Sicher Ankern: Die sechs größten Irrtümer zum Thema Ankern

Richtig Ankern: Untergrund

Ankern sieht oft einfach aus, erfordert aber Zeit und die Einhaltung weniger einfacher Routinen, wenn es sicher sein soll. Zum Saisonstart eine kurze Übersicht über die größten Irrtümer beim Ankern – und die wichtigsten Regeln.

„Anker-Manöver? Muss flott gehen. Und cool aussehen!“

Keine Frage – nichts zieht die Blicke mehr auf sich wie eine Yacht, die elegant in die Bucht steuert. Gekonnt aufstoppt. Ihren Anker fallen lässt und auf der die Crew ins Wasser hüpft, kaum dass der Skipper den Motor abstellt. Sommerfreuden pur – und ganz nebenbei sieht es so aus, als ob der Skipper sein Handwerk versteht.

Geht Ankern wirklich so einfach? Was lässig aussieht, ist oft Nachlässigkeit. Und meist liegt man ja damit auch nicht verkehrt. Das Wetter ist schön. Was soll schon schiefgehen, sagt die Sorglosigkeit. Aber damit der ersehnte Törn auch wirklich ein Traumtörn wird, sollte man sich kurz vorher in Erinnerung rufen, wie das mit dem Ankern richtig geht.

„Ist doch bloß ein kurzer Badestopp. Wir bleiben ja nicht lang.“

Klarer Himmel. Stille See. Nur ein leises Kräuseln auf dem Wasser in der Bucht. Der Skipper hat soviel Kette draußen, dass der Anker gerade am Grund liegt. „Wozu jetzt für den kurzen Badestopp den Anker einfahren?“, werden selbst erfahrene Kroatienfahrer sagen.

Wolfgang Dauser, Gründer und Geschäftsführer von SeaHelp, weiß es besser. „Ursache für viele SeaHelp-Einsätze ist der sogenannte Badestopp bei besten Bedingungen. Wenn einige Seemeilen weiter draußen eine Fähre die Bucht passiert, kommt es häufig vor, dass der Fährenschwell die nachlässig verankerten Yachten unvorbereitet trifft – und 5-10 Meter nach hinten versetzt. Das reicht für Grundberührungen und heftige Kollisionen mit anderen Booten.“

 

Richtig Ankern: Der richtige Ankerplatz

 

„Ich hab ziemlich viel Kette draußen!“

Auch im aktuellen Interview im KROATIEN-SPEZIAL der Zeitschrift YACHT spricht Wolfgang Dauser über einen der häufigsten seemännischen Fehler, die hinter solchen Havarien stehen: „In 70 bis 80 Prozent aller Fälle ist zu wenig Kette gesteckt. Oder es wurde zu nah an den Felsen geankert.“

Richtig ist: Mindestens die fünffache Kettenlänge der Wassertiefe braucht es, um sicher zu liegen – also beispielsweise auf 5 Meter Wassertiefe 25 Meter Kette. Aber leicht täuscht man sich über die Länge, die wirklich draußen ist. Um sie zu kontrollieren, sind auf Charteryachten oft Markierungen an Ketten angebracht. Und wenn nicht? Das einfachste Verfahren, um sich auch ohne Markierungen nicht über die ausgegebene Kettenlänge zu täuschen, geht so:

  1. Vor dem Ankermanöver kurz probieren, wieviele Meter die Ankerwinsch pro Sekunde ausgibt. Meist wird es beim Fallen ungefähr 1 Meter pro Sekunde sein.
  2. Ab dem Kommando „Lass fallen!“ zählen Skipper und Crew langsam bis 25 und stoppen dann die Ankerwinsch, während der Skipper die Yacht behutsam mit dem Wind kurz im Tuckergang rückwärts steuert. Es sollten nun circa 25 Meter Kette draußen sein.

Auf die Wassertiefe achten sollte man vor allem an steil abfallenden Ufern, wie man sie in der Bucht um die Inselhauptstadt Cres und vor allem in südkroatischen Ankerbuchten antrifft. Hier gilt: Die Wassertiefe nicht gemessen unter dem Kiel, sondern unter der Ankerwinsch, also im Bug. Das können im Zweifel 2-3 Meter Wassertiefe mehr als unter dem Kiel sein.

