In der vergangenen Woche gab es über dem Mittelmeer ein starkes Sturmsystem, das in den Medien und in Wetterberichten als Zyklon „Harry“ bzw. schweres Sturmtief bezeichnet wird. Dieses Unwetter hat in den letzten Tagen besonders Süditalien, Sizilien, Sardinien und Teile Maltas getroffen und dort große Schäden verursacht. Was ist ein Zyklon – wodurch wird er ausgelöst, und wie sollte man sich als Bootsbesitzer wappnen?
Ein starkes Tiefdruck- / Sturmsystem namens „Harry“ zog in den letzten Tagen über dem westlichen und zentralen Mittelmeer seine Bahn, es hat orkanartige Winde, heftige Regenfälle und gewaltige Wellen mit sich gebracht. Folge: viele Küstenbereiche wurden überschwemmt, es gab Erdrutsche, Sturmfluten mit erheblichen Schäden an der Infrastruktur, besonders in Süditalien. So mussten beispielsweise Kreuzfahrtschiffe einige Häfen auslassen, und Behörden meldeten Evakuierungen in einigen der betroffenen Regionen.
Zwar dürfte die Hauptphase von „Harry“ inzwischen vorbei sein bzw. sich aktuell seinem Ende nähern – trotzdem können lokale Auswirkungen (Regen, Wind, hohe See) noch einige Tage andauern, und die Lage vor allem an den Küsten bleibt angespannt, da vielerorts gravierende Schäden und instabile Wetterverhältnisse noch immer präsent sind.
Doch was ist eigentlich der Auslöser für ein solches Sturmsystem?
Zumeist ist der Auslöser ein Tiefdruckgebiet (ein Tief bzw. Sturmtief), das sich über dem Mittelmeer gebildet hat und sehr warme Meeresluft mit sehr kalter Luft in der Höhe kombiniert. Das führt zu starker Luftdruckabnahme im Zentrum, großen Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschieden sowie einer intensiven Konvektion und starken Winden.
Meteorologisch handelt es sich um eine Form eines mediterranen Zyklons (gelegentlich auch „Medicane“ genannt, kurz für Mediterranean tropical-like cyclone). Diese Systeme sind nicht genau wie tropische Hurrikane im Atlantik klassifiziert, können aber ähnliche Eigenschaften (z.B. rotierende Winde und stürmisches Wetter) aufweisen — nur in kleinerem Maßstab und normalerweise schwächer.
Genau das trifft auf „Harry“ zu – es handelt sich hier um ein kräftiges Tiefdruckgebiet über dem Meer, das sich in ein sturmähnliches System (Zyklon) intensiviert hat, dabei aber kein tropischer Hurrikan im klassischen Sinne ist. Befeuert wurde dieses Sturmtief durch den Klimawandel – was ihn so zerstörerisch machte. Fotos und Videos in Social Media zeigen die unvorstellbare Wucht des Systems und lassen die Zerstörungen nur ansatzweise erahnen.
Was ist ein Zyklon, und welche Arten gibt es?
Generell handelt es sich b ei einem Zyklon um einen Bereich niedrigen Luftdrucks, bei dem die Luft gegen den Uhrzeigersinn (auf der Nordhalbkugel) rotiert. Neben den tropischen Zyklonen (Hurrikane/Taifune), die in tropischen Ozeanen entstehen und ihre Energie aus warmen Meeren erhalten, gibt es auch die sogenannten extratropische Zyklone. Diese entstehen in mittleren Breiten durch Temperaturunterschiede zwischen Luftmassen.
Bei dem aktuell über das Mittelmeer ziehenden, tropisch-ähnlichen Zyklon („Medicane“) handelt es sich um seltener auftretende, „kleinere“ Stürme im Mittelmeer, die jedoch einige Eigenschaften der tropischen Wirbelstürme aufweisen. Solche Tiefdrucksysteme bewegen sich typischerweise ostwärts über das Mittelmeer und schwächen sich nach einigen Tagen wieder ab.
Was sollte man als Bootsbesitzer beachten? Wie ist die Lage in Kroatien?
Wer aktuell ein Boot in einem Mittelmeer-Hafen zu liegen hat, sollte die Wetterwarnungen ernst nehmen, den Liegeplatz gut sichern und ggf. extra Festmacherleinen setzen. Falls noch nicht geschehen, sollten Segel, Planen, lose Gegenstände entfernt werden oder fest gesichert werden, der Bootsbesitzer sollte sich vom ordnungsgemäßen Zustand der Bilgepumpen überprüfen, die Batterien geladen halten und regelmäßig nach seinem Boot schauen (lassen). Außerdem sollte er regelmäßig aktuelle Infos vor Ort einholen (Hafenmeister, Küstenwache, lokale Wetterdienste).
Auch wenn über dem westlichen Mittelmeer derzeit noch die letzten Auswirkungen des Sturmtiefs („Harry“) zu spüren sind, ist sein direkter Einfluss auf die östliche Adria (Kroatien) nicht mehr spürbar. Tiefdrucksysteme über dem westlichen Mittelmeer können aber durch Verlagerung oder Ausläufer auch in die Adria Wetterwirkungen entfalten, insbesondere in Form von Regen und Wind (nicht unbedingt als „Medicane“).
Diese Systeme sind in Kroatien eher selten anzutreffen; trotzdem sollten kurzfristige, aktuelle Unwetterwarnungen immer im Blick behalten werden, etwa indem man sich neben den größeren auch über die lokalen Warnsysteme regelmäßig informiert.










