Spätestens vor Beginn der kommenden Saison sollten sich Bootsbesitzer Gedanken über den Inhalt ihrer Kraftstofftanks machen, denn: Kraftstoff kann „schlecht“ werden – und zwar je nach Sorte unterschiedlich schnell. Für Boots- und Yachtbesitzer ist das besonders relevant, weil lange Standzeiten, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen die Alterung noch beschleunigen können. Empfehlungen für die Zeit nach der Winterpause.
Bootsbesitzer sollten sich stets Gedanken über das Alter, den Zustand und die korrekte Lagerung von Kraftstoffen machen (am besten schon beim Aufslippen der Boote im Herbst), denn Kraftstoff ist kein unbegrenzt haltbares Produkt. So beträgt die typische Haltbarkeit (ohne Additive, unter Alltagsbedingungen) etwa bei Benzin (E5 / E10) etwa nur 3 bis 6 Monate, bei Zweitaktgemisch können es (wegen des Ölanteils) sogar nur 1 bis 3 Monate sein.
Diesel (B7) hält sich etwa 6 bis 12 Monate (im Boot oft kürzer) – nur HVO / GTL-Diesel kann sich deutlich länger halten, nämlich bis zu 3 Jahre. Achtung: im Bootstank kann der Kraftstoff zudem schneller altern als im Auto, weil die Tanks im Boot oft nur teilgefüllt sind (das bedeutet mehr Luft und mehr Feuchtigkeit, wegen des Temperaturwechsels (Winterlager / Frühjahrsstart) und eines geringen Durchsatzes.
Die Kraftstoffe können auf verschiedene Art „schlecht“ werden
Wie wird der Kraftstoff „schlecht“? Hier muss man unterscheiden: bei Benzin kommt es mit der Zeit zur Verdunstung leichterer Bestandteile, was zu einer schlechteren Zündfähigkeit führt. Durch Oxidation bilden sich außerdem Harze und Ablagerungen, zudem „zieht“ Ethanol (E5 / E10) Wasser, was zu einer Phasentrennung führen kann. Folgen: schlechter Start, unrunder Lauf, verstopfte Vergaser / Injektoren – wenn nicht gar schlimmeres.
Wird Diesel zu lange gelagert, kann er altern und oxidieren. Im Ergebnis kann es zur sogenannten „Dieselpest“ kommen (Bakterien / Hefen an der Wasser-Diesel-Grenzfläche), der Kraftstoff kann verschlammen und so die Filter verstopfen. Die Folgen können sein: Leistungsverlust, Motorausfall oder / und eine teure Tankreinigung. Beim Zweitaktgemisch kann sich durch zu lange Standzeiten das Öl „entmischen“ und die Additive im Öl zerfallen. Die Folgen sind hier eine Mangelschmierung, unter Umständen droht ein Kolbenfresser.
Kraftstoff-Checkliste zu Saisonbeginn
Spätestens zu Saisonbeginn sollten Bootsbesitzer einiges beachten. Hier hat sich vor dem ersten Start eine Checkliste bewährt:
- Riechen und schauen – Benzin: riecht es „alt / lackartig“? Diesel: trüb? Schlieren? dunkle Partikel?
- Tankboden prüfen – Wasser oder Schlamm vorhanden?
- Kraftstofffilter prüfen – besonders Wasserabscheider bei Diesel
- Entscheidungshilfe: ist der Kraftstoff 6 Monate oder weniger alt, und sauber, kann er meist problemlos verwendet werden. Liegt das Alter über 12 Monaten (Benzin / Diesel), ist Vorsicht geboten, und Zweitaktgemisch, welches älter als 2 Monate ist, sollte nicht mehr verwendet werden.
Was tun mit altem Kraftstoff?
Wurde Kraftstoff im Kanister in der Garage gebunkert, gilt für Benzin / Zweitaktgemisch: nicht mehr fürs Boot verwenden, wenn überhaupt, kommt ggf. nur noch eine (stark verdünnte) Anwendung im Auto in Betracht (gilt nur nur Benzin, nicht für 2T-Gemisch).
Diesel sollte generell nur nach einer positiven Sichtprüfung und entsprechender Filterung verwendet werden – im Zweifel sollte der Kraftstoff jedoch entsorgt werden, um sich Ärger zu ersparen. Achtung: alter Kraftstoff gehört in die Schadstoff-Sammelstelle!
Befindet sich der überalterte Kraftstoff im Bootstank, sollte man ihn abpumpen oder stark mit frischem Kraftstoff verdünnen (Benzin), bei Diesel empfiehlt sich eine Tankreinigung vom Profi (bei Verdacht auf Dieselpest), und es sollten auf jeden Fall die Filter getauscht werden.
Additive können helfen, wenn sie richtig – und rechtzeitig eingesetzt werden
Viele Bootsbesitzer fragen, ob der Zusatz von Additiven helfen kann. Antwort: ja – aber nur, wenn diese korrekt eingesetzt bzw. verwendet werden. In Frage kommen bei Benzin und Diesel bestimmte Stabilisatoren, welche die Aufgabe haben, die Oxidation zu verlangsamen. Bei Diesel können zudem spezifische Biozide gegen Dieselpest helfen, sogenannte „Wasserbinder“ bei Benzin sind dagegen nur begrenzt hilfreich.
Additive können, richtig eingesetzt, zu einer längeren Lagerfähigkeit führen, Ablagerungen bis zu einem bestimmten Grad minimieren und das Risiko im Winterlager damit reduzieren. Allerdings sollte beachtet werden, dass diese keine „Wunder“ bewirken können; so wirken Additive etwa nicht rückwirkend (etwa, wenn der Kraftstoff bereits schlecht ist), eine falsche Dosierung kann mehr schaden als nutzen, und Biozide sind zudem umwelt- und gesundheitsrelevant. Auf jeden Fall gilt der Grundsatz: Additive sollten vor der Einlagerung, und nicht erst im Frühjahr zugesetzt werden.
Wie beugt man dem Schlechtwerden von Kraftstoff am besten vor?
Vor dem Winter sollte man den Tank entweder ganz voll (weniger Luft und Wasser) oder ganz leer (vor allem bei Benzin) halten, Additiv sollten rechtzeitig zugegeben werden, und man sollte kurz frischen Kraftstoff durchlaufen lassen.
Während der Saison: lieber öfter frisch nachtanken, statt monatelang stehenlassen. Wenn möglich, sollte ethanolfreies Benzin getankt werden. Bei Diesel: regelmäßig Wasserabscheider kontrollieren.
Empfehlungen für Bootsbesitzer nach der Winterpause – Zweitaktgemisch immer erneuern, Benzin älter als 1 Jahr: nicht mehr verwenden, Diesel kritisch prüfen, Filter wechseln – bei Unsicherheit gilt: abpumpen ist oft billiger als reparieren.













