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Einwinterung von Booten und Yachten: Benzin und Diesel halten nicht ewig

Schnee und Eis bedeckte Küste in Kroatien
© Miroslav Svetec

Wenn der Sommer dem Ende entgegen geht, sollte man sich schon mal Gedanken machen über das Einwintern der Boote und Yachten, denn insbesondere die Tanks für Diesel und Benzin benötigen jetzt besondere Zuwendung. Das gilt für Wasserfahrzeuge, aber auch für alle weiteren Motorgeräte daheim, die mit Benzin oder Diesel betrieben werden, denn Kraftstoffe halten entgegen der allgemeinen Meinung nicht ewig. Schon ein halbes Jahr ungenutzter Verbleib im Tank kann ausreichen, um die Kraftstoffeigenschaften von Benzin oder Diesel so weit zu verändern, dass moderne Motoren Schaden nehmen können. Drei Monate – oder besser gesagt 90 Tage sollen Benzin und Diesel im Tank ihre Eigenschaften bewahren, heißt es aus der Mineralölindustrie.

 

Yachten und Boote im Winterlager.
Bei der Einwinterung im Winterlager immer auf Nummer Sicher gehen, damit es im Frühjahr keine böse Überraschung im Tank gibt.

 

Tankhygiene das A & O

Deshalb ist der in Fachkreisen bestens bekannte Begriff „Tankhygiene“ besonders wichtig für all diejenigen, die auch im kommenden Frühjahr unbeschwert in die Wassersportsaison starten wollen, beziehungsweise ihre anderweitig für den Winter eingelagerten Motoren nutzen möchten, ganz gleich, ob Oldtimer, Cabrio oder Rasenmäher, Boot oder Yacht.

Benzin und Diesel: Nur 90 Tage garantierte Qualität

Kraftstoffe sind vom Hersteller entsprechend konzipiert, dass sie in relativ kurzer Zeit entweder im PKW oder im LKW verbraucht werden. Deshalb schenken die Mineralölunternehmen Themen wie Alterungsstabilität oder bakterielles Wachstum (Dieselpest) keine besondere Aufmerksamkeit, weil die saisonale Nutzung nur einen relativ kleinen Anwenderkreis betrifft und man hier eher auf Eigenvorsorge, sprich Additivierung setzt. Im Folgenden ein kurzer Erklärungsversuch, welche Kriterien bei der Einwinterung von Booten, Yachten und anderen mit Kraftstoffen wie Benzin und Diesel betriebenen Geräten zu beachten sind.

Feuchtigkeit über Tankentlüftung Dieselfeind Nr. 1

Hauptfeind Nummer Eins ist in jedem Fall Feuchtigkeit, die über die Tankentlüftung in den Benzintank oder Dieseltank eindringt und an den Tankwänden kondensiert. Diese Feuchtigkeit befördert bei Dieselkraftstoffen das Wachstum von Bakterien und führt zur Dieselpest und unter anderem zu Alterungserscheinungen im Diesel. Dieselpest kann einen bräunlichen bis schwarzen „Schlamm“ verursachen, der sich am Tankboden festsetzt und Kraftstofffilter und möglicherweise auch die Diesel-Injektoren verstopft. Aber auch normale Alterungserscheinungen im Diesel können die Schmierfähigkeit drastisch verringern, was zu Schäden an den durch Kraftstoff geschmierten Komponenten führen kann.

Regel Nummer Eins: Dieseltank vor dem Einwintern komplett füllen

Wer den Dieseltank vor der Einwinterung komplett füllt, reduziert das Volumen der eindringenden Luft und verhindert, dass Feuchtigkeit über die Außenluft in größeren Mengen in den Tank eindringen kann und als Wasser an den Tankwänden kondensiert und in den Kraftstoff übergeht, wo es dann den perfekten Nährboden für die Ausbreitung der Dieselpest bietet.

 

Dieseltank vor dem Einwintern komplett füllen.
Dieseltank vor dem Einwintern komplett füllen.© Branko Ostojic | Adobe Stock

 

Regel Nummer Zwei: Additive bei einer Lagerung von Diesel verwenden.

Mit dem fehlenden Eintrag von Wasser hat man zwar die erste Hürde der richtigen Einwinterung genommen, doch auch während des Betriebs im Sommer kann sich bereits Feuchtigkeit im Diesel breit gemacht haben, die sich durch den Biodiesel-Anteil nicht wie früher trennt, sondern über den gesamten Tankinhalt verteilt. Deshalb empfiehlt es sich, mit einem Biozid haltigem Additiv einer möglichen Ausbreitung der Bakterien Einhalt zu bieten. Bewährte Mittel sind Grotamar oder Diesel Marine Schutz. Wer zusätzlich etwas gegen die Alterung und den Verlust der Schmierfähigkeit des Diesels unternehmen will, kann beispielsweise auf InSyPro von Deutz zurückgreifen.