 

„Der hält!“

Hält er wirklich? Um seiner Sache sicher sein zu können, gibts nur eines: Testen! Ankern ohne Test ist wie Autofahren ohne Gurt – man weiß nicht, wo und wie man im Fall des Falles aufschlagen wird. Testen geht auf mehrere Arten:

Testen unter Motor:

  1. Während der Skipper die Yacht langsam mit dem Wind rückwärts steuert, kuppelt er aus und lässt die Yacht weiter treiben, bis die Crew am Ankerspill signalisiert: „Kette gespannt!“
  2. Dann kurz einkuppeln und vorsichtig im Tuckergang kurz rückwärts ziehen.
  3. Bleibt die Kette gespannt und hält der Anker, vorsichtig mit mehr Gas testen.
  4. Hüpft die Kette auf dem Kettenrad im Bug oder am Ankerspill, hüpft auch der Anker über den Grund – er hält nicht und schliert über den Boden. Dann gibts nur eines: Ankermanöver noch mal von vorn beginnen und wiederholen. Solange, bis der Anker hält.

Mit Peilmarken am Ufer kontrollieren.

  1. Ist die Ankerkette gespannt, beobachten Skipper und Crew eine zuvor am Ufer gewählte Peilmarke: Zwei Bäume, die am Hang in einiger Entfernung hintereinander genau in Deckpeilung stehen. Ein Strommast in Deckpeilung mit dem Kamin eines entfernten Hauses.
  2. Bewegen sich die beiden angepeilten Punkte nicht auseinander, hält der Anker. Bewegen sie sich, schliert der Anker. Ankermanöver noch mal von vorn beginnen.

Nachsehen gehen.

Mit Schnorchel und Taucherbrille ins Wasser gehen. Zum Anker schnorcheln und nachsehen, ob sich der Anker ordentlich im Sand oder Geröll eingegraben hat. Oder ob er nur mit der Spitze an einer Felsnase hängt oder nur faul auf der Seite oder locker auf Seegras liegt. Denn so wird er nicht halten. Für diesen Test benötigt man idealerweise 5 Meter Wassertiefe. Ab 10 Metern verschwindet der Anker je nach Lichtverhältnissen oft schon im Dunklen.

Übrigens: Wer die Nacht über in Ankerbuchten ruhig schlafen will, wenn draußen der Wind weht, wendet alle drei Verfahren an. Und zwar bei jedem Ankermanöver. An jedem Nachtankerplatz. Auch bei besten Bedingungen.

 

Richtig Ankern: zwei Anker

 

„Mit meinem Anker ankere ich überall.“

Vertrauen in seine Ausrüstung ist gut. Man sollte allerdings den Grund kennen – vor allem den Grund unter dem Boot. Auf der Suche nach einem Ankerplatz sollte man nach geeigneten Flächen mit Sand Ausschau halten, in dem Anker den besten Halt finden. Seegras ist weniger geeignet, abgesehen vom schlechteren Halt auf dem schlüpfrigen Seegrasbüscheln zerstören Anker die wertvollen Posidonia-Felder, was beispielsweise auf den Balearen von eigens hierfür engagierten Naturschutzwächtern scharf überwacht und strikt geahndet wird.

Felsplatten sind ebenfalls zweite Wahl und nur für Kurzzeit-Ankern in geringeren Wassertiefen von 4-5 Metern brauchbar, um im Zweifel hinuntertauchen oder sich selbst helfen zu können. Ungeeignet sind spaltendurchsetzte Felsplatten oder sonstige Felsformationen, in denen sich der Anker verhaken kann. Sollte sich trotzdem mal der Anker beim Buchteln verklemmen: SeaHelp hilft!

„Wir ankern zu zweit im Päckchen. Wenn jeder seinen Anker draußen hat, liegen wir noch sicherer!“

Klingt logisch, kann aber fatal enden. Wenn die beiden Yachten von Strom oder Wind ins Schwojen kommen, wenn nächtliche Böen aus unterschiedlichen Richtungen die Yachten im Kreis tanzen lassen, wird der vermeintliche Sicherheitsaspekt zum Notfall. Eine einzige stille Drehung im Kreis reicht, und der Kettensalat ist fertig. Die Yachten hängen auf Gedeih und Verderb aneinander. Oder sind nur noch durch Lösen und Aufgabe des Ankergeschirrs zu trennen – ein Manöver, das vor allem bei kritischen Wetterbedingungen gefährlich ist.

Tipp der SeaHelp-Redaktion:

Wer sich vor dem Törn noch mehr zum Thema Ankern wie die richtige Reihenfolge beim Ankern von A bis Z in Erinnerung rufen will, liest auch „Ankern, aber richtig: 10 Tipps für das perfekte Ankermanöver“ und „Richtiges Ankern: Was jeder Skipper beachten sollte„.

Ankerbuchten finden Sie in unserer SeaHelp-App auf der „Infokarte“, mit vielen Drohnenfotos, Drohnenvideos und 360 Grad-Bilder, so kann man sich bereits viele Buchten im voraus anschauen und seinen Törn perfekt planen.

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