Künstliche Intelligenz wird immer öfter auch als Tool für die Planung von Chartertörns eingesetzt. Wir testeten die aktuelle Version von ChatGPT, und wollten wissen, wie eine Umrundung der Balearen-Insel Mallorca am besten für eine 10-12 Meter lange Yacht funktionieren kann. Weitere Vorgaben: Start in Palma, Törn im Uhrzeigersinn und im Schnitt nicht mehr als 18-25 Seemeilen pro Tag Strecke bis zum nächsten Hafen / Marina.
KI ist auch bei der Planung von Chartertörns inzwischen nicht mehr wegzudenken – zumindest als „grobe Übersicht“ können die entsprechenden Plattformen der verschiedenen Anbieter dabei durchaus eine sinnvolle Unterstützung darstellen.
Wo sollte man in einem bestimmten Revier chartern? Wie lange sollte man für einen bestimmten Törn einplanen? Welche Häfen liegen an der Strecke (mit Service, Tankstellen, Restaurants)? Welches sind die schönsten Ankerbuchten? Und welche Sehenswürdigkeiten sollte man bei dieser Charter auf keinen Fall verpassen?
Wir fragen die KI nach einem Vorschlag für eine 14tägige Insel-Umrundung – und sind erstaunt, wie umfangreich die Antwort ausfällt
Unser „Test-Törn“ ist eine Umrundung der Insel Mallorca, Gesamtstrecke ca. 260–300 sm, wir wollen nicht mehr als 18–25 sm / Tag segeln, und unsere Yacht soll zwischen 10 und 12 Meter lang sein. Kein Problem für die aktuellste (Bezahl-) Version von ChatGPT, die wir für diesen Test „befragen“ – das Ergebnis, ein Zeitplan mit Hafen-, Ankerbuchten- und Tankstopp-Empfehlungen, wird nach nur wenigen Sekunden „Überlegungszeit“ ausgespuckt.
Zunächst „lobt“ uns das Programm, dass diese Route im Uhrzeigersinn „die richtige“ sei, denn es mache durchaus Sinn, dass wir die „schwierige Westküste“ zuerst machen würden, dann den „entspannten Norden“ abfahren – gefolgt von der „Buchten-Ostküste“ und schließlich die „ruhige Südküste“ wieder zum Ausgangspunkt der Reise entlang segeln wollen.
„Will man Mallorca im Uhrzeigersinn runden, muss man damit rechnen, dass man von Sant Elm bis Cap Formentor den Wind genau von vorn hat“, gibt Robert Perger von SeaHelp Mallorca zu bedenken; die Crew müsse sich darauf einstellen, dass das ein Kreuzkurs sei, denn oft wehe es aus nordöstlichen Richtungen.
Vorgabe: wir wollen mit einer 10-12 Meter langen Segelyacht ab Palma starten und entgegen dem Urzeigersinn fahren
Wir wollen in Palma starten (Vorgabe), da wir wissen, dass dort verschiedene Charteranbieter in Frage kommende Boote vermieten, es nicht weit vom Flughafen zum Hafen / zur Basis ist, und es dort gute Bunker-Möglichkeiten gibt. Dementsprechend schlägt uns unser „Assistent“ für Tag 1 die Boots-Übernahme in Palma vor und empfiehlt einen ersten Schlag „Richtung Norden“ zum Port d’Andratx (~18 sm). Das sei ein „kurzer Einstieg“, der zudem „sehr gut geschützt“ sei. Die Hafenempfehlung passt für uns, allerdings wäre die Fahrtrichtung hier tatsächlich erst südwestlich, dann erst ein kleines Stück hoch Richtung Norden.
Hier warnt uns das Programm gleichzeitig: die Westküste könne durchaus auch „kritisch“ sein, denn es gebe „kaum Häfen zwischen Andratx und Sóller; bei Tramuntana könne das schnell „unangenehm bis gefährlich“ werden. Deshalb solle man „früh im Törn Alternativen einplanen“. Falls die Westküste „nicht geht“, empfiehlt das Programm als „Plan B“: Palma (unten herum, entgegen dem Uhrzeigersinn) an die Ostküste und ein Stück hoch in den Norden – und wieder zurück. Den Tipp finden wir gut, denn tatsächlich gibt es zwischen Andratx und Sóller (Hafen und Marina Tramontana) nur noch den kleinen Hafen Port de Valdemossa, der angelaufen werden könnte.