Regel Nummer Drei: Benzintank füllen und ebenfalls additivieren

Auch beim Benzin im Tank gilt: Vorbeugen ist besser als reparieren. Auch hier sollte nach der Saison der Tank komplett gefüllt sein, um Wassereintrag über die Tankentlüftung weitestgehend auszuschließen. Es besteht dann allerdings immer noch die Möglichkeit, dass sich über die Nutzung während der Saison Feuchtigkeit im Tank breit gemacht hat, die sich dann sowohl an der Tankpumpe als auch an der Hochdruckpumpe niederschlägt und zu Korrosion führt.

Durch die so veränderte Oberflächenstruktur erhöhen sich an den korrodierten Komponenten die Reibwerte, was dauerhaft zu Schäden führen kann. Hier beugt man relativ sicher vor mit einem Benzinstabilisator, wie ihn beispielsweise Liqui Moly im Angebot führt. Er schützt die mit Benzin beaufschlagten Komponenten vor Korrosion, indem er sie mit einem leichten Schmierfilm überzieht.

Wichtig allerdings: Den Kraftstoffzusatz nicht erst nach der Einwinterung zugeben, sondern damit noch ca. 15 Minuten fahren, damit alle empfindlichen Teile des Kraftstoffsystems entsprechend geschützt sind.

Regel Nummer Vier: Bei Dieselpest-Befall hilft nur Tankreinigung

Eines schaffen – entgegen vieler Beteuerungen der Hersteller – die Additive allerdings nicht: Hat man signifikante Mengen an Dieselpest bereits im Tank, hilft nur noch eine Tankreinigung, wie sie beispielsweise die MFT-Mikrofiltertechnik in jedem Frühjahr auch in Kroatien und Italien anbietet. Für SeaHelp-Mitglieder sogar zu Vorteilskonditionen. Über die nächsten Termine der Frühjahrstour nach Italien und Kroatien der Tankreinigungsprofis werden wir an dieser Stelle entsprechend informieren. Doch Vorbeugen mit Additiven ist immer noch besser als reinigen.

Keine Garantie bei Kraftstoff-Alterungserscheinungen

Generell sollte man sich aber darüber im Klaren sein, das gerade neuere, emissionsoptimierte Motoren auch eine deutlich bessere Kraftstoffqualität verlangen und im Schadensfall während der Garantie die Hersteller als Erstes eine Kraftstoffprobe entnehmen. Entspricht die nicht mehr der DIN-Norm, also DIN EN 228 bei Benzin und DIN EN 590 bzw. DIN EN 15940 bei Diesel gemäß der Betriebsanleitung, kann die Garantie auf die entsprechenden geschädigten Komponenten entfallen. Dann wird es richtig teuer.

 

Dieselpest im Tank
Benzin und Diesel verfügen nur über eine gesicherte Qualität über ca. 90 Tage. Geht die saisonale Nutzung der Kraftstoffe über diesen Zeitraum hinaus, sollte man möglichst mit Additiven nachhelfen, um der Dieselpest und den Alterungserscheinungen vorzubeugen. © MFT Mikrofiltertechnik GmbH

 

Sonderstellung Tanks bis 150 Liter

Bei kleineren Tanks für Benzin oder Diesel kann – entsprechend den Gegebenheiten auf dem Boot oder der Yacht – es auch Sinn machen, den Tank im Herbst komplett zu entleeren, im Frühjahr zu reinigen und dann neu zu befüllen mit „frischem“ Benzin oder Diesel.

Vorsicht bei der Produktgruppe der Enzymadditive

Und noch ergänzend zum Thema Additive: Vor Jahren wurde über einen Labortest hinsichtlich der Wirksamkeit von Enzymadditiven berichtet. Hier hat sich grundsätzlich nichts geändert. Die Mineralölindustrie rät weiterhin zu den bewährten Mitteln mit nachgewiesenem Schutz, von denen einige gängige Produkte in diesem Beitrag aufgeführt wurden, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Fazit zur Einlagerung von Kraftstoffen

Wer Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel länger als 90 Tage im Tank belässt, betreibt damit im Sprachgebrauch der Mineralölindustrie eine sogenannte Sondernutzung. Dann sollte man entsprechend additivieren. Diese Additive erspart sich die Industrie aus Kostengründen, weil sie davon ausgeht, das Benzin und Diesel in diesem Zeitraum aus dem Tank verbraucht sein sollte. Bei bestimmten Benzin- und Dieselsorten wird zwar eine längere Haltbarkeit garantiert, die letztendlich der Eigner aber nicht belastbar überprüfen kann. Deshalb sollte man immer auf Nummer Sicher gehen, damit es im Frühjahr nach der Einwinterung keine böse Überraschung gibt.

 

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