„Grüne Linie“ auf den Balearen: Gesetzentwurf verbietet Verbrenner-Charterboote ab 2030

Keine Frage – der cambio climático, der Klimawandel, mit seinen teilweise extremen Wetterereignissen hat auch auf den Balearen (Mallorca, Ibiza, Menorca, …) ganz konkrete Auswirkungen. Doch was tun? Hier ist vor allem eigenverantwortliches, umweltbewusstes Handeln gefragt. Das betrifft den privaten- wie den Wirtschaftssektor gleichermaßen.

Als privater, ausländischer Tourist kann man beispielsweise, statt öfter zu Kurzurlauben auf die Balearen zu fliegen, seltener reisen, dafür aber länger bleiben. Wer weniger Fleisch isst, begegnet dem Klimakiller Massenzuchthaltung. Wer Solarzellen auf dem Dach seines Hauses installiert, verhindert Emissionen. So weit, so gut, denn: diese Initiativen waren – bis jetzt – freiwillig.

Bis 2030 sollen nur noch Elektro-Yachten auf Mallorca und den Nachbarinseln vermietet werden dürfen

Drei Jahre ist es her, dass die balearische Landesregierung ein Gesetz verabschiedete, das regelt, wie Mallorca und die Nachbarinseln die Ziele im Kampf gegen den Klimawandel erreichen wollen. Um auch die Wirtschaft auf Mallorca und den Schwesterinseln auf eine „grüne Linie“ zu bringen, sollen bis 2030 nur noch Elektro-Yachten auf Mallorca und den Nachbarinseln vermietet werden dürfen.

So sieht es jedenfalls ein „Entwurf zur Änderung des regionalen Klimawandel-Gesetzes“ vor, das vom balearischen Energieministerium unter Juan Pedro Yllanes ausgearbeitet wurde, wie die Mallorca-Zeitung am 26.10.2022 berichtete.

Bootsvermieter sollen ihr Flotte auf- und umrüsten, bis sie in acht Jahren völlig emissionsfrei ist

Demnach sollen die Bootsvermieter nach und nach ihre Flotte aufrüsten, bis sie in acht Jahren keine Emissionen mehr produzieren. Das habe zu einem „Aufschrei in der Branche“ geführt, Yacht-Vermieter seien „verärgert“ und würden gar vom „Ende für ihre Branche“ sprechen, titelt die Mallorca-Zeitung, denn, so die Argumentation des Chefs des balearischen Yachtcharterverbandes José María Jiménez, das Angebot an Elektrobooten auf dem Markt sei „begrenzt“, und die Schiffsbatterien würden „explodieren, wenn sie mit Salzwasser in Berührung“ kommen würden.

Dass es auch anders geht – und Schiffsbatterien durchaus sicher sein können – zeigt etwa die Firma Natural Yachts aus Heeg. Das Familienunternehmen entwickelt, vermietet und verkauft moderne, luxuriöse – vor allem aber 100 Prozent elektrische – Motor- und Segelyachten, darunter den schwedischen Hightech-Tender Eelex 8000, die luxuriöse 12-Meter-Motoryacht Northman 1200 Electric sowie eine neun Meter lange Motoryacht des Typs Nexus Revo 870 Electric.

Ein nachhaltiges touristisches Angebot ist keine Zukunftsmusik, sondern schon jetzt eine machbare Realität

Die globale Erwärmung habe weitreichende Folgen und führe zu extremen Wetterereignissen wie Überschwemmungen, Waldbränden und dem Abschmelzen der Eiskappen, sagen Josien und Sarah Poorting von Natural Yachts; der Tourismus sei für etwa acht Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Mit der hundertprozentig elektrischen Mietflotte zeige Natural Yachts, dass ein nachhaltiges touristisches Angebot keine Zukunftsmusik, sondern schon jetzt eine machbare Realität sei.

Viele Bootshersteller beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit der Herstellung elektrisch angetriebener Boote und Yachten: Greenline war einer der Vorreiter in der Branche, Frauscher stellte jüngst sein zweirumpfiges Elektroboot TimeSquare 20 vor – angetrieben mit der bewährten und ausgereiften E-Power von Torqeedo, Axopar stellte in Cannes ein E-Motorboot vor, und sogar die renommierte Luxuswerft Riva zeigte auf dem Yacht-Festival in Cannes eine neues Elektro-Boot – nur einige Beispiele für eine Branche im Wandel.

Von einem „Ende der Branche“ kann keine Rede sein; der Gesetzesentwurf sollte vielmehr als Chance begriffen werden

Von einem „Ende der Branche“, wie von den Bootsvermietern auf den Balearen befürchtet, kann also keine Rede sein. Was auf der Straße bereits festgeschrieben ist, wird – konsequenterweise – nun in absehbarer Zeit auch auf dem Wasser Realität. In ihrem neuen Klima-Plan „Fit for 55“ fordert die EU-Kommission für das Jahr 2035, die jährlichen CO2-Emissionen neuer Fahrzeuge auf null zu reduzieren.

Spätestens dann könnten nur noch reine E-Autos oder Pkw, die mit Wasserstoff, Biokraftstoff oder E-Fuels betankt werden, neu zugelassen werden. Noch rigoroser geht Norwegen vor: das Nicht-EU-Land plant sogar ein Verbrenner-Verbot bereits ab 2025.

Statt das Vorhaben der Regionalregierung der Balearen wie Charter-Präsident Jiménez als (laut MZ) „völlig undurchführbar“ zu bezeichnen und mit allen Mitteln zu bekämpfen, kann man den „Entwurf zur Änderung des regionalen Klimawandel-Gesetzes“ auch als Chance für eine Branche begreifen, die nach eigenen Aussagen 3.500 Boote auf den Balearen betreibt und rund 4.000 Arbeitsplätze sichert. Und schließlich – acht Jahre sind eine lange Zeit, genug Zeit jedenfalls, um die Flotten strukturiert und in aller Ruhe auf- oder umzurüsten zu können.

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