Pluspunkt: die KI warnt uns vor möglichen Gefahren, gibt Hinweise zu Tankstopps und berechnet auch noch (grob) die auf uns zukommenden Liegekosten
Für Tag 2 empfiehlt die Software die Etappe von Andratx nach Port de Sóller (~35 sm); es handele sich um eine „Schlüssel-Etappe“, die man nur bei „gutem Wetter“ machen solle, da es kaum Ausweichhäfen gebe (siehe oben). Tankstops könne man auf dem „Rundum-Törn“ neben Palma übrigens auch gut in Alcúdia und Cala d’Or einlegen, so ChatGPT. Als grobe Liegekosten wird uns für diese Route ein Durchschnitt von 70–140 € / Nacht berechnet, wobei wir beachten sollten, dass Palma / Portals natürlich teurer und die Ostküste dagegen oft günstiger sei; als Gesamtpreis für die Liegekosten sollten wir mit „ca. 1.000 – 1.800 €“ rechnen.
Am Tag 3 steht die Etappe von Sóller nach Cala Tuent (~10 sm) auf dem Programm, das sei ein „bewusst eingeplanter Puffer- / bzw. Genusstag“ mit guten Ankermöglichkeiten, zudem solle „Stress für die lange Nordpassage reduziert“ werden. Hier spielt uns die KI einen kleinen Streich: Die Cala Tuent ist eine idyllische, naturbelassene Bucht an der Nordwestküste Mallorcas, eingebettet in das Tramuntana-Gebirge unterhalb des Puig Major – aber kein Hafen / Marina. Die Bucht ist ein beliebter Ankerplatz – aber eben kein klassischer Yachthafen.
Apropos Ankern – als „beste Regionen zum Ankern“ empfiehlt die KI zuallererst die Ostküste (Goldmedaille), dann komme der Norden (Silber) und schließlich der Süden (Bronze); der Westen eigne sich zum Ankern „nur eingeschränkt“.
Auch schöne Ankerbuchten werden von der KI genannt – hier könnte man sich auch zusätzlich noch ausführliche Tipps geben lassen
Als „Top 5 Must-Stop-Ankerbuchten“ werden uns genannt: 1. Cala Varques, 2. Cala Mondragó, 3. Playa de Formentor, 4. Cala Tuent und 5. Es Trenc. Generell gelte, dass viele Buchten in der Hochsaison „sehr voll“ seien, frühes Ankommen lohne. Und: Ankerbuchten an der Westküste würden „kein Ersatz für Häfen bei schlechtem Wetter“ sein.

Für Tag 4 empfiehlt unser „elektronischer Reiseplaner“ den Schlag von Cala Tuent bis nach Port de Pollença (~30 sm), man könne bei diesem Törnabschnitt die „spektakulärste Küste“ bewundern, und das Ziel sei ein „sicherer Hafen“. Weiter geht es: die Etappe von Pollença nach Port d’Alcúdia (~10 sm) steht für Tag 5 auf dem Programm, das sei ein „entspannter Tag“, der zur Versorgung und als Crewpause eingeplant werden könne, empfielt die KI.
Am Tag 6 geht es weiter von Alcúdia bis nach Cala Ratjada, die Etappe vom Norden zum Übergang zur Ostküste ist mit 25 sm verhältnismäßig lang bemessen. Dafür beginne mit dem Erreichen der Ostküste für die Crew nun ein „entspannter“ Segel-Abschnitt mit „vielen schönen Buchten“.
Tag 9 plant die KI für uns als Layday, wir könnten den Tag nutzen für einen entspannten Badetag oder als Puffer für schlechtes Wetter
Ähnlich lang ist der Schlag von Cala Ratjada bis zum Porto Cristo an Tag 7, nämlich ~23 sm. 18 sm sind nach unserem „Segelplan“ an Tag 8 zurückzulegen, wenn ab Porto Cristo die Segel gesetzt werden Richtung Cala d’Or. (Hier hätte unterwegs auch der Port de Portocolom angelaufen werden können, das hätte die Etappe etwas verkürzt).
Tag 9 plant die KI für uns als „Layday Cala d’Or“ ein, das sei „wichtig für einen entspannten Badestopp“ oder generell als ein „Wetterpuffer“. Gut hätten wir hier gefunden, wenn uns die KI jeweils entsprechende Alternativen aufgezeigt hätte – aber das hängt, wie schon eingangs erwähnt – von der entsprechenden Fragestellung ab.

Am 10. Segeltag steht die Etappe Cala d’Or bis Colònia de Sant Jordi mit rund 30 sm auf dem Programm, Empfehlung: „schöne Küste, weniger Häfen“. Auch hier hätten wir uns – statt dieses Hinweises gewünscht, dass es eine Info gegeben hätte, dass der Hafen Colònia de Sant Jordi vergleichsweise klein ist, nur begrenzte Liegeplätze anbietet, und sich eher für kleinere bis mittlere Yachten eignet. Und nach dem relativ langen Segeltag spendiert die KI dann an Tag 11 für die Etappe Colònia Sant Jordi bis Sa Ràpita (~10 sm) für die Crew einen „Kurz-Törn / Entspannungstag“.
