SeaHelp News

Schiffswrack Mallorca: Bergung des römischen Schiffswrack vor Playa de Palma startet

Direkt vor der Playa de Palma und nur einen Steinwurf vom mallorqinischen Flughafen entfernt liegt ein außergewöhnlich gut erhaltenes römisches Handelsschiff mit hunderten Amphoren. März 2026 beginnt die Bergung, die mehrere Monate dauern soll. Wissenschaftlich ist der Fund überaus bedeutend, weil er so etwas wie eine „Zeitkapsel“ des Handels im spät­römischen Mittelmeer darstellt.

Can Pastilla, ein Stadtteil von Palma auf Mallorca an der Nordostseite der Badia de Palma (Bucht von Palma), nordwestlich des Strandes Platja de Palma war bisher vor allem bei Pauschaltouristen bekannt, die die Gegend zwischen den Balnearios 9 bis 15 bevölkern. Das änderte sich schlagartig, seit 2019 zufällig nach einem Sturm vor der Küste der Playa de Palma – bei Can Pastilla – das Wrack eines römischen Handelsschiffs entdeckt wurde.

Das hölzerne Wrack, welches rund 1.600–1.700 Jahre alt sein soll, wird als „Ses-Fontanelles-Wrack“ bezeichnet und gilt als einer der wichtigsten Unterwasserfunde der letzten Jahre im gesamten westlichen Mittelmeer. Das Schiff stammt aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. und war etwa 12 m lang und 5–6 m breit. Es liegt nur ca. 2 m tief und rund 50–65 m vor der Küste der Playa de Palma.

Die Ladung des „Ses-Fontanelles-Wracks“ umfasst etwa 300–320 Amphoren mit Waren wie
Olivenöl, Wein sowie Garum (römische Fischsauce). Besonders interessant für die Forscher ist der Umstand, dass viele Amphoren sind noch geschlossen, versiegelt und beschriftet sind – mit Angaben zu Herkunft, Produzenten oder Steuern. Außerdem gefunden wurden Schuhe, Seile, ein Öl-Lämpchen mit der Göttin Diana, eine Münze von ca. 320 n. Chr. sowie Werkzeug eines Schiffszimmermanns. Wahrscheinlich kam das Schiff damals aus Carthago Spartaria (heute Cartagena) und war auf dem Weg Richtung Italien oder Rom.

 

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

 

Die Bergungsarbeiten des historisch bedeutsamen Schiffswracks sollen nun beginnen und mehrere Monate andauern

Mehreren Berichten zufolge sollen die Bergungsarbeiten März 2026 starten und mehrere Monate dauern. Dabei soll die Bergung nicht „am Stück“, sondern in einzelnen Segmenten erfolgen. Grund: der Kiel des Schiffes fehlt, würde man es als Ganzes versuchen zu heben, besteht die Gefahr, dass das Wrack auseinanderbricht. Danach sollen die einzelnen Teile in speziellen Entsalzungsbecken im Fort San Carlos bei Portopí konserviert werden.

Archäologen sprechen aus mehreren Gründen von einem außergewöhnlichen Fund, manch einer sogar von einem „Sensationsfund“. Zum einen erfreut die Wissenschaftler der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand; Schiff und Ladung waren jahrhundertelang unter Sand begraben und dadurch nahezu luftdicht konserviert. Zudem befand sich an Bord ein komplettes Handelsinventar, hunderte Amphoren mit Beschriftungen erlauben eine präzise Rekonstruktion römischer Handelsnetze. Einige Funde enthalten sowohl christliche Symbole als auch traditionelle römische Motive, was den Forschern zufolge einen guten Einblick in eine Zeit des religiösen Wandels gibt.

Normalerweise versuchen Archäologen, Wracks im Meer zu lassen. Beim Fund vor Mallorca hat man sich aber bewusst für eine vollständige Bergung entschieden. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist das Wrack durch die exponierte Lage gefährdet. Das Wrack liegt nur etwa 2 Meter tief und nur rund 60 Meter vom Strand entfernt – also praktisch genau in der Badezone einer der meistbesuchten Strände Mallorcas. Dadurch entsteht das Risiko der Plünderung (Looting), dann das flache Wrack ist für Hobbytaucher oder Schnorchler leicht erreichbar.

Zum anderen können starke Wellen bei Sturmlagen den Sand aufwirbeln und Teile des Wracks freilegen oder zerstören. Dazu kommt die Erosion durch Küstenveränderungen: Strandaufschüttungen und Hafenbauten haben die Strömungen verändert und könnten das Wrack weiter freilegen, so die Sorge der Wissenschaftler. Genau aus diesen Gründen behandeln sie es nun als eine sogenannte „Rescue excavation“ (Rettungsgrabung).

Nach der Bergung soll das Wrack an Land genau untersucht werden – das kann mehrere Jahre dauern

Denn: sobald Teile des Wrackes freigelegt werden, beginnt es rasend schnell zu zerfallen. Das Schiff blieb bisher nur deshalb so gut erhalten, weil es tief im Sand steckte, der eine sauerstoffarme Umgebung bildete – ohne Sauerstoff verrottet Holz deutlich langsamer, es wird quasi konserviert.

Weiteres Argument für die Bergung: an Land kann man das Wrack viel genauer untersuchen, für die Konservierung und die anschließende Erforschung rechnet man nicht mit Monaten, sondern mit Jahren. Zuerst wird das Holz in großen Wasserbecken entsalzt; es folgt eine Konservierung mit Polyethylenglykol oder Zuckerpolymeren. Erst dann soll eine 3D-Rekonstruktion der Schiffskonstruktion erfolgen, bevor dann final das Holz, aber auch die Amphoren und Lebensmittelreste genau analysiert werden.

An dem Projekt, das den Namen „Arqueomallornauta“ trägt, sind neben dem Consell de Mallorca (Inselregierung, Projektkoordination) und dem Nationalmuseum für Unterwasserarchäologie (ARQUA) auch mehrere Universitäten, darunter die Universität der Balearen, die Universität Barcelona sowie die Universität Cádiz. Ergänzt wird das Team von weiteren 30–40 Fachleuten (Taucher, Archäologen, Restauratoren sowie Sicherheitspersonal).

„Die Bergung wird voruassichtlich nicht die kommende Wassersportsaison beeinträchtigen“, sagt Robert Perger von SeaHelp Balearen; ein „gewisser Einfluss“ sei möglich, aber wenn überhaupt, nur „lokal begrenzt“. „Die Arbeiten könnten bis in die touristische Hochsaison hineinreichen“, sagt Perger, der Fundort liege nur wenige Meter vor dem Strand entfernt, für die Taucher- und Bergungsarbeiten müsse der Strand abgesperrt und überwacht werden.

Allerdings handele es sich nur um eine kleine, klar abgegrenzte Zone nahe Can Pastilla – „großflächige Einschränkungen für den Strand oder die gesamte Wassersportzone werden bislang nicht erwartet“.

SeaHelp MitgliedschaftWerbung
SeaHelp Service
Für tagesaktuelle Kraftstoffpreise
bitte hier klicken!
SeaHelp Service

Push Service & Newsletter

Werbung

SeaHelp Neueste Artikel

Werbung
SeaHelp News

Ähnliche Beiträge