Dieselpest gerade bei längerem Aufenthalt im Winterlager ein Problem: Neutraler Additiv-Test gibt Aufschluss, welche Additive gegen Dieselpest wirken

Yacht und Boot: Dieselpest im Winterlager mit Additiv vorbeugen
Nicht schön, dafür aber gefährlich für die Tankwände. Der Schleim fördert Korrosion selbst in Edelstahltanks.

Darunter litten in diesem Jahr nicht nur die Eigner, sondern auch der Kraftstoff in Form von Dieselpest: Wegen der Corona-Pandemie blieben im Jahr 2020 zahlreiche Schiffe deutlich länger im Winterlager, als eigentlich gedacht. Ein im wahrsten Sinne des Wortes gefundenes Fressen für Bakterien, Hefen und Fadenpilze, die sich in den Dieseltanks bestens ausbreiten konnten. Auch wenn die Folgen der Dieselpest, verschmutzte Kraftstofffilter, ausfallende Motoren und Schäden am Tank sowie am Kraftstoffsystem nicht sofort bemerkt werden, früher oder später ist die Chance groß, dass es die betroffenen Skipper genau in dem Moment erwischt, in dem sie die oben geschilderten Folgen überhaupt nicht gebrauchen können.

Dieselpest-Additive auch für Privatanwender

Die Additivindustrie hatte zur Vermeidung der Dieselpest mit biozidhaltigen Additiven ein wirksames Gegenmittel entwickelt, mit der Novellierung der Chemikalien-Verbotsverordnung sind aber genau diese biozidhaltigen Additive zumindest in der Hand von Privatanwendern verboten. Abgegeben werden dürfen sie EU-weit nur noch an Gewerbetreibende. Für sie ist der Marktführer Grotamar weiterhin käuflich zu erwerben. Aber auch die Hersteller ERC und Liqui Moly waren bei ihrer Forschung nach Additiven, die auch von Privatleuten genutzt werden können, sehr erfolgreich im Kampf gegen die Dieselpest.

Erster Test der neuen Additiv-Generation

Da die oftmals vollmundigen Werbeaussagen der Additiv-Hersteller von Endkunden nur schwer oder gar nicht überprüfbar sind, haben wir dies zum Anlass genommen, uns mit einem neutralen Test in einem zertifizierten Prüflabor mit der Wirkungsweise verschiedener Additive auseinanderzusetzen. Hier sollte sich die Spreu der unseriösen Hersteller von dem Weizen der seriösen Marktteilnehmer hinsichtlich der Aussagen zum Thema Dieselpest trennen. Und weil auch immer mehr Anbieter von sogenannten Enzymadditiven auf den Markt drängen, wurden auch die bekannten Hersteller von XBEE und regiLiQ als Vertreter dieser Gattung in den Test mit einbezogen.

ASG – unser neutrales Prüflabor

Zur Wahrung der größtmöglichen Neutralität im Test der Produkte gegen die Dieselpest ging der Auftrag mit der Durchführung der Untersuchungen an die ASG Analytik-Service-Gesellschaft in Neusäß. Die ASG gilt als anerkanntes, neutrales Prüflabor, führt seit 1992 chemische Analysen für ihre Kunden durch und ist seit 1998 für die Analytik zahlreicher fossiler und biogener Kraftstoffe akkreditiert. Zu ihren Kunden zählen Industriepartner, der Handel, Behörden sowie Dienstleister der Mineralöl- und Automobilindustrie. Kurzum: Die ASG Analytik zählt zu den ersten Adressen, wenn es um unabhängige, neutrale Kraftstoffproben geht.

„Platzhirsch“ Grotamar auch dabei

Um die Dieselpest-Prüfungen ordnungsgemäß durchzuführen, wurde zunächst bakteriell belasteter Diesel (Dieselpest) im Labor auf den Grad der Belastung hin geprüft. Den lieferte übrigens das in Skipperkreisen durchaus bekannte Unternehmen MFT Mikrofiltertechnik aus Geesthacht. Danach kamen die Probanden ins Spiel: Ein Enzymadditiv von XBEE und reguLiQ sowie Grotamar 71, Liqui Moly Dieselschutz und das Diesel Plus von ERC. Die Produkte von Liqui Moly und ERC dürften in diesem Zusammenhang besonders interessant sein, da sie als Nachfolgeprodukte der nur besonders qualifizierten Anwendern vorbehaltenen Biozid-Additive gegen die Dieselpest auch von „normalen“ Endverbrauchern benutzt werden können. Ihre Wirkungsweise hinsichtlich der Dieselpest wurde bisher noch keinem neutralen Labortest unterzogen.