Für Tag 12 plant die KI den Törn Sa Ràpita bis El Arenal (Marina Moll Vell; ~24 sm), bis dann schließlich am darauffolgenden Tag 13 die Rückkehr nach Palma auf dem Programm steht: die Entfernung betrage etwa 9 sm, dieser sehr kurze Schlag diene (zumindest auch) als „Puffer- und Sicherheitstag“. Tag 14 ist schließlich als „Reserve-/Schlechtwettertag“ bzw. für die Rückgabe des Bootes vorgesehen.
Auch die „besten Ankerbuchten pro Etappe“ nannte uns die KI und gab uns zudem auch gleich einen detaillierten „aktuellen Preisvergleich für einen 10 m Liegeplatz“ für die Hochsaison auf Mallorca mit an die Hand (mit dem Hinweis versehen, dass die Preise nur dort „offiziell“ seien, wo sie auch öffentlich verfügbar seien; der Rest der Angaben beruhe lediglich auf „Schätzungen“).
Interaktive Törn Karte
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Auf der Interaktive Karte sind alle Orte und Törn-Etappen eingezeichnet. (Symbol links oben öffnet die Seitenleiste, Symbol rechts oben öffnet die Karte in Fullscreen)
Die Liegeplatz-Preisempfehlungen sind zwar etwas ungenau, können aber als gute Grundlage für weitere Recherchen dienen
Danach würden sich als Kosten (grob) für unseren geplanten 14-Tage-Törn ergeben: bei 13 Hafennächten etwa 900–1.600 €, bei überwiegender Nutzung von Premiumhäfen eher 1.400–2.200 €. Hinweis der KI: Puerto Portals sei für eine 10 m – Yacht „überraschend moderat“ mit einem angegebenen „offiziellem Preis“ von 98 € / Nacht in der Sommersaison 2026.
Fazit: Unser kleines Experiment zeigt, dass es durchaus Sinn machen kann, die grobe Vorabplanung der KI zu überlassen, entscheidend dabei ist aber, dass das Programm nur so gut antworten kann, wie die Fragen gestellt werden (persönliche Ziele / Vorlieben). Vorteil: das Ergebnis kommt auf Tastendruck sofort, und kann dann für die weitere („eigentliche“) Planung und Feinjustierung mit der gesamten Crew als Grundlage verwendet werden.
Gefallen hat uns, dass das Programm teilweise auch auf Gefahren hingewiesen hat, für den Fall schlechten Wetters einen „Plan B“ ausgegeben hat und „Puffer- und Sicherheitstage“ eingebaut hat. Fakt ist aber auch, dass die KI nicht die menschliche, sorgfältige Planung ersetzen kann – alle durch die künstliche Intelligenz ausgegebenen Vorschläge und Tipps müssen stets detailliert auf Korrektheit überprüft werden – das gebietet die Gute Seemannschaft. Und: es gilt der Grundsatz, dass der Plan dem Schiff dient – und nicht umgekehrt; der gute Skipper fährt nicht nach dem Kalender, sondern nach den Bedingungen.
„Nicht gefallen hat uns, dass die KI Ankerplätze genannt hat, obwohl wir eindeutig nach Häfen / Marinas gefragt hatten, und dass jeweils keine Alternativ-Angebote zu vorgeschlagenen Törn-Stopps gemacht wurden.“, sagt Robert Perger von SeaHelp Balearen; da in der Saison die Häfen meist sehr voll seien, und es wenige Transitplätze gebe, sei gut beraten, wer vorher einen Liegeplatz fest reserviere. Das schränke zwar die Flexibilität auf dem Törn etwas ein, aber man sei betreffend eine freie Box auf der „sicheren Seite“.
Und: Insbesondere wenn es darum geht, Reviere konkret zu bewerten und für Tages-Etappen einzuplanen (Tiefgang, Windrichtung und -stärke, Strömungen, ggf. Leegerwall usw.), oder wenn vor dem Törn Ausweich-Häfen und Notfallpläne erarbeitet werden, soll und kann – und darf – die KI den menschlichen Segler (Skipper und Crew) nicht komplett ersetzen.
Im Zweifel gilt (so würden wir es handhaben): aktuelles Wettergeschehen kontrollieren, Karten und Hafenhandbücher studieren – und danach den Törn gründlich mit der Crew planen, bevor abgelegt wird. Der Routenvorschlag der KI kann dabei durchaus als sinnvolle Ergänzung und Ideengeber dienen – mehr aber auch nicht.
Denn: Sicherheit geht vor – der Skipper erkennt Gefahren schließlich nicht nur wegen seines Wissens, sondern vor allem wegen seiner in den Jahren an Bord gesammelten Erfahrung. Deshalb wird er im Zweifel „langweilig“ planen, das bedeutet: kürzere Tagesetappen, frühe Hafenankünfte, reservierte Boxen, große Wetterpuffer, möglichst wenige Nachtfahrten. Von außen betrachtet mag das übervorsichtig wirken. Tatsächlich kann man das aber auch professionelle Risikominimierung nennen.















