SeaHelp: Können Sie sich vorstellen, dass Istrien als eine der ersten kroatischen Gespanschaften sich schon früh wieder der Einreise von Touristen öffnen wird? Eventuell sogar früher als andere Destinationen an der Küste?

Denis Ivošević: Es ist immer schwer und undankbar, irgendwelche Prognosen abzugeben, da wir in der Formel noch sehr viele Unbekannte haben, auf die wir keinen konkreten Einfluss ausüben können. Hierbei denke ich an das Erscheinen neuer Varianten des Coronavirus und an dessen ausgesprochen dynamische Verbreitung, ich denke an den Prozess der Beschaffung von Impfstoff und an den Prozess der Impfung. Wir hängen vor allem davon ab, wie die Situation in unseren bedeutendsten touristischen Märkten sich darstellen wird: Deutschland, Österreich, Italien, Slowenien, Niederlande usw. Aber, falls wir uns die bisherigen Erfahrungen anschauen, war Istrien definitiv ein Best-Practice-Beispiel, wie man effizient gegen das Coronavirus ankämpft und gleichzeitig den Tourismus und das reale Leben aufrecht hält.

Istrien weist schon Anfang 2021 relativ guten Buchungsstand auf

SeaHelp: Wie lautet ihre persönliche Meinung bezüglich der Tourismussaison 2021 in Istrien? Wie ist der Buchungsstand?

Denis Ivošević: Die derzeitige Situation ist so, dass wir Anfragen haben und das ist die wichtigste Tatsache in diesem Moment, solange das Hauptthema weltweit Covid-19 heißt. Klar, in vereinzelten Segmenten der Unterkünfte haben wir bereits jetzt vielversprechende Buchungszahlen, aber wir sind uns alle bewusst, dass das wahre Match erst dann stattfinden wird, wenn mit Gewissheit feststeht, dass die Situation in Richtung Beruhigung zeigt. Dann wird es wichtig sein, entsprechend und schnell zu reagieren, da es augenscheinlich ist, dass die Last-Minute-Buchungen auch in diesem Jahr im Fokus stehen werden. Generell sind wir alle im istrianischen Tourismus optimistisch, ich würde sagen, reale Optimisten und daher bereiten wir uns vor, als ob alles in Ordnung sein wird. Unser Ziel besteht darin, wie bereits zuvor erwähnt, die Verwirklichung von 70 % der Umsatz- und Übernachtungszahlen aus dem Rekord-Jahr 2019 zu verwirklichen.

SeaHelp: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ivošević.

SeaHelp MitgliedschaftWerbung
SeaHelp Service

Push Service & Newsletter

Werbung

SeaHelp Neueste Artikel

Werbung
Marina MitanWerbung

SeaHelp Kurzmeldungen

ocean7 - Magazin für Yachting, Reisen und MeerWerbung
SeaHelp

Coronavirus Aktuell

SeaHelp News

Ähnliche Beiträge