Flaggenführung auf Yachten: Was jeder Skipper beachten sollte

Was ist eigentlich eine Flagge, und was unterscheidet sie von einer Fahne? Nun, ganz einfach: bei einer Flagge handelt es sich zunächst ganz einfach um ein rechteckiges, ein- oder mehrfarbiges (auch: verschiedenfarbig gemustertes) Stück Tuch, das an einer Schmalseite (der Heiß) eingeliekt ist und am oberen Ende des Lieks mit einem Auge aus Tauwerk, am unteren mit einem Wirbel oder Knebel, gegebenenfalls auch mit einem Flaggleinen-Schäkel versehen ist – Flaggenführung-Skipper-Tipps der SeaHelp-Redaktion für den gelungenen Törn.

Für jeden Buchstaben gibt es eine eigene Buchstabenflagge, die zum sogenannten Flaggenalphabet gehört. Außerdem unterscheiden Seeleute Nationalflaggen, Rennflaggen, Protestflaggen und Hausflaggen. So weit, so gut. Im Gegensatz zu einer Fahne wird die Flagge übrigens immer an einer extra Flaggleine gefahren und mit dieser auch gesetzt und niedergeholt. Die Berechtigung zum Führen der Bundesflagge weist der Yachtbesitzer durch ein Flaggenzertifikat nach, den korrekten Umgang mit einer Flagge im Allgemeinen nennt man Flaggenführung. Jeder Skippersollte damit vertraut sein.

Jeder Skipper sollte auf dem Törn mit der Flaggenführung vertraut sein

Grundsätzlich ist jedes Schiff danach verpflichtet, die Flagge des Staates, in dem es immatrikuliert ist, während des Tages am Flaggstock zu zeigen. Sie wird bei Sonnenaufgang vorgeheißt (gesetzt) und bei Einbruch der Abenddämmerung niedergeholt. Die Ausnahmen bilden Standarten der Staatsoberhäupter, Admiralsflaggen und Kommandantenwimpel, sie werden „von Mond und Sonne beschienen“.

Das Hissen wie Niederholen der Flagge wird auf Kriegsschiffen mit einer feierlichen Flaggenparade gewürdigt. Sie wird musikalisch untermalt, wenn ein Musikkorps zur Verfügung steht, anderenfalls wird die Bootsmannspfeife benutzt. Die „Flagge auf halbmast“ ist übrigens ein Überbleibsel aus der Zeit, in der man an Bord „in Sack und Asche“ trauerte, beispielsweise wenn der Kapitän verstorben war. Dann wurden Rahen und Takelage bewusst in Unordnung gebracht.

Nicht nur Tradition: Flaggengala, Flaggengruß & Co.

Die Flaggengala (flag dressing, dressed full), teilweise auch Flaggenschmuck genannt, wird bei festlichen Gelegenheiten gesetzt. Dabei werden die Signalflaggen aneinandergereiht längsschiff über die Toppen (Mastspitzen) gesetzt. Seeleute sagen dazu deshalb auch „über die Toppen flaggen“.

In der Regel werden Flaggen nicht auf See und bei schlechtem Wetter gesetzt, um nicht das internationale Notsignal vorzutäuschen, wenn zwei Flaggen unter einer Saling wehen. Stattdessen werden Flaggen nur in der Nähe der Küste gesetzt sowie beim Begegnen mit anderen Fahrzeugen zum Dippen beim sogenannten Flaggengruß.

Beim Flaggengruß (flag dipping, flag salute) begrüßen einander begegnende Fahrzeuge durch das sogenannte Dippen der Nationale. Und das funktioniert so: die zuerst grüßende Yacht holt ihre Flagge halb nieder und heißt sie erst wieder vor, wenn die andere nach dem Dippen ihre Flagge wieder gesetzt hat. Übrigens: das fahrende grüßt stets das stillliegende Boot, ein auslaufendes das im Hafen liegende Boot, ein auslaufendes das einlaufende und ein überholendes das überholte Boot! Wichtig: Kriegsschiffe werden stets zuerst gegrüßt.

Wo wird die Nationale gesetzt – und was hat es mit der Flaggenparade auf sich?

Die Nationalflagge (national flag, national ensign) fährt man bei Jollen und kleineren Yachten am Flaggenstock am Heck, bei größeren Yachten auch am oberen Drittel des Großsegel-Achterlieks, bei Gaffeltakelung an der Gaffel des Großsegels, bei einer Ketsch oder Yawl im Topp des Besanmastes.

Flaggen des Gastlandes werden bei Segelschiffen unter die Steuerbord-Salinge des Großmastes gesetzt, bei Motorschiffen an vergleichbarer Stelle, jedenfalls aber immer höher als die eigene. Beim Einlaufen in den ersten eigenen Hafen kann dann eine Gala bestehend aus allen Flaggen der unterwegs angelaufenen Länder gesetzt werden.

Bei der Flaggenparade (coulours) setzen alle Boote im Hafen gemeinsam die Nationale oder andere Flaggen, oder sie holen sie gemeinsam ein. Vom 1. Mai bis zum 30. September werden die Flaggen um 8 Uhr vorgeheißt, in den übrigen Monaten um 9 Uhr. Dabei richtet man sich am besten nach dem Flaggenmast des örtlichen Segelclubs, nach Kriegsschiffen oder der größten Yacht. Das gemeinsame Niederholen erfolgt bei Sonnenuntergang. Übrigens: ist die Crew zu diesem Zeitpunkt nicht an Bord, holt sie ihre Flaggen vorher ein.

Eine Flagge zum Abschied – und für den Notfall an Bord

Das Abschiedssignal auf einem Schiff, das binnen 24 Stunden den Hafen verlässt, ist die Signalflagge P, genannt Blauer Peter (Blue Peter), die früher auch dazu diente, die Mannschaft aufzufordern, sich unverzüglich an Bord zu begeben.

Ein einfaches Notsignal an Bord ist übrigens die sogenannte „Flagge in Schau“ (flag with a wheft/waft). Dazu wird in das Tuch der Nationale, die an ihrem üblichen Platz (siehe oben) gefahren wird, ein einfacher Überhandknoten geschlagen.

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