Im Juni und Juli 2025 erreichten die Oberflächentemperaturen des Mittelmeers historisch hohe Werte. Eine Folge davon ist die Zunahme von Gewitterlagen. Was Skipper bei einem Gewitter beachten sollten, haben wir schon in unserem News-Beitrag vom 17.07.2025 erläutert. Doch was tun bei Gewitter-Blitzen? Wie minimiert man das Risiko eines Blitzeinschlags? Und wie schützt man sich und das Boot am besten davor?
Der gesamte Mittelmeerraum verzeichnete jüngst einen marinen Hitzerekord, auch als Marine-Heatwave bezeichnet. Auch in den kommenden Wochen wird sich daran nicht viel ändern; zu erwarten sind weiterhin erhöhte Luft- und Wasser-Temperaturen. Die warmen Meere liefern Zusatzenergie für Gewitter – potenziell heftige Sommergewitter, Starkregen und Sturmböen besonders in Küstenregionen können deshalb gehäuft auftreten.
Bootsfahrer sollten aus diesem Grund regelmäßig auf allen verfügbaren Kanälen das Wetter vor dem Törn checken; werden Gewitterwarnungen ausgegeben, sollten diese auch ernst genommen und rechtzeitig gut geschützte Häfen oder geeignete Schutzbuchten angesteuert werden. Was generell bei einem drohenden Gewitter zu beachten ist, haben wir in unserem News-Beitrag vom 25.05.2021 ausführlich erläutert.
Doch was ist bei einem (Segel-) Boot zu beachten, wenn bei einem Gewitter der Blitz einschlägt? Wie kann ich ggf. vorher Schäden vermeiden oder minimieren? Und: sollte ich bei einem Gewitter überhaupt an Bord bleiben?
Ein Blitzeinschlag auf einem Segelboot ist zwar selten – aber extrem gefährlich
Ein Blitzeinschlag auf einem Segelboot ist zwar selten – aber extrem gefährlich. Segelboote mit ihren hohen Masten sind nicht nur auf See exponiert und wirken auf Blitze wie Antennen. Schlägt der Blitz in einen Mast ein, sucht er sich den kürzesten Weg zur Erde – beim Segelboot typischerweise vom Mast über die Riggteile ins Wasser.
Dabei entstehen sehr hohe elektrische Ströme – das kann die Elektronik zerstören, Löcher in Rumpf oder Mast brennen, ein Feuer verursachen und die an Bord befindlichen Menschen gefährden.
Nach Angaben von Versicherer Pantaenius nehmen Schäden durch Blitzschlag zu. In den vergangenen Jahren habe sich die Anzahl entsprechender Ereignisse verdreifacht. Der relative Anteil an der Gesamtschadenssumme betrage heute bereits rund zehn Prozent, Tendenz steigend.
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Empfohlen wird eine ordnungsgemäß installierte Blitzschutzanlage
Die Auswirkungen eines direkten oder indirekten Blitzschlags könnten stark variieren, würden jedoch häufig eine erhebliche Gefahr für Mensch und Material bedeuten, warnt der Versicherer. Selbst Tage nach einem unbemerkten Blitzeinschlag komme es vor, dass Boote am Steg plötzlich sinken würden; ob und wie ein Boot eine Gewitterfront überstehe, sei jedoch nicht allein eine Frage des Glücks: empfohlen werde eine ordnungsgemäß installierte Blitzschutzanlage.
Ein technisch funktionsfähiger Blitzschutz werde in der Regel durch eine Kombination aus Blitzableitung und Überspannungsschutz gewährleistet. Dies werde erreicht, indem alle leitenden Teile an Bord miteinander sowie mit der Erdung verbunden und somit auf ein einheitliches elektrisches Potential gebracht werden.
Je nach angestrebter Schutzklasse und Beschaffenheit des Bootes müssten dazu eine oder mehrere Fangstangen aus Kupfer oder Stahl auf Masttopp und anderen exponierten Teilen montiert werden. Über die Fangstange werde die Energie des Blitzes dann zur Erdung abgeleitet; auf Segelyachten geschehe dies über den Metallmast sowie über Wanten und Stagen.
