Achtung: Löschflugzeug!

Löschflugzeug im Einstatz an der Adriaküste von Kroatien.

In vielen Regionen Europas ist es derzeit außergewöhnlich heiß und trocken. Parallel dazu steigt in diesen Gegenden die Waldbrandgefahr; viele Feuer sind bereits ausgebrochen. Oft sind Löschflugzeuge die einzigen „Feuerwehren“, die über unwegsamem Gelände löschen können – aus der Luft. Wie funktionieren Löschflugzeuge (Löschboote), wie verhalte ich mich als Sportskipper, wenn überraschend ein Löschflugzeug in der Nähe auftaucht, um Wasser aufzunehmen? SeaHelp informiert.

Egal, in welchen Regionen in Europa man aktuell unterwegs ist, es gibt kaum ein Waldgebiet, das derzeit nicht von akuter Brandgefahr betroffen ist. Viele Feuer sind bereits ausgebrochen, die Feuerwehrleute sind im Dauereinsatz, etwa in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, aber auch in Kroatien.

Wenn diese natürlichen Refugien an Touristen-Hotspots angrenzen, kann es schnell auch für Menschen gefährlich werden (siehe dazu schon unsere News-Meldung vom 29.07.2022).

Nur Löschflugzeuge können zu Brandherden in unwegsamem Gelände vordringen

Oft bieten Löschflugzeuge, speziell für die Brandbekämpfung mit Tanks ausgerüstete Flugzeuge, die einzige Möglichkeit, an Brandherde heranzukommen – etwa in unwegsamem Gelände oder in Waldgebieten, um die Feuer aus der Luft löschen zu können.

Herkömmliche Starrflügler werden typischerweise vor dem Einsatz mit Löschmittel betankt. Flugboote (und Amphibienflugzeuge, die ebenfalls als Löschflugzeuge eingesetzt werden können), nehmen das Löschwasser dagegen während des Fluges aus einem Gewässer auf – ohne zwischendurch auf dem Wasser landen zu müssen.

Die Canadair CL-215 war das erste Löschflugzeug; es kann auf dem Land oder auf dem Wasser landen

Das erste Flugzeug, welches speziell als Löschflugzeug konstruiert wurde, war die Canadair CL-215 von Bombardier; die modernste und verbreitetste Version der kanadischen Spezialflugzeuge heißt Canadair CL-415 und besitzt vier Löschtanks (im Gegensatz zu ihrer kleineren Schwester 215 T, die nur über zwei Löschtanks verfügt).

Das Flugboot, welches speziell für die Feuerbekämpfung aus der Luft konstruiert wurde, kann durch sein Amphibien-Fahrgestell auf dem Land, aber auch auf dem Wasser starten und landen.

 

Löschflugzeug in Kroatien Wasser aufgeladen in der Adria.

 

Nicht-bodengebundene Löschflugzeuge können während des Fluges Löschwasser aufnehmen

Anders als bodengebundene Löschflugzeuge können Canadairs unmittelbar nach dem Abwurf ihres 6.000 Liter-Wasserballastes über dem Feuer auf dem nächstgelegenen See oder im Meer aufsetzen und während des Fluges neues Löschwasser aufnehmen.

Vergleichbar mit einem foilenden Tragflächenboot oder einem Vollgleiter „rutscht“ die Maschine dann mit etwa 130 km/h (etwa 70 kn) auf dem Wasser entlang.

Die eigentliche Wasseraufnahme während des Fluges dauert nur etwa 12 bis 14 Sekunden und erfolgt durch Füllrohre oder -klappen, die beim Gleitvorgang ins Wasser eintauchen; Hubschrauber nehmen das Wasser in einem besonderen Außenbehälter im Schwebeflug auf.

Durch eine Luke unten am Rumpf wird das Wasser binnen Sekunden in die Löschtanks gepresst. Ein knapper halber Kilometer Strecke (oder eine Viertel Seemeile) auf dem Meer oder einem See sind zumeist ausreichend, um die Löschtanks wieder befüllen zu können.

Die Phase des Fluges, in der Löschwasser aufgenommen wird, ist nicht ungefährlich

Diese Phase des Flugs, in der frisches Löschwasser aufgenommen wird, ist nicht ungefährlich – die Crew des Löschflugzeuges muss das Wetter und die Bedingungen auf See in ihre Manöver miteinberechnen: wie hoch sind die Wellen, aus welcher Richtung weht der Wind? Welche Stärke hat er?

Zu beachten ist auch, dass Löschflugzeuge unmittelbar nach der Wasseraufnahme um einige Tonnen schwerer sind, was sie schwerfälliger und langsamer beim Manövrieren macht.

Mindestens ebenso wichtig ist es jedoch für die Piloten, rechtzeitig Treibgut oder Boote und Yachten zu erkennen, welche sich in dem zur Löschwasseraufnahme vorgesehenen Gebiet befinden, denn eine Kollision des Flugzeuges mit einem Boot oder einer Yacht bei 130 km/h Geschwindigkeit hätte verheerende Folgen – für beide, Flugzeug und Boot.

 

Löschflugzeug in Kroatien im Anflug zum auftanken in der Adria.

 

Sportskipper sollten sich von den Einsatzgebieten der Löschflugzeuge fernhalten bzw. diese umgehend verlassen

Zwar werden die Piloten der Löschflugzeuge – in Abstimmung mit den Behörden – für ihre Wasseraufnahmen Gebiete wählen, in denen keine Yachten oder Schiffe unterwegs sind.

Dennoch tun Sportskipper und ihre Crews gut daran, sich von Seegebieten, in denen Löscheinsätze geflogen werden fernzuhalten bzw. diese umgehend zu verlassen, um einen Korridor für die Wasseraufnahme schaffen zu können.

Im Zweifel sollte die örtliche Feuerwehr kontaktiert werden, um betroffene Gebiete identifizieren und meiden zu können. Denn hier gilt: um so mehr Boote und Yachten auf der Wasserfläche unterwegs sind, die zur Wasseraufnahme vorgesehen ist, um so gefährlicher wird es für die Piloten, diese Manöver zu fliegen bzw. um so weiter entferntere Gebiete müssen sie anfliegen, was die Brandbekämpfung verlangsamt und erschwert.

Die Löscheinsätze sowie die betroffenen Gebiete auf See können SeaHelp gemeldet werden, um andere Skipper in der Region warnen zu können

Sollten Yacht-Crews Löschflugzeuge ausmachen und diese beim Aufnehmen des Löschwassers auf See beobachten, ist es sinnvoll, SeaHelp die Koordinaten durchzugeben. Die SeaHelp-Mitarbeiter können dann sofort eine Warnung für dieses Gebiet ausgeben, um Gefahren für eine Kollision auszuschließen bzw. zu minimieren.

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