Kommunikationsmittel an Bord: UKW-Funk (Seefunk) auf Yachten

UKW-Funk (Seefunk) auf Yacht & Boot - UKW-Funkgerät an Bord
Vom kompakten UKW-Funkgerät bis zur All-in-One-Kommunikationslösung an Bord.© Raymarine

UKW Funk (Seefunk) ist seit vielen Jahren eines der wichtigsten Kommunikationsmittel auf Yachten und wird auch in absehbarer Zeit nicht von Mobiltelefonen abgelöst werden. Speziell in Seenotfällen oder beim Anmelden in Marinas ist das Funkgerät deutlich überlegen, weil automatisch alle Schiffe in der Umgebung mithören und eventuell schnelle Hilfe geben können.

Damit der UKW Funk am Schiff gut funktioniert und die maximale Reichweite liefern kann, sind einige Punkte sehr wichtig und müssen beachtet werden.

 

Ray73 von Raymarine - UKW Funkgerät für Seefunk
Ray73 von Raymarine mit integriertem UKW, AIS-Empfänger und Megafon-Funktionen.© Raymarine

 

Antenne und Kabel

Ein UKW Funkgerät braucht eine gute Antenne und ein ebenso passendes Antennenkabel. Oft wird ein RG58U Kabel verwendet, das bis zu einer Kabellänge von 6m gut funktioniert aber bei größeren Längen einen starken Verlust an Sendeleistung mit sich bringt. Es muss also schon vor der Montage geprüft werden, welche Kabellänge das Antennenkabel braucht, um ein passendes Kabel zu wählen.

 

Kabelbezeichnung Durchmesser Max. Länge mit geringem Leistungsverlust
RG58U 50 Ohm 5 mm 6 m
CO100 50 Ohm 6 mm 30 m
Aircell 7 50 Ohm 7 mm 30 m
RG213U 50 Ohm 13 mm 40 m

 

Die Antennen sind in verschiedenen Längen verfügbar. Je länger die Antenne, desto besser ist die Sendeleistung, wenn die Antenne senkrecht steht. Auf Segelyachten werden oft kürzere Antennen verwendet, weil damit auch bei Schräglage die Ausstrahlung zielgerichtet parallel zum Horizont erfolgt. Daher ist es auch bei langen Antennen wichtig, dass diese senkrecht und nicht nach hinten geneigt montiert werden, wenn maximale Reichweite gewünscht wird.

Kurze UKW Antenne Krängung
Die Aussendung bei einer kurzen Antenne erfolgt kreisförmig, daher spielt hier die Krängung keine Rolle.
Natürlich erfolgt die Aussendung weiter als im gelb eingezeichneten Bereich. Dieser ist nur zur Verdeutlichung der Funktion so gewählt!© Werner Ober GmbH & Co KG Stock
Lange UKW Antenne Krängung
Die Aussendung bei einer langen Antenne erfolgt elyptisch, daher wirkt hier die Krängung negativ. Das Signal geht ins Wasser oder den Himmel.
Natürlich erfolgt die Aussendung weiter als im gelb eingezeichneten Bereich. Dieser ist nur zur Verdeutlichung der Funktion so gewählt!© Werner Ober GmbH & Co KG Stock

 

Ein ebenso wichtiger Punkt ist die korrekte Montage der Antennenstecker. Der PL259 Stecker ist der gängigste Stecker für Funkverkabelung. Hier ist besonders wichtig, dass ein guter Kontakt zum Kabel-Schirm gegeben ist und dass der Heißleiter (innere Leitung des Koaxialkabel) am Stecker verlötet (siehe blauer Pfeil) wird.

UKW-Funk (Seefunk): Antennen Stecker PL259

 

Wenn auf dem Schiff auch ein AIS mit einer Antennenweiche montiert wird, muss eine Breitband-UKW-Antenne (20MHz) verwendet werden, damit sowohl der Funk als auch das AIS gut arbeiten können. Bei einer Standard UKW Antenne kann am AIS ein Stehwellen Fehler angezeigt werden und die AIS-Aussendung kann nicht erfolgen.

Reichweite von UKW Funkgeräten

Die theoretische Reichweite eines UKW Funkgeräts kann sehr leicht errechnet werden. Dazu gilt die nachfolgende Formel:

Distanz (nm) = √(1.42 x Antennenhöhe in Fuß)
z.B. wenn eine Antenne auf einem 30 Fuß Mast (ca. 9m) ist:

√(1.42 x 30) = 6.5 Seemeilen (ungefähr)

Zulassung

Jedes Funkgerät (wie alle Sendeanlagen wie auch Radar, AIS, SART…) müssen in jenem Land zugelassen werden, unter dessen Flagge das Schiff angemeldet ist. Dazu ist neben der Declaration-of-Conformity auch die Notifizierung (diese macht der Hersteller/Importeur) im entsprechenden Zulassungsland erforderlich. Bei der Zulassung wird die MMSI (Mobil Maritime Ship Identity) zugeteilt, die im Funkgerät einprogrammiert sein muss. Für Geräte, die auch auf den Binnen-Wasserstraßen verwendet werden, erteilt die Fernmeldebehörde auch die ATIS-Nummer.

