Das Wetterphänomen „El Niño“ gilt als einer der mächtigsten Klimatreiber der Erde. Vieles deutet derzeit darauf hin, dass sich 2026 erneut ein besonders starkes Ereignis entwickeln könnte – mit Folgen, die auch Europas Wassersportler zu spüren bekommen dürften.
El Niño beschreibt zunächst einmal eine ungewöhnliche Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik. Dadurch verschieben sich weltweit Luftströmungen, Niederschläge und Sturmzonen. Das Phänomen tritt unregelmäßig alle zwei bis sieben Jahre auf und beeinflusst Wetterlagen rund um den Globus.
Wodurch entsteht El Niño? Kurz gesagt – durch ein Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik; dabei gerät das normale Windsystem über dem Pazifik aus dem Gleichgewicht. Denn: Unter normalen Bedingungen wehen starke Passatwinde von Südamerika Richtung Australien und Indonesien. Sie schieben warmes Oberflächenwasser nach Westen.
Dort – etwa vor Indonesien – sammelt sich deshalb besonders warmes Wasser an. Vor der Küste Perus und Ecuadors steigt dagegen kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf. Dieser Prozess heißt „Upwelling“ und sorgt dort normalerweise für vergleichsweise kühle Meerestemperaturen und fischreiche Gewässer.
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Bei El Niño schwächen sich die Passatwinde stark ab – mit gravierenden Folgen
Bei El Niño schwächen sich diese Passatwinde jedoch stark ab – manchmal kehren sie sich sogar teilweise um. Dadurch kann das warme Wasser nicht mehr wie üblich nach Westen gedrückt werden. Stattdessen breitet es sich wieder Richtung Mittel- und Ostpazifik aus.
Die Folgen: Die Meeresoberfläche vor Südamerika erwärmt sich ungewöhnlich stark, kaltes Tiefenwasser steigt deutlich schwächer auf, Luftdruck- und Niederschlagszonen verschieben sich, und schließlich werden gewaltige Energiemengen in die Atmosphäre abgegeben.
Dadurch verändert sich die sogenannte Walker-Zirkulation – ein tropisches Windsystem entlang des Äquators. Weil Ozean und Atmosphäre eng gekoppelt sind, wirken sich diese Veränderungen schließlich auch weltweit auf bestimmte Wetterlagen aus.
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Die US-Wetterbehörde NOAA hält das Phänomen in diesem Jahr für sehr wahrscheinlich
Nach aktuellen Prognosen der US-Wetterbehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) sowie der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) besteht inzwischen eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich im Verlauf des Jahres 2026 erneut ein El-Niño-Ereignis entwickelt. Mehrere Modelle halten laut der US-amerikanischen National Weather Service Organization in Silver Spring / Maryland sogar ein außergewöhnlich starkes „Super-El-Niño“ für möglich, wie die Behörde durch ihr Climate Prediction Center verlauten ließ.
„Es gibt eine 98-prozentige Wahrscheinlichkeit für El-Niño-Bedingungen später in diesem Jahr“, erklärte der Chef der NOAA, Neil Jacobs, laut einem aktuellen Bericht des Guardian vom 21. Mai 2026. (ENSO Forecast)
Einig sind sich die Experten, dass die Auswirkungen für Europa zwar deutlich schwerer vorherzusagen als für den Pazifikraum oder Nordamerika, die Meteorologen betonen jedoch, dass starke El-Niño-Jahre häufig auch mit extremeren Wetterlagen, längeren Hitzeperioden und instabileren Starkregenlagen im europäischen Raum einhergehen können.
Wassersportler an der Adria sollten aufmerksam bleiben, das Wetter könnte sich schneller ändern als sonst und heftiger ausfallen
Gerade Wassersportler an der Adria sollten deshalb aufmerksam bleiben. Zwar löst El Niño dort keine direkten „Tropenstürme“ aus. Dennoch könnten sich typische Wetterlagen verschärfen. Experten rechnen mit längeren Hitzephasen im Mittelmeer-Raum, höheren Wassertemperaturen und einer größeren Energie in der Atmosphäre. Dadurch steigt regional die Gefahr plötzlicher Gewitterzellen, Starkregen-Ereignisse, Fallböen und kurzfristiger Sturmereignisse.
Für Skipper in Kroatien, Italien oder Montenegro bedeutet das vor allem: die Wetterfenster könnten kürzer werden, und Gewitterlinien könnten sich schneller aufbauen als sonst üblich. Besonders in den Sommermonaten könnten lokale Bora- oder Jugo-Lagen ungleich heftiger und schwerer kalkulierbar ausfallen als in den vergangenen Saisons. Auch sogenannte „Medicanes“ – mediterrane Sturmtiefs mit teils tropenähnlichen Eigenschaften – werden im Zusammenhang mit immer wärmeren Mittelmeertemperaturen diskutiert (SeaHelp berichtete).
Die Auswirkungen auf Europa gebe es, sie seien aber „komplex und schwer exakt vorherzusagen“, heißt es beim europäischen Wetterdienst European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF), einer unabhängigen Organisation, die von 35 Staaten unterstützt wird. Aktuelle ECMWF-Saisonalprognose für El Niño (NINO3-4)
SeaHelp-Tipp: „Klassische Seemannschaft“ hilft – verbunden mit allen modernen Helferlein, die auf dem Boot zur Verfügung stehen
Tipp: Wassersportler sollten deshalb 2026 verstärkt mit kurzfristigen Wetterumschwüngen rechnen. Moderne Wetter-Apps sind zwar nützliche Helfer, sie allein reichen dabei aber oft nicht aus. Viele erfahrene Adria-Skipper dürften gut beraten sein, wieder stärker auf „klassische Seemannschaft“ zu setzen: frühes Auslaufen, häufigere Wetterchecks, und vor allem: eine konservativere Törnplanung und größere Sicherheitsreserven bei den Ankerplätzen und der Planung der Etappen.
Sogar im DACH-Raum könnte El Niño spürbare Folgen haben. Meteorologen halten hier überdurchschnittlich warme Perioden, trocken-heiße Sommerabschnitte sowie häufiger auftretende Starkregen-Lagen für möglich. Besonders im Alpenraum wächst die Sorge vor lokalen Unwettern, Hagelereignissen und Hochwasser nach intensiven Regenfällen. Gleichzeitig könnten Niedrigwasserprobleme an Flüssen erneut die Binnenschifffahrt beeinträchtigen.
Klar ist allerdings auch: El Niño ist kein exakter Wetterfahrplan. Selbst starke Ereignisse führen nicht automatisch überall zu denselben Auswirkungen. Doch die Kombination aus globaler Erwärmung und einem möglichen Super-El-Niño lässt derzeit viele Klimaforscher aufhorchen.
„Ein Super-El Niño wird immer wahrscheinlicher und könnte rekordverdächtig stark sein“, schrieb Jonathan Erdman im US-Magazin weather.com / The Weather Channel am 8. Mai 2026, im Laufe dieses Jahres könnte er „zu einem der stärksten jemals gemessenen Ereignisse“ werden.