Liqui Moly, ERC und Grotamar top – Enzymadditive versagen

Nachdem der mit Bakterien belastete, zuvor untersuchte Ausgangskraftstoff entsprechend der Dosierempfehlungen der jeweiligen Additivhersteller mit den Additiven versetzt wurde, hieß es zunächst einmal: Warten. Nach Ablauf der für Beprobungen dieser Art vorgeschriebenen Warte- bzw. Einwirkzeit bestätigten die Testergebnisse die Befürchtung der Kraftstoff- und Additivexperten: Keine antibakterielle Wirkung bei den beiden Enzymadditiven, hier hatte sich der Zustand des Ausgangskraftstoffs über die vorgeschriebene Einwirkdauer sogar noch verschlimmert.

Zuverlässig hingegen die Wirkungsweise der „traditionellen“ Produkte: Liqui Moly Dieselschutz, ERC Diesel Plus (beide für Endanwender) und Grotamar 71 vernichteten zuverlässig messbar Bakterien, Hefen und Fadenpilze. Beim XBEE-Additiv stieg während des Testzeitraums die Anzahl der Bakterien weiter an, zusätzlich waren Hefen und Spuren von Fadenpilzen feststellbar. Vereinfacht gesagt und für Laien verständlich: Das Produkt zeigte keine Wirkung, das Bakterienwachstum verstärkte sich über den Testzeitraum sogar noch.

Ähnlich verhält es sich auch mit den reguLiQ-Additiven: Auf der Homepage wird noch zum Zeitpunkt des Tests versprochen, dass Hefen, Pilze, Keime und Bakterien aufgelöst werden. Der Test ergab jedoch, dass nach dem Beprobungszeitraum sowohl mehr Bakterien als auch Hefen in der Probe auffindbar waren.

Exkurs: Entwicklung Dieselpest

Um das Ergebnis in Bezug auf die Dieselpest zu werten, hier ein kleiner, hoffentlich verständlicher Exkurs in die Kraftstoff-Chemie: Bakterien sind immer die ersten, die sich bilden (sog. „Prokarioten“). Die Bakterien führen im Kraftstoff zwar zur Alterung, sind aber an sich für die Funktionsweise des Motors zunächst einmal unschädlich. Von den Bakterien ernähren sich allerdings die Hefen und Pilze (sog. „Eukarioten“), die Zellagglomerate bilden, also Aufwuchs erzeugen, letztlich die eigentliche, sichtbare Dieselpest. Neben der Tatsache, dass dadurch über die häufig korrosiven „Ausscheidungen“ Rostnester entstehen können, neigen sie bei Ablösung von den Oberflächen dazu, das System mit den Rückständen der Dieselpest zu verstopfen.

MFT Mikrofiltertechnik: „Dieselpest frisst Löcher in den Tank“

In diesem Zusammenhang lieferten die Tankreiniger der MFT Mikrofiltertechnik völlig neue Erkenntnisse: Bei ihrer letzten Kroatien-Tour, die auf Initiative von SeaHelp stattfand, stellten sie erstmals fest, dass einige Tanks durch die Hinterlassenschaften der Bakterien im wahrsten Sinne des Wortes stark „angefressen“ waren. Christian Burmester: „Die Tanks ließen sich mit einem Schraubendreher problemlos durchstoßen. Diese Entwicklung haben wir in Bezug auf Dieselpest so erstmals festgestellt.“

 

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Interpretation der Dieselpest-Prüfungen

Um die Tabelle mit den Testergebnissen richtig zu interpretieren, hier erst einmal eine kurze Vorbemerkung: Die Menge der Bakterien und Hefen werden als koloniebildende Einheit (KBE) in der Zehnerpotenz (10² entspricht also 10×10=100; 10³ entspricht 10x10x10=1000; … usw.) dargestellt. Diese Größeneinheit wird bei der Ermittlung der Anzahl lebender Mikroorganismen benutzt und bezeichnet einzelne oder mehrere zusammenhängende Individuen von Mikroorganismen, die durch ihre Vermehrung in oder auf einem Nährmedium eine Kolonie bilden, die sogenannte Dieselpest.

In der oberen Zeile ist die Ausgangssituation der untersuchten Dieselprobe dargestellt, die mit den Additiven behandelt wurde. Dabei wurden Bakterien und eine Vielzahl von Spuren der Fadenspilze nachgewiesen, Hefen hingegen nicht.

Die Zu- und Abnahmen der Messergebnisse scheinen auf den ersten Blick gering zu sein, es handelt sich aber bei genauer Betrachtung um absolut signifikante Größenordnungen, da die Veränderung um nur eine Zehnerpotenz eine Verzehnfachung der nachgewiesenen Anzahl bzw. die entsprechende Abnahme um den Faktor 10 pro Milliliter Kraftstoffprobe bedeutet.

