Mit dem Haustier an Bord: Mit Hund und Katze unterwegs? SeaHelp erklärt, wie Haustiere gute Crewmitglieder werden

Gerade in der Urlaubszeit Haustiere zu Hause zu lassen oder in eine Tierpension zu geben fällt schwer, ist aber manchmal für alle Beteiligten die entspannteste Lösung. Entscheidend ist, wie die Crew zum Schiff kommt, wohin der Törn geht und wie lang die Seereise sein soll. Für einen einwöchigen Charterurlaub in einer Destination, die mit dem Flugzeug am besten zu erreichen ist, ist es wenig sinnvoll, Hund oder auch Katze aus der gewohnten Umgebung zu reißen. Wer jedoch mehrere Wochen am Stück durch das Mittelmeer cruisen möchte, kann diese Auszeit unter Segeln auch mit seinem Haustier planen. Dann sollte aber auch das Schiff auf die Bedürfnisse des tierischen Passagiers vorbereitet werden.

Hund oder Katze und Exoten

Vor allem kleine Hunde lassen sich gut an Bord mitnehmen und in den Alltag unter Segeln integrieren. Katzen, von Natur aus weniger flexibel und sehr an ihre gewohnte Umgebung gebunden, sind schon schwieriger mit dem Leben auf einem kleinen Boot zu versöhnen. Die meisten Katzen fühlen sich zu Hause wohler und sind mit einer „Cat-Sitter“ Lösung während der Ferien zufrieden. Vor allem, wenn sie an Freigang gewöhnt sind, behagt ihnen das Leben auf engem Raum an Bord nicht.

In jedem (guten) Piratenfilm krächzt auf der Schulter des einbeinigen Seeräubers ein buntgefiederter Papagei, doch die großen Vögel sind inzwischen nicht nur auf See selten geworden – vor allem, weil die Haltungsbedingungen mit dem Flugbedürfnis der Vögel nur schwer in Einklang zu bringen sind. Es gab auch schon puschelige Kaninchen und Meerschweinchen, die in ihren kardanisch aufgehängten Käfigen auf der Barfußroute den Atlantik überquert haben und entspannt in der Wärme irgendwo an und unter Deck dösende Reptilien, doch diese Haustiere an Bord sind genauso selten anzutreffen wie Hühner. Und doch: Der Franzose Guirec Soudée erkundete drei Jahre lang mit seinem Huhn „Monique“ die Weltmeere und erfreute sich jeden Morgen über ein frisches Frühstücksei.

Hunde von Anfang an mitnehmen

Wie aber wird aus einem Hund ein guter Bordhund, der freudig wedelnd die Gangway hinaufläuft und auf dem Schiff alles im Blick hat? Indem man ihn von klein auf, am besten noch als Welpen, mit an Bord nimmt und das Betreten des zuweilen schwankenden Schiffes für ihn immer positiv besetzt ist. Heißt: Wer an Bord dabei ist, darf ein bisschen mehr als zu Hause und wird dafür belohnt, dass er alles mitmacht. Die Eingewöhnungsphase an Bord wird mit vielen kleinen Leckerlis erleichtert.

Die Rettungsweste ist problemlos angezogen? Dann darf es eine kleine Belohnung sein. Der Hund legt sich ruhig auf die Cockpitbank in Lee und wuselt nicht zwischen den Beinen des Rudergängers? Auch dafür darf es eine Kleinigkeit geben. Genauso, wenn er es geschafft hat, sich an dem dafür vorgesehen Platz an Bord zu „lösen“.

Besser kleine als große Hunde

Kleine bis mittelgroße Hunde sind an Bord deutlich besser unterzubringen als große. Mit einem Gewicht bis zu 15 Kilo lassen sie sich noch gut auf den Arm nehmen und so einfach über die Reling- und den Bugkorb heben. Große Hunde sind schwer an Bord einer Cruisingyacht zu integrieren, genießen es aber sehr, wenn sie mit wehenden Ohren auf einem Schlauchboot oder schnellen Tender mitfahren dürfen.