Seit November 2018 dürfen von den Herstellern nur noch Marine-Funkgeräte mit der Anschlussmöglichkeit einer externen GPS-Antenne verkauft werden. Auch wenn das Funkgerät ein eingebautes GPS hat, muss dieser Anschluss vorhanden sein. Geräte ohne DSC (Digital-Selectiv-Calling = das ist die neue Notruf-Einrichtung, bei der immer die GPS-Position und die MMSI-Nummer des Schiffes mitgesendet wird), werden nicht mehr zugelassen.

Beachten Sie auch, dass für die Anmeldung die Declaration-of-Conformity erforderlich ist und diese nicht älter als 5 Jahre sein darf. Wenn Sie ein gebrauchtes Boot kaufen und dort bereits ein Funkgerät mit MMSI-Nummer verbaut ist, muss diese Nummer gelöscht werden. Das können Sie nicht selbst und kann nur von einer entsprechend Servicestation des Funkgeräte Herstellers gemacht werden kann. (für Raymarine z.B. Firma Werner Ober GmbH & Co KG – Yachtelektronik, Kontakt siehe unten)

UKW Handfunkgeräte können auf unter österreichischer Flagge zugelassenen Schiffen nur zusätzlich zu einer fix installieren Funkanlage zugelassen und müssen natürlich ebenfalls angemeldet werden.

Funktionen und Optionen

Jedes aktuelle UKW Funkgerät muss die oben beschriebene DSC-Funktion haben. Im Seenotfall wird die entsprechende Taste (diese ist rot und hinter einer Klappe gesichert) gedrückt. Dann werden vordefinierte Notmeldungen am Display angezeigt und die zutreffende wird gewählt, und der Notruf bestätigt. Das Gerät sendet dann so lange die Notmeldung mit der aktuellen Position, Datum und Uhrzeit, bis eine Küstenfunkstation reagiert. Dann wird auf einen Arbeitskanal umgeschaltet, um die Hilfe zu koordinieren. Während dieser Zeit muss nicht laufend Mayday-Mayday gefunkt werden, sondern kann weiter an der Problembehebung gearbeitet werden.

Es sind auch Funkgeräte mit Mehrplatz-Funktion oder in einer Blackbox-Lösung (der Transceiver wird versteckt eingebaut und es sind „nur“ die Handgeräte mit Display sichtbar) verfügbar.

Bei diesen Geräten können mehrere Funkplätze an ein Gerät angeschossen werden, um z.B. von der Flybridge ebenso kommunizieren zu können wie vom Hauptsteuerstand.

Diese Zweitstationen können mit Kabel oder auch kabellos gelöst werden. Bei vielen Geräten besteht auch eine Intercom-Funktion (Gegensprechanlage) zwischen den Stationen.

 

Ray90 von Raymarine - UKW Funkgerät für Seefunk
Ray90 von Raymarine im Black-Box-Design und der Möglichkeit kabelgebundene und kabellose RayMic Handgerät anzuschließen.© Raymarine

 

Bei hochwertigsten Funkanlagen kann auch ein Druckkammer-Horn (Loudhailer) mit Gegensprech-Funktion angeschlossen werden. Damit kann vom Funkgerät problemlos mit dem Crew-Mitglied am Vorschiff oder dem Marina-Arbeiter gesprochen werden. Diese Geräte haben auch die Möglichkeit, das Druckkammerhorn als Nebelhorn oder Sirene zu verwenden.

Auch kombinierte Funkanlagen mit eingebautem AIS-Empfänger sind erhältlich. Funk-Anlagen mit eingebautem AIS-Transponder sind kaum verfügbar und sehr anfällig, weil dabei laufend die Sendeleistung zwischen AIS-Aussendung und UKW-Aussendung umgeschaltet werden muss. Das macht den Endstufen SEHR zu schaffen und reduziert die Lebensdauer.

Die früher verwendete Funktion sich von einer Küstenfunkstation ins öffentliche Telefonnetz verbinden zu lassen, wird heute kaum mehr genutzt und ist von Mobiltelefonen weitgehend abgelöst worden. Nur in Gebieten mit schlechter GSM-Netz-Abdeckung wird diese Funktion gelegentlich noch verwendet.

Abschließend kann gesagt werden, dass UKW Seefunk international und in Küstennähe noch lange als Kommunikationsmittel im Einsatz bleiben wird und auch in fast allen Ausrüstungslisten vorgeschrieben ist.

 

Information und Beratung

Spezialist für die Beratung und den Einbau von Yachtelektronik ist die Firma WERNER OBER GmbH & Co KG – Yachtelektronik.

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Werner Ober GmbH & Co KG
Yachtelektronik
Reichsstraße 38
6890 Lustenau | Österreich

Tel: +43 (0)5577 824 19
Email: werner.ober@yachtelektronik.at
Web: www.yachtelektronik.at

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