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Ankern – umweltfreundlich und sicher!: Frei ankern – aber richtig!

Adriatische Seegraswiesen bedroht: Frei ankern - aber richtig!

Adriatische Seegraswiesen sind durch Küstenverlandung, verschmutzte Abwässer, Zuchtfarmen und den Einsatz von Schleppnetzen bedroht, aber auch durch freies Ankern durch Boote und Yachten. Wie man sich als Skipper korrekt verhält, zeigt Biopressadria, eine grenzüberschreitende Strategie zur Reduzierung des Verlusts der biologischen Vielfalt entlang der Adriaküste.

Viele Skipper – egal, ob Einheimische oder Touristen – befahren in der Sommersaison gern die Adria; oft sind sie einfach nur auf der Suche nach der „perfekten Urlaubsbucht zum Ankern“. Doch nur wenige der Bootsfahrer beschäftigen sich mit der Frage, welche Auswirkungen das sogenannte „freie Ankern“ auf den Meeresboden eigentlich haben kann.

Das Problem: während die Crews die Schönheit der Adria genießen, steht der Meeresboden durch das freie Ankern unter enormem Druck, was die Artenvielfalt und den Zustand des gesamten Meeres-Ökosystems bedrohen. Auf den ersten Blick mag das Ankern harmlos erscheinen, doch die Folgen können katastrophal und langanhaltend sein.

In den Managementplänen für Meeresschutzgebiete in Kroatien wird häufig darauf hingewiesen, dass der Wassertourismus bzw. das freie Ankern von Schiffen eine der größten Bedrohungen für diese Gebiete darstellt. – Kein Wunder, denn die kroatische Charterflotte gehört zu den größten der Welt. Allerdings ist die Zahl der Schiffe an der Adria während der Touristensaison deutlich höher als die Kapazität der Liegeplätze. Daher ankern viele von ihnen frei auf dem Meeresboden.

Sunce, ein kroatischer Naturschutzverein mit Sitz in Split, der 1998 gegründet wurde und als einer der größten und ältesten Umweltverbände Kroatiens gilt, analysiert seit vielen Jahren die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf Meeres- und Küsten-Ökosysteme, insbesondere auf Posidonia-Seegraswiesen, und schlägt mögliche Lösungen zu deren Reduzierung vor.

Seegraswiesen gehören zu den wichtigsten und am stärksten gefährdeten Meeres-Lebensräumen

Denn: Seegraswiesen gehören zu den wichtigsten und am stärksten gefährdeten Meeres-Lebensräumen. Sie bieten zahlreichen Meeresorganismen Nahrung, Schutz, Brut- und Entwicklungsmöglichkeiten, produzieren Sauerstoff und schützen die Küste vor Erosion.

Das Projekt Biopressadria, das 2024 startete, und an dem sich – neben anderen Partnern – auch Sunce beteiligt, hat eine Laufzeit von 30 Monaten. Ziel ist es, eine gemeinsame grenzüberschreitende Strategie zu erproben und umzusetzen, um praktische Lösungen zur Verringerung der Auswirkungen des Küsten- und Bootstourismus auf die Meeres- und Küstenbiodiversität zu finden.

„Der Bau neuer Liegeplätze führt zu einer weiteren Zerstörung der natürlichen Küsten, und das freie Ankern führt zur Zerstörung von Meereslebensräumen. Eine notwendige Voraussetzung für mehr Nachhaltigkeit ist eine strategische Berücksichtigung der Entwicklung des nautischen Tourismus durch Begrenzung der Anzahl der Schiffe, Verbesserung der Servicequalität und stärkere Investitionen in ökologische Infrastruktur und Naturschutz“, sagt Matea Špika, leitende Fachmitarbeiterin in der Abteilung für Naturschutz in Sunce.

Das freie Ankern von Schiffen führe häufig zu physischen Schäden am Meeresboden und an den Küsten-Ökosystemen

Das freie Ankern von Schiffen führe häufig zu physischen Schäden am Meeresboden und an den Küsten-Ökosystemen und stelle eine besondere Bedrohung für empfindliche Seegraswiesen dar, sagt Špika. Dieser Druck habe schwerwiegende Folgen, darunter Lebensraumverlust, Verlust der Artenvielfalt und eine allgemeine Störung des Meeres-Ökosystems.