Segelyachten mit Holzmast sowie Motoryachten nutzen am besten ein Kupferkabel zur Ableitung des Stroms in Richtung Erdung
Segelyachten mit Holzmast sowie Motoryachten sollten am besten ein Kupferkabel zur Ableitung des Stroms in Richtung Erdung nutzen, rät Pantaenius; in jedem Fall müsse auf eine ausreichende Dimensionierung der Fangstange(n) und der Ableiter geachtet werden. Die Erdung erfolge durch einen Stahlrumpf, eine eingesetzte Erdungsplatte oder den Kiel.
Überspannungs-Schutzschalter würden zudem die bei auftretenden Überspannungen nachfolgend angeschlossene Geräte wie Navigationsausrüstung, Beleuchtung des Schiffes sowie andere an Bord angeschlossene elektrische Geräte, schützen, rät der Versicherer. Diese Form des Blitzschutzes verhindere Schäden, die durch induktive und kapazitive Überspannungen auftreten können, wenn Blitze im unmittelbaren Umfeld der Yacht einschlagen würden.
An Bord in der Kajüte weit genug entfernt von Kabeln, Metallteilen oder dem Rigg aufhalten
In Häfen sollte man möglichst an sicheren Stegen bleiben, mit ausreichendem Abstand zu den Metallmasten anderer Boote. Generell gilt: auf keinen Fall den Mast oder Metallteile berühren. Insbesondere sollte man den Bereich beim und unter dem Mastfuß meiden (wenn dieser z.B. auf dem Deck steht), dort ist im Zweifelsfall die Ableitung aktiv. Personen an Bord sollten niedrige Position einnehmen, möglichst in der Kajüte – und weit genug entfernt von Kabeln, Metallteilen und dem Rigg.
Für Yachten, die in einer geschützten Marina liegen, bzw. an einer sicheren Ankerboje festgemacht haben, gilt: das Boot / die Yacht sollte vom Landstrom getrennt werden, alle Sicherungen sollten ausgeschaltet werden, und alle Elektrogeräte ausgesteckt bzw. vom Bordnetz getrennt werden. Weiterhin sollten alle Hauptschalter (Service, Motor, Generator, Bugstrahlruder, Ankerwinsch etc.) ausgeschaltet sein.
Zum Schutz vor Beschädigungen durch Blitzeinschlag sollte die Yacht vom Landstrom getrennt werden und alle Sicherungen ausgeschaltet werden
Mobiltelefone sollten von den Ladekabeln getrennt werden, Handfunkgeräte von der Ladestation entfernt werden; auch die Navigation-Elektronik sollte, wenn möglich, vom Bordnetz getrennt werden, das gilt auch für alle Netzwerkkabel. Kompakte Elektronik sollte in eine verschlossene Metallbox gepackt werden – zur Not reicht auch der bordeigene Backofen.
Nur so kann sichergestellt werden, dass bei einem Blitzeinschlag nicht die gesamte Elektronik beschädigt wird und nach einem Blitzeinschlag zumindest Teile der Elektronik wieder benutzbar sind.
Anmerkung eines Lesers (Physiker): „Selbst wenn man bei einem Gewitter in einer geschützten Bucht liegt und der Blitz in einen Baum am Ufer einschlägt, können die elektrischen Felder des Blitzes alles, was elektronisch ist, zerstören“. Im allerschlimmsten Fall würde man sich in eine geschützte und abgelegene Bucht retten und würde dort ohne Nachbarn liegen. Wenn dann der Blitz einschlüge, es Verletzte an Bord gäbe und der Seefunk kaputt wäre, wäre „ein funktionierendes Handy aus dem Backofen mit Sea-Help App und SOS-Funktion dann ein Segen“.
Skipper, die nicht sicher liegen (das könnte durchaus auch in einer Marina oder an einer Ankerboje der Fall sein) sollten den Motor starten, damit sie im gegebenen Fall mit Motorkraft „dagegenhalten“ können. Auch hier gilt jedoch: die nicht verwendeten / benötigten Elektrogeräte- wie oben aufgelistet- sollten unbedingt vom Bordnetz getrennt werden.
Sollte doch einmal ein Blitz im Boot eingeschlagen haben, sollten Elektrik, Elektronik und der Rumpf genau inspiziert werden. Auch auf Haarrisse im GFK-Rumpf sollte geachtet werden. Ggf. ist für die Prüfung eine Fachfirma zu beauftragen. Wichtig: die Versicherung sollte unverzüglich kontaktiert werden – viele Policen decken Blitzeinschläge ab. Zu diesem Zweck sollten Fotos gemacht und mit eingereicht werden.