In der mit dem XBEE versetzten Probe wurde nach dem Beprobungs-Zeitraum somit eine deutliche Zunahme der Bakterien, eine sehr deutliche Zunahme der Hefen und eine leichte Abnahme der Fadenpilze nachgewiesen. Ähnlich verhielt es sich bei der Probe, die mit dem Reguliq-Additiv versetzt war. Bakterien und Hefen nahmen massiv zu, Fadenpilze waren nicht nachweisbar. Dennoch: Eine Eignung zur Vermeidung der Dieselpest kann man beiden Produkten nach den Testergebnissen absprechen.

 

Prüfbericht Dieselpest: Diesel + Additive
Testergebnisse der Laboruntersuchungen: Mit Dieselpest „verseuchter“ Diesel wurde zunächst einer Eingangkontrolle unterzogen, dann die nach Dosierempfehlung entsprechende Menge an Additiven zugefügt und schließlich deren Wirkung labortechnisch mit den Daten der Eingangskontrolle abgeglichen.

 

Das Liqui Moly-Additiv und das ERC-Additiv schützen vor Dieselpest

Beim frei verkäuflichen Liqui Moly Dieselschutz gegen Dieselpest ließ sich eine sehr deutliche Abnahme der Bakterien zu beobachten, Hefen und Fadenpilze waren nicht mehr nachweisbar, ebenso wie beim ebenfalls frei verkäuflichen Diesel Plus Additiv gegen Dieselpest von ERC (untere Zeile).

Weder Bakterien noch Hefen oder Fadenpilze wies auch die Probe beim Grotamar 71 Additiv auf. Dieses Additiv gegen Dieselpest ist jedoch nicht für den freien Verkauf an Endkonsumenten zugelassen. Es kann aber z.B. über Tankreiniger, Marinas, Serviceunternehmen oder Tankstellenbetreiber zum Kraftstoff hinzugefügt werden oder an Gewerbetreibende verkauft werden und gilt ebenfalls als wirksamer Schutz gegen Dieselpest.

Urteil zum Thema Enzymadditive

Enzymadditive sollten für Skipper allerdings generell kein Thema sein. In diesem Zusammenhang sei auf ein Urteil das Landgerichts Karlsruhe verwiesen, das die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs Frankfurt am Main e.V. unter Aktenzeichen 13 O 44/14 KfH 1 erwirkte. Darin wird der Blackpower GmbH gerichtlich untersagt, mit Aussagen wie universelle Funktionalität in fossilen Kraftstoffen und Biokraftstoffen, bessere Verbrennung mit 6 % bis 15 % Kraftstoffeinsparung sowie reduzierte Schadstoffemissionen und deutlich verringertem Kraftstoffverbrauch zu werben. Insbesondere monierte das Gericht die „fehlende wissenschaftliche Grundlage für die aufgestellten Wirkungsbehauptungen“, wie aus dem Urteil hervor geht.

Praxistest SeaHelp: Additive wirken

Wie sich das ERC-Additiv gegen Dieselpest in der Praxis gewährte, konnte SeaHelp mit einem eigenen Test bestätigen: Nach einem Jahr regelmäßiger Anwendung gemäß Dosierempfehlung blieb der Tank der Yacht glänzend sauber, von den Hinterlassenschaften der Bakterien bei Tankkontrolle auf Dieselpest nach einem Jahr war nichts zu sehen. Auch die Kraftstofffilter wiesen keinerlei Anzeichen der Dieselpest auf. Um auch hier Neutralität zu wahren: Gemäß der chemischen Zusammensetzung der jeweiligen Produkte gegen Dieselpest und der Ergebnisse der Untersuchung wäre ein ähnliches Ergebnis auch von dem Liqui Moly-Produkt zu erwarten gewesen.

 

Yacht und Boot: Dieselpest im Winterlager mit Additiv vorbeugen
Die Hinterlassenschaften der Bakterien. Sie setzen sich im Tank ab. Bei Wellengang gelangen sie dann in die Kraftstofffilter und führen zur einer Verstopfung der Filter.

 

Yacht und Boot: Dieselpest im Winterlager mit Additiv vorbeugen
Öffnet man die Revisionsluke, gibt sie den Blick ins Innere des Tanks frei.

 

Yacht und Boot: Dieselpest im Winterlager mit Additiv vorbeugen
So sah der Tank nach dem SeaHelp-Test mit dem ERC-Additiv aus. Blitzblanke Tankwände, keine Beeinträchtigung der Funktionen.

 

Yacht und Boot: Dieselpest im Winterlager mit Additiv vorbeugen
Wer seinen Tank regelmäßig kontrollieren will, sollte sich ein solche Revisionsöffnung einbauen lassen. Das geht aber auch mit etwas handwerklichem Geschick in Eigenarbeit.
SeaHelp

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