Diese Folgen seien „in vielen Fällen irreversibel“, was bedeute, dass die Wiederherstellung bestimmter Lebensräume „oft extrem lange“ dauere. Posidonia-Wiesen wüchsen durchschnittlich nur einen Zentimeter pro Jahr, Weichkorallen wie Gorgonien bis zu etwa zwei Zentimeter und Steinkorallen noch einmal deutlich langsamer.

Durch Anker und Festmacherketten von Schiffen würden diese Wiesen unwiederbringlich zerstört und fragmentiert, was ihre Funktion unmittelbar gefährde und langfristige Folgen für den Erhalt der Meeresumwelt habe, ist sich Špika sicher.

„Posidonia-Wiesen bilden ein dichtes Netzwerk aus Wurzeln, Rhizomen, die über und im Meeresboden (hauptsächlich Sedimentgestein) bis zu mehrere Meter dicke Ablagerungen bilden, die als Matte bezeichnet werden“, sagt auch Vida Zrnčić, leitende Expertin in der Abteilung für Naturschutz. Diese Ablagerungen würden „extrem große Mengen an CO2“ binden, sodass „das Ankern in Gebieten, in denen die Posidonia ausgestorben ist, weiterhin sehr negative Auswirkungen auf die Umwelt“ habe.

Häufiges Ankern, das Aufgraben des Bodens und das damit verbundene Abreißen von Teilen der Algen begünstigt die Verbreitung der Alge Caulerpa cylindracea

Häufiges Ankern, das Aufgraben des Bodens und das damit verbundene Abreißen von Teilen der Algen begünstige die Verbreitung invasiver Arten, beispielsweise der Alge Caulerpa cylindracea, erheblich, so Zrnčić.

Ginge es nach Sunce e.V., könnte der Ankerdruck durch die Einrichtung ökologischer Ankersysteme (die in Kroatien nach Angaben der Umweltschützer noch sehr selten sind) und durch ein Verbot des Ankerns in Posidonia-Seegraswiesen außerhalb fester Ankerplätze verringert werden.

Als positive Beispiele für die Richtung, die Kroatien einschlagen sollte, nennt Sunce Frankreich und Spanien, die „am meisten getan“ hätten, um „das Ankern über Posidonia-Seegraswiesen zu regulieren und eine umweltfreundlichere Infrastruktur zu schaffen“.

Dort inzwischen vermehrt genutzte, sogenannte „ökologische Verankerungssysteme“ werden direkt in den Meeresboden „gebohrt“, daher sind ihre Auswirkungen geringer als die traditionell verwendeten Colpo-Morto -Systeme, die eine viel größere Fläche des Meeresbodens einnehmen. Colpo-Morto-System wird die Verankerung schwimmender Pontons mit Ankerketten oder alternativen Mitteln genannt, die an Betonblöcken auf dem Meeresgrund befestigt sind.

Biopressadria ermittelt und bewertet den Zustand der Lebensräume und die Belastungen durch den Wassertourismus in Pilotgebieten an der Adria

Hier kommt das Projekt Biopressadria ins Spiel, in dessen Rahmen Sunce und seine Partner den Zustand der Lebensräume und die Belastungen durch den Wassertourismus in Pilotgebieten an der Adria ermitteln und bewerten.

Hauptziel ist dabei die Umsetzung einer gemeinsamen grenzübergreifenden Strategie zur Erzielung praktischer Lösungen (wie etwa eines ökologischen Ankersystems), die die Auswirkungen des Küsten- und Wassertourismus auf die biologische Vielfalt der Meere und Küsten verringern sollen.

Bei den Charter-Crews, aber auch bei den einheimischen Bootsfahrern sollte man damit offene Türen einrennen, denn die sind meist Menschen, die das Meer lieben und es deshalb auch schützen wollen.

Ein wesentlicher Teil des Problems der negativen Auswirkungen des Ankerns liege einfach in ihrem Mangel an Informationen über die Bedeutung und Gefährdung von Seegräsern und darüber, wie die negativen Auswirkungen des Ankerns reduziert werden können, sind sich die Naturschützer sicher. Aus diesem Grund müssten sie einerseits besser informiert- und ihnen andererseits auch eine echte Alternative zum Ankern in Posidonia-Wiesen angeboten werden.

„Als ein positives Beispiel können hier die spanischen Balearen genannt werden, wo die lokalen Behörden seit Einführung des Verbots des freien Ankerns über Posidonia-Wiesen drei Jahre lang eine Informationskampagne für Bootsfahrer durchgeführt haben – und zwar ganz ohne die Absicht, Bußgelder zu verhängen. Information und Aufklärung gingen auf den Balearen den Überwachungs- und Bestrafungsmaßnahmen voraus“, sagt Špika. Mit Erfolg: innerhalb weniger Jahre sei so „eine Situation erreicht (worden), in der es (fast) keine Schiffe mehr“ gebe, die gegen das Verbot verstoßen würden, frei in Posidonia-Wiesen zu ankern.

 

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Die Sunce-Kampagne „A di se ti sidriš?“ („Wo ankerst du“) soll Bootsfahrer für das Problem sensibilisieren und sie informieren

Diesem Beispiel war Sunce gefolgt und hatte die Kampagne „A di se ti sidriš?“ („Wo ankerst du“) in Leben gerufen, um Bootsfahrer für das Problem zu sensibilisieren und sie zu informieren (Broschüre). „Diese Maßnahmen haben uns gezeigt, dass sich viele Bootsfahrer des Problems des freien Ankerns bewusst sind, insbesondere diejenigen, die bereits in Frankreich und Spanien segeln, wo seit vielen Jahren an diesem Problem gearbeitet wird“, sagt Zrnčić.

„Wenn also Ankerverbote über den äußerst wertvollen Posidonia-Wiesen eingeführt würden, würde ein Großteil der Bootsfahrer an der Adria bereits verstehen, warum – und wäre, da sind wir sicher, bereit, dies zu respektieren“.

Dem stimmt auch SeaHelp zu, bringt aber auch einen ganz praktischen Aspekt beim freien Ankern ins Spiel: „Ein Anker hält in der Regel sowieso nur auf einem sandigen Grund, in den er sich eingraben kann, gut“, gibt SeaHelp-Geschäftsführer Wolfgang Dauser zu bedenken; auf Seegraswiesen sei das ganz anders, da halte der Anker nicht so gut. Schon aus diesem Grund mache ein sandiger Ankergrund einfach „viel mehr Sinn“.

In Ufernähe könne hier auch die Verwendung von Landleinen eine sinnvolle Alternative zum Ankern sein, so der SeaHelp-Geschäftsführer weiter. Dauser: Landleinen schützen den Meeresgrund, da sich die Yachten dann eben nicht 360 Grad im Kreis nach dem Wind ausrichten und so eine verhältnismäßig große Fläche des Grundes umpflügen“.

Bis der Schutz der wertvollen Posidonia-Seegraswiesen durch Ankervorschriften abgesichert sei, sollten Bootsfahrer besonders darauf achten, wo genau Sie ankern, sagt Špika. Die leitende Fachmitarbeiterin in der Abteilung für Naturschutz bei Sunce hat fünf Tipps, die Skipper beachten sollten:

  1. Wenn Infrastruktur vorhanden ist, nutzen Sie diese und vermeiden Sie freies Ankern.
  2. Wenn Sie frei ankern, achten Sie darauf, dies nicht auf Posidonia-Wiesen zu tun.
  3. Und die Auswirkungen auf ein Minimum zu reduzieren, achten sie auf ein korrekt durchgeführtes Ankermanöver.
  4. Suchen Sie bei der Wahl des Ankerplatzes nach einem hellen Boden (z. B. Sandboden). So vermeiden Sie das Ankern in Posidonia-Wiesen.
  5. Achten Sie darauf, dass auch die Kette die Posidonia nicht berührt, da sowohl der Anker als auch die Kette negative Auswirkungen haben.

Weitere Informationen über Sunce e.V., das Biopressadria-Projekt und die Kampagne „Wo ankerst du?“ /„ A di se ti sidriš?“.

 

Sunce e.V., das Biopressadria-Projekt und die Kampagne: Wo ankerst du? (Seite 1)
Broschüre Seite 1© Sunce e.V.

 

Sunce e.V., das Biopressadria-Projekt und die Kampagne: Wo ankerst du? (Seite 2)
Broschüre Seite 2© Sunce e.V.
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