Haustiere an Bord vorher anmelden

Die Einreisebestimmung in den jeweiligen Ländern für Tiere sind höchst unterschiedlich und sollten schon vor Reisebeginn genau studiert werden. Noch am Heimatort sollte das Tier alle nötigen Schutzimpfungen bekommen, der Impfpass muss auf jeden Fall mit. In der EU gibt es seit mehreren Jahren einen von allen Ländern anerkannten Heimtierausweis, in den alle wichtigen Daten – auch die Chipnummer der Registrierung – eingetragen werden.

In einigen Ländern müssen die Tiere bei ihrer Einreise in Quarantäne, wer mit seinem Hund nach Großbritannien will, muss ihn kurz vor der Einreise einer Wurmkur unterziehen. Sehr detaillierte Informationen über die Bestimmungen in den einzelnen Reiseländern gibt es auf der Seite www.petsontour.de. Ein Anruf bei der Tierhaftpflicht, ob das Tier auch im Ausland versichert ist, hilft zudem allen Eventualitäten vorzubeugen.

Vercharterer über das Haustier informieren

Wer sein Tier mit an Bord nehmen möchte, muss seinen Vercharterer vorher über den vierbeinigen Passagier, der eine Menge Sandkörner und Haare in der Bilge hinterlassen wird, informieren. Meist wird die anschließende Reinigung nach der Rückgabe des Bootes etwas teuer, manche Charteragenturen vermieten auch nur bestimmte Boote an Segler mit Hund.

Hunde sicher an Bord

Auf nassem Deck und schmalen, glatten Stegen kommen Hunde schnell ins Rutschen. Hier helfen rutschfeste Gummimatten oder Antirutsch-Klebebänder, wie sie auch für Treppen verwendet werden. Neben der Gangway sollte auch der Niedergang für die Vierbeiner entsprechend „entschärft“ werden. Damit die Hunde oder auch Katzen während des Törns nichts unfreiwillig über Bord gehen, hilft ein rund um die Reling gespanntes Netz. Und dennoch ist eine Schwimmweste mit Griff am Rücken wichtig, falls Hund oder sogar Katze doch einmal über Bord gehen.

Bei schwerem Wetter sollten die Haustiere angeleint im Cockpit sein oder gut gesichert unter Deck. Sie können sich im Gegensatz zu uns nicht festhalten und brauchen eine sichere Koje in Lee, in der sie nicht von herumfliegenden Gegenständen getroffen werden können.

Die Sache mit dem „Geschäft“ der Hunde

Während viele Katzen an Bord ihr von zu Hause vertrautes Katzenklos nutzen, ist es für Hunde deutlich schwieriger, an Deck einen geeigneten Platz zu finden, um sich in Ruhe zu „lösen“. Schließlich empfinden es Hunde als furchtbar, in ihrem eigenen zu Hause – und das ist das Schiff schon nach wenigen Minuten – ihr Geschäft zu verrichten. Hier hilft nur langsame, vorsichtige Gewöhnung, am besten schon im Welpenalter. Ein mit Streu ausgestattetes Katzenklo, ein Stück Kunstrasen oder auch ein spezielles Pee Pad sind gute Möglichkeiten, die Hunde an ihre „Bordtoilette“ zu gewöhnen.

Ist der Törn auf wenige Stunden begrenzt, vermeiden viele Hunde den Gang aufs Bordklo und halten über mehrere Stunden an. Ist die Yacht nach rund fünf Stunden im nächsten Hafen fest, freuen sie sich umso mehr, wenn sie wieder festes Land unter den Pfoten haben.

Bordapotheke für Haustiere

Auch Haustiere können seekrank werden. Und dann ergeht es ihnen ganz genauso wie Menschen, nur, dass sie den Sprung nach Lee nicht schaffen. Um dem Übel vorzubeugen, sollten Hunde vor einer längeren Überfahrt nur eine kleine Portion Futter bekommen und immer genügend frisches Wasser zur Verfügung haben. In die Bordapotheke für Haustiere gehören neben einem Mittel gegen Seekrankheit eine Tinktur gegen Zecken und Flöhe und Wunddesinfektion.

Und auch wenn Hunde ein (dickes) Fell haben: Sie können sich einen Sonnenbrand holen. Eincremen mit einem hohen Lichtschutzfaktor ist bei den Fellnasen schwierig, Schutz bieten spezielle Kühl- oder Sonnenschutzwesten aus dem Outdoorbedarf. Sieht lustig aus, hilft aber – nicht nur gegen Sonnenbrand, sondern auch gegen Überhitzung. Hunde mit einem besonders dicken, langen Fell können vor der Sommertour noch einmal zu Friseur und gründlich geschoren werden. Dieser kurze Sommerschnitt hilft bei Hitze ungemein, macht die Haut aber noch empfindlicher gegen Sonnenbrand.

Rücksicht

So mancher Liegeplatznachbar fühlt sich gestört, wenn mitsegelnde Hunde jeden, der es wagt über den Steg zu gehen, mit großem Gebell ankündigen. Mit der nötigen Rücksicht lässt sich aber auch dieses Problem umschiffen. Und dass die Hinterlassenschaften der Haustiere bei jedem Landgang aufgenommen und im Mülleimer entsorgt werden, versteht sich von selbst. Das sollte inzwischen für jeden Hundehalter zur Selbstverständlichkeit geworden sein, am Heimatort genauso wie im Urlaubsdomizil.

Die Kehrseite

Haustiere und vor allem Hunde machen viel Schmutz, an und unter Deck. Wenn Hunde glücklich vom Spielen am Strand zurück an Bord tapsen, bringen sie jede Menge Sand mit. Dazu kommen die vielen Haare, die Hunde und Katzen täglich verlieren und die sich in den kleinsten Ritzen festsetzen.

Während des Segelns oder der Fahrt übers Wasser liegen vor allem Hunde oft gemütlich auf ihrer Decke und dösen vor sich hin. Ist dann die Marina erreicht, wittern sie „Landluft“ und werden aktiv. Während so mancher Segler nach dem Anlegen und Einklarieren erst einmal einen Drink an Deck nehmen und sich entspannen möchte, müssen Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern erst einmal an Land.

Noch komplizierter ist es, wenn die Yacht in einer Bucht gemütlich vor Anker liegt. Dann müssen die Hunde mit dem Dinghi an Land gebracht werden. Je kleiner der Hund und je mehr die Crew auf dieses Manöver eingestellt ist, desto besser funktioniert es.

Spaß mit dem Bordhund

Bilder von Hunden, die sich den Wind um die Schnauze wehen lassen, hinter dem Steuer stehen und scheinbar die Yacht allein lenken oder auf einem Stand Up Paddle Boards sitzend zusammen mit ihrem Besitzer eine Bucht oder den Strand erkunden erfreuen uns nicht nur in den sozialen Netzwerken, sondern auch als Nebenlieger im Hafen oder der Ankerbucht.

 

Haustier an Bord: stand up paddle mit dem Hund in der Bucht
© Adobe Stock

 

Und ein gemütlich im Cockpit dösender Hund zeigt überzeugend, dass das Leben auf einer Yacht auch für Tiere schön ist – wenn wir auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nehmen und ihrem natürlichen Bewegungsdrang, Spieltrieb und Schlafbedürfnis entgegenkommen. Haben Hunde gelernt, dass sie vor einem längeren Törn ausgiebig Gassi geführt werden, die Stunden auf See verschlafen dürfen und beim folgenden Landgang mit einer ausgiebigen Spiel- oder Baderunde belohnt werden, sind sie super Mitsegler – auch wenn sie nie lernen werden, nach einer Wende die Schoten dicht zu nehmen